reden, ideen, transparenz

Schlagwort: NeuMarx Halle

Rechungsabschluss des Kulturbudget 2025

Rede im Wiener Gemeinderat am 23.6.26

Sehr geehrte Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Gäste im Livestream und auf der Galerie,

Zuerst: Danke an die Mitarbeiter:innen der MA7 und im Stadträtinnen‑Büro für die viele Arbeit im letzten Jahr – die Zusammenarbeit ist oft wirklich gut und kollegial. Und natürlich all den Menschen , die hier in Wien als Künstlerinnen und Künster arbeiten – egal wie schwierig die Rahmenbedingungen sind.

Und jetzt zur Sache: Ich bin irritiert, ehrlicherweise sogar verärgert.

Wie schon im Vorjahr wurde „vergessen“, den Ausschussmitgliedern rechtzeitig einen Kulturbericht zum Rechnungsabschluss vorzulegen.
Heuer kam der Kulturbericht 2025 am Freitag Nachmittag nur an die Büros, im Digipol war er nicht aufrufbar.
Sie haben alle E‑Mail‑Adressen aller Ausschussmitglieder – warum also keine Aussendung eine Woche vor der Sitzung? Wie sollen wir so ernsthaft über einen Rechnungsabschluss diskutieren?

Schon beim schnellen Blick fällt auf:
In der Musikförderung gibt es weiterhin einen massiven Gendergap – bei Preisen nur rund ein Drittel Frauen, bei Kompositionsförderung kaum mehr als 30 Prozent.

Und ein zweiter Gendergap springt ins Auge:
Großbühnen mit gesicherten Arbeitsbedingungen und sehr gutem Einkommen werden 2025 von Männern geführt – Josefstadt, Volkstheater, Vereinigte Bühnen, Theater der Jugend –
während in der freien Szene 78 Prozent der Leitungen Frauen sind, also dort, wo es prekärer gearbeitet werden muss – auf allen Ebenen.
Ja, mit den neuen Intendantinnen ab Herbst 26  in Theater der Jugend und Josefstadt ändert sich  das Bild etwas – aber für 2025 schaut das in der selbsternannten „Frauenstadt Wien“ nicht gut aus.

Unserer Forderungen für das neue Budgetjahr:

Erstens: transparente Ausschreibungsverfahren 

Die Stadt Wien braucht für stadtnahen Kultur-Institutionen ein klares, öffentlich nachvollziehbares Prozedere – dafür haben wir einen Antrag gestellt.
JA, es gibt einen Anlass:
Wie es nicht laufen darf, hat die Besetzung des Schauspielhauses gezeigt.

Es ist total legitim, dass eine Stadträtin findet, ein Leitungsteam erfüllt nicht, was sie sich für ein Haus vorstellt, seien es die erreichten Zielgruppen oder die Schwerpunkte. Das will ich hier gar nicht diskutieren.

Es ist auch legitim, dass sie sich Frau Stadträtin strukturelle Veränderungen bei den Mittelbühnen wünschen – aber warum kommunizieren Sie das nicht VOR der Ausschreibung an die Betroffenen?!

Das wäre für allen Beteiligten einfacher gewesen.

Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen mit vielen Verlierern:

  • Die Jury wird infrage gestellt, weil sie halb so groß war, wie vor 4 Jahren, und mindestens zur Hälfte aus weisungsgebundenen bzw. stadträtin-nahen Personen bestand.
    Wenn Sie ohnehin allein entscheiden wollen, wozu dann diese Jury?
  • Auch die neue künstlerische Geschäftsführung ist beschädigt:  ihr wurden öffentlich unlautere Methoden nachgesagt – sowas bleibt picken,
  • das alte Team hat keine Anerkennung für ihre Erfolge bekommen,
  • und die ganze Kultur-Szene ist verunsichert, weil der Ausschreibungstext offenbar im Nachhinein umgedeutet wurde. Auf welche Zusagen kann sie sich in Zukunft verlassen

Maximaler Schaden – politisch, institutionell und für die Glaubwürdigkeit der Stadt.

Zweiterns:  Mehrjahresförderungen erhalten.

Was wir letzte Woche im Gemeinderat erlebt haben, war eine Farce: SPÖ und NEOS drücken Förderrichtlinien durch, die Mehrjahresförderungen de facto abschaffen und durch Ein‑Jahres‑Förderungen ersetzen.
Gleichzeitig fährt die Stadträtin eine mediale Beruhigungskampagne, in der sie verkündet, Mehrjahres‑ und vierjährige Konzeptförderungen seien „gerettet“.

Tatsache ist: Die 17 zur Förderung vorgeschlagenen Projekte der Konzeptförderung haben bis heute keine schriftliche Zusage, das Kurator:innen‑Gutachten ist ein Jahr alt, und die Förderungen sollen mit 1.1.2027 starten.

Selbst die APA hat da nachgefragt: Auf Nachfrage hat das Stadträtinbüro geantwortet, dass die finale Zusage für die 17 Anträge tatsächlich erst mit dem Budgetbeschluss im Dezember 2026 erfolgen kann.
Das heißt: Die Vereine haben im Fall der Zusage eine Woche vllt zwei Zeit, um Verträge zu schließen und Programme zu erstellen und sollen dann ab Jänner 2027 loszulegen.
Das nennen Sie Planungssicherheit?

Festivals wie die Musiktheatertage müssten ihre Spielorte jetzt reservieren, wenn sie 2027 Events umsetzen wollen – auf welcher Basis bitte?

Unter solchen Bedingungen können Vereine nicht professionell arbeiten, sie müssen privat in Vorlage gehen. Das kann eine Kultrustadt Wien doch  nicht wirklich wollen?
Das gilt genauso für Mittelbühnen und große Institutionen, die ebenfalls erst im Dezember 2026 erfahren sollen, wie sie ab Jänner 2027 finanziert sind.

Drittens: Es braucht endlich eine klare Ansage, einen klaren Rahmen.

Wo wird gespart, mit wie viel können die Häuser und Vereine rechnen, was geht sich nicht mehr aus, was nicht mehr?
45,7 Millionen Einsparungen in der Kultur bleiben nicht ohne Folgen.
Ohne klare Ansagen riskieren Sie, dass die Szene langfristig ausbrennt oder zerstört wird.

Viertens: FAIR PAY darf im Sparprogramm nicht unter die Räder kommen.

Es braucht ein k: ares Bekenntnis zu Fair Pay Schon jetzt gibt es zu wenig Anstellungen, schlechte Bezahlung und zu wenige durchgehende Versicherungszeiten. Als „Kulturhauptstadt Wien“ müssen Sie hier gegensteuern, nicht wegschauen.
Vorschläge wie „Spielts halt weniger Tage“ oder gar  das Schließen von bestehender gut genutzter Strukturen wie die Kammeroper sind da sicher nicht die richtige Antwort!
Sie liebe KollegenInnen von der SPÖ, Sie  haben im Vorfeld vorgeschlagen, das Thema fair pay im Ausschuss weiter zu behandeln – wir akzeptieren die Zuweisung in den Ausschuss und vertauen darauf, dort ernsthafte  Vorschläge bzw . Strategien zu Abschicherung zu erfahren.

Fünftens: die Büchereien als niederschwellige  Kulturräume erhalten

Seit Monaten machen die Grünen – und inzwischen auch die ÖVP – darauf aufmerksam, dass die geschlossene Bücherei in der Bernoulligasse einen Ersatz braucht. Alle reden von niederschwelligem Zugang zu Kultur, aber ausgerechnet in der Donaustadt, wo Kulturorte dünn gesät sind, soll eine städtische Bücherei ohne Ersatz gestrichen werden. Die nächste Bücherei ist 40 Minuten Öffi‑Fahrt entfernt – solche Distanzen würden Sie innerhalb des Gürtels nie als „zumutbar“ akzeptieren. Wir setzen uns weiter für einen Standort ein und unterstützen auch den Vorschlag, am Nordwestbahnhof eine neue Bücherei zu planen, wo rund 30.000 Menschen leben werden. – Apropos Räume Öffnen lieber Kollege Weber 😉

Sechstens: Kammeroper erhalten

Die Vereinigten Bühnen bekommen über 51 Millionen Euro Förderung, wurden 2025 nur geringfügig gekürzt – und kündigen kurz danach an, die Kammeroper mit Herbst zu schließen.

Das ist ein schwerer Schlag für den Nachwuchs. Viele heute bekannte Stimmen haben dort erste Bühnenerfahrung gesammelt, bevor sie auf den großen Häusern dieser Stadt standen.

Mit einer Schließung ohne Zukunftsplan nimmt man Absolvent:innen von Gesangs‑ und Regieausbildungen eine zentrale Bühne und gefährdet Wien langfristig als Musikhauptstadt Europas.
Kulturförderung sollte dort ansetzen, wo trotz hoher Qualität kaum kommerzieller Erfolg möglich ist – nicht umgekehrt. Der Kurs der VBW scheint genau umgekehrt: Fördergelder fließen in kommerzielle Musicals, während der künstlerische Nachwuchs auf der Strecke bleibt.
Daher fordern wir: Förderungen an die VBW an klare Bedingungen knüpfen – der Erhalt der Kammeroper wäre eine davon.

Siebtens: Berichtspflicht fürInstitutionen und Vereine mit mehr als 1 Million Euro Jahresförderung

Dazu passt unsere Forderung nach Berichtspflicht: Alle Institutionen und Vereine mit mehr als 1 Million Euro Jahresförderung sollen fundierte Berichte vorlegen.
In Deutschland ist das längst Standard; in Wien wird bei Nachfragen oft mit „Datenschutz“ oder „unabhängige GmbH“ abgeblockt – auch wenn die GmbH zu 100 Prozent der Stadt gehört und ausschließlich mit städtischen Mitteln arbeitet.
Beim Johann‑Strauss‑Jahr zeigt sich das besonders deutlich: Auf die Frage nach genauer Mittelverwendung wurde auf den Rechnungsabschluss verwiesen, eine Evaluation der Effekte auf Tourismus und Wertschöpfung wurde weder beauftragt noch geplant.
Auf welcher Grundlage wollen Sie beim nächsten Jubiläum wieder 23 Millionen aus der Kulturförderung verlangen? Das ist 2026 einfach nicht mehr zeitgemäß.

Zur Finanzierung: Das Gesamtbudget der Kulturabteilung liegt bei rund 334 Millionen Euro, die Kultur muss laut Berichten 45,7 Millionen sparen.

Wir haben einen zwei einfache Vorschläge  

1, 1 Euro aus der Nächtigungsabgabe als Kultureuro widmen. Allein 2025 wären damit rund 20 Millionen Euro für die Kultur zusammengekommen, womit ein Großteil der Kürzungen nicht nötig wäre. Hans Arsenvoivc wird auf das Thema noch genauer eingehen.

2, Wenn Sie endlich die Finanzierung der Eventim‑Halle in St. Marx abblasen würden – 200 Millionen Euro –, könnte man sämtliche Einsparungen in der Kultur für 2027 und wohl auch für 2028 streichen.
Mit der Eventim‑Halle fördern Sie internationale Großkonzerte statt die Künstler:innen, die hier leben und arbeiten. Wo bleibt da Ihr sozialdemokratisches Gewissen?

Kritik am Schluss: die Kontextualisierung der Lueger Statute

Ein Punkt, der im Rechnungsabschluss besonders schmerzt, ist die Kontextualisierung der Lueger‑Statue um 776.000 Euro.
In Zeiten eines Sparbudgets so viel Geld in die Denkmalpflege eines Nazi‑Künstlers zu stecken, Josef Müllner – der die Lueger Statue designt und umgesetzt hat , stand selbst auf der Liste der sogenannten gottbegnagdeten Künstler: dessen Statue steht jetzt „gereinigt“ schief im Stadtraum, sagt viel über den Umgang mit Antisemitismus in Österreich aus – als dass man es als Mahnmal lesen kann.
Antisemitismus ist den meisten schon a bissl unangenehm – deshalb steht die Statue fast unmerkbar schief – aber wirklich konsequent gegen Antisemitismus auftreten,  das tu ma lieber nicht.

Die wirklich klare Kante gegen Antisemitismus bleibt aus.

Aus grüner Sicht ist das zu wenig: Wir brauchen sichtbare Maßnahmen, die demokratisches Bewusstsein stärken und sich klar gegen Populisten und Spalter stellen.

Langfristig gehört die Lueger‑Statue aus dem Stadtzentrum entfernt – in einen Skulpturengarten oder ein Museum, wo sie historisch eingeordnet wird. Jedenfalls an einen Ort, wo schon durch das Aufstellen gezeigt wird: ja den hat es hier gegeben – aber die heutige Gesellschaft hat sich weiterentwickelt:.

Heute sagen wir als demokratische Gesellschaft:
Wer hier lebt, gehört dazu – egal wo geboren, egal welche Sprache zu Hause gesprochen wird. Eine Umplatzierung der Lueger Statue wäre ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und ein Zeichen für ein gutes Zusammenleben.

Der bestehende Ort muss keine Leerstelle bleiben, er kann für aktuelle künstlerische Interventionen und Debatten genutzt werden.
Als ersten Schritt mit klarer Symbolwirkung haben wir vorgeschlagen, den Lueger-Platz neu zu benennen – andere Städte wie Graz haben ihre Lueger‑Straßen schon umgewidmet. Was Graz schafft muss in Wien auch gelingen!

Wir bringen daher unsere Anträge ein:
– ein verbindliches, transparentes Ausschreibungsverfahren für stadnahe Kulturbetriebe,
– Absicherung von Mehrjahresförderungen und FAIR PAY trotz Sparprogramm mit einer Zuweisung an den Ausschuss,
– Berichtspflicht ab 1 Million Euro Jahresförderung,
– Sicherung der Kammeroper als Spielstätte,
– Erhalt und Ausbau der Büchereien,
– ein Kultureuro aus der Tourismusabgabe statt Eventim‑Halle,
– sowie die Umbenennung des Lueger Platzes.

Fassen Sie sich ein Herz und stimmen Sie auch den nicht zugewiesenen Anträgen zu. Es geht um langfristige strukturelle Verbesserungen in der Wiener Kulturförderlandschaft.
Da sollten wir zusammenarbeiten – die Bedarfe sind offensichtlich, sinnvolle Maßnahmen liegen auf der Hand!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Wien ist stolz auf seine Kultur – aber die braucht faire Arbeitsbedingungen!

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadträtin
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Zusehende im Livestream –
liebe Kulturarbeitende in dieser Stadt!

Vorweg: Kultur ist der Ort, wo Austausch entstehen kann, deshalb sehe auch ich die Kultur als wesentlichen stabilisierenden Faktor der Demokratie! Dafür muss die Kulturarbeit muss ausreichend finanziert sein!

Zu Beginn möchte ich mich herzlich bei den Mitarbeiterinnen der MA7 und dem Stadträtinnenbüro für ihre engagierte Arbeit bedanken.

Besonderer Dank auch für die Organisation der inspirierenden Ausschussreise nach Amsterdam, die uns wertvolle Einblicke in innovative Kulturprojekte ermöglicht hat.

Und jetzt zum Inhaltlichen:

Was ich gut finde:

Asli Kislal wird neue künstlerische Leitung des Theaters der Jugend –

DANKE. –  an die, die in diese Entscheidung eingebunden war – dass sie sich getraut haben das traditionsreiche Theater der Jugend an eine kritische, politische Person zu übergeben, das ist wirklich eine gute zeitgemäße Entscheidung!

Nicht zuletzt, weil Asli Kislal seit Jahrzehnten daran arbeitet, hat den klassischen bildungsbürgerlichen Theaterbetrieb zu öffnen.  Nicht nur indem sie als Person mit türkischen Wurzeln Theater in Österreich und Deutschland macht, sondern auch weil sie mit ihrem Divercity Lab junge Personen mit Migrationsgeschichte schauspielerisch ausgebildet hat.
Junge Person, die zwar Talent haben, aber niemals im standard-Ausbildungsbetrieb in Österreich eine Chance gehabt hätten.
Einige von Ihnen sind mittlerweile auch im Wiener Theaterbetrieb aktiv geworden. Herzliche Gratulation auch dafür Asli Kislal! Veränderung braucht Menschen, die sich dafür einsetzen!

Ich freue mich wirklich über diese Entscheidung!

Und gleichzeitig zeigt sich auch bei Entscheidung, wie es bestellt ist, um die Transparenz im Wiener Kulturbetrieb:

Es passiert nach wie vor zu viel hinter geschlossenen Türen, kaum jemand weiß genau wer tatsächlich die finalen Entscheidungen trifft, – in diesem Fall: wer saß eigentlich in der Jury???

Theoretisch entscheidet der Verein Theater der Jugend über die Besetzungen der künstlerischen und der kaufmännischen Geschäftsführung.

Warum aber gibt es nur Pressefotos mit Kulturminister und Stadträtin und keines mit Vereinsvorstand oder der Jury????
Wenn die neue Leitung des Theaters der Jugend doch eine politische Entscheidung war:

Warum erfährt der Kulturausschuss – der am Nachmittag vor der Pressekonferenz der Bekanntgabe getagt hat – warum erfahren wir als Gremium, nichts von dieser Entscheidung im Ausschuss? Warum erfahren wir es wieder einmal – erst aus der Presse?

Das Theater der Jugend zählt neben dem Theater in der Josefstadt, dem Volkstheater und den Vereinigten Bühnen zu den 4 ausgewiesenen Großbühnen der Stadt. Es wird mit 5,7 Mio von Wien gefördert. Es gilt als wesentliches Standbein der Kulturbildung für zukünftige Generationen.  Es ist unserer gemeinsame Kulturbildungsstätte! Da wäre es angebracht den Ausschuss rechtzeitig zu informieren. – DANKE

Ich schätze die prinzipiell freundlich Kommunikationskultur im Ausschuss wirklich sehr– mit solchen moves bekommt die Ausschussarbeit aber leider einen schalen Beigeschmack.

Und da rede ich noch nicht vom heurigen Kulturbericht. Ohne meiner Nachfrage wäre er erst in ca. einem Monat vorgelegen. Jetzt haben wir am vergangenen Freitag einen nicht gelayouteten Vordruck bekommen – vielen DANK dafür – besonders an alle, die ihren Feiertag dafür opfern müssen.

 

Und jetzt zu den schwierige Themen aus dem letzten Jahr

Schon in den Förderansuchen für 24/2025 – die wir seit Juni 24 bearbeitet haben, waren Kürzung spürbar: zB: bei Jeuness, Klangforum, AZW… sie alle haben versucht mit Kalkulationen entlang von fair pay einzureichen. – und da mussten die EinreicherInnen erkennen, dass die Förderungen leider nicht dementsprechend vergeben wurden – oder werden konnten.
Auf das Thema fair pay werde ich noch später weiter eingehen werde.

Und im Gegensatz dazu: Wer hat mehr dann bekommen?
Sie können es sich schon vorstellen: die großen Institutionen! Das Haus der Musik, die Wiener Symphoniker, das Kunsthaus Wien, das Mozarthaus Wien, die VBW (Vereinigten Bühnen).
(hier gab es eine Überschreitung um 4,5 Mio – von 2022 49,9 Mio auf mittlerweile 57, 5 Mio) und das Johann-Strauss Jahr bekam auch um 2 Mio mehr als geplant und kommt nun insgesamt auf 22 Mio) –

Das Problem- für diese Erhöhung mussten sogenannte Fremdmittel eingesetzt werden – also Schulden aufgenommen werden –

Fremdmittel = Schulden:
KRW + 2,1  Mio
Mozarthaus + 300.000
VBW + 4,5 Mio
Symphoniker + 3,59 Mio

Dh wir haben allein hier im Kulturbudget ca 10,4 Mio Schulden im letzten Jahr aufgenommen für die große Institutionen , die solide arbeitsrechtliche Verträge haben, teilweise an die Beamtenbesoldung gebunden sind.
Alle anderen haben das Nachsehen.

Diese Schieflge verschärft die soziale Ungleichheit im Kulturbetrieb: Wenige profitieren von sicheren, gut bezahlten Stellen, während die Mehrheit der Kulturarbeiter:innen prekär beschäftigt ist.

Die gerade im Bund beschlossene Abschaffung der Zuverdienstmöglichkeit zum AMS-Bezug wird die Situation weiter verschärfen und auch die Vielfalt im Wiener Kulturleben bedrohen.

zB: – ein fair bezahlter GIG am Kultursommer allein (ohne zusätzlichen einem AMS Bezug) ist zu wenig, um die Monatsmiete und Grundversorgung zu finanzieren!

Es braucht dringend neue Modelle der sozialen Absicherung für Künstler:innen – sowohl auf Bundesebene als auch in Wien.

Und jetzt weiter zum Thema FAIR PAY:
Das Festschreiben von Fairpay als Wirkungsziel im Wiener Regierungprogramm allein , ist noch nicht ausreichend.
Wien hat sich zwar zu FAIR Pay bekannt – allerdings nur für stadteigne Einrichtungen.
Was ist mit all den viele Vereine und Institutionen, die defacto zu 100% mit Wiener Förderungen arbeiten?

Fast witzig scheint mir die Anpassung der Formulare an FAIR PAY – echt jetzt? Damit soll was genau verbessert werden?
Wie sollen selbst Mittelbühnen fair bezahlen können, wenn ihre Förderungen nicht inflations-angepasst werden?
Nicht einmal der von der Stadträtin initiierte Kultursommer erhielt die geforderte Förder-Erhöhung.
Als Grundlage für faire Gehälter wird derzeit auf die Tabelle der IG-Kultur verwiesen. Das ist ein gutes Hilfsmittel, allerdings wurden die dortigen Zahlen nicht mit den realen Fördersummen korreliert.  Dh. Vereine, die mit diesen Summen rechnen, überschreitet die vorhanden Fördersummen IMMER.

Da braucht es dringend Überarbeitung!
Wenn Sie nur das Formular auf Fair Pay ändern lassen, lagern Sie die Verantwortung zur fairen Bezahlung ganz an die AntragstellerInnen aus.

Ohne klare Finanzierungszusagen von der Stadt, wird sich das leider nicht ausgehen. FAIR PAY braucht Zusammenarbeit auf allen Ebenen.
Der Kultursektor setzt derzeit großteils noch immer auf Prekarität und Eigeninitiative bis zur Selbstausbeutung.

Das ist nicht genug und einer der reichsten Länder der Welt nicht würdig!
Die bisherige Vorgangsweise war komplett intransparent: Wer aus welchem Grund fair pay-Erhöhungen erhielt, wurde hinter verschlossenen Türen beschlossen, und ohne konkrete Kriterien vergeben:

Auskunft im Ausschuss dazu war: die MA7 weiß, wer was braucht.
Das kann aber bitte keine Debatte um Kriterien oder strategischen Zielen ersetzen!
Es braucht verbindliche Kriterien, was faire Bezahlung im Kulturbericht in Wien bedeuten kann und wer die in welchem Ausmaß auch zahlen kann!

 

Deshalb haben wir einen Antrag eingebracht, um konkrete Maßnahmen zu fair pay im Kulturbudget zu verankern.

Der Wiener Gemeinderat ersucht die Frau amtsführende Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, eine Evaluierung des Budgetbedarfs in den stadteigenen Unternehmen als auch in der freien Szene zu initiieren, damit in weiterer Folge das Kulturbudget dahingehend adaptiert wird, um den “fair pay”-Standards der Honorarkataloge der Interessensgemeinschaft Kultur zu entsprechen.“

Danke für die Unterstützung dieses Antrags!
(Der Antrag wurde schließlich vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt!)

Und ja ich bin bei Ihnen – soziale Absicherung kann nicht ausschließlich übers Kulturbudget finanziert werden – aber es hilft, zumindest bei den Honoraren, die gezahlt werden, fair zu sein, statt Dumping zu betreiben.

Und noch ein Thema zum Geldausgeben im Gemeinderat: Während sie bei den Kulturförderungen für Kultur-Vereine jeden EURO zweimal umdrehen und kontrollieren, sitzt der Geldbeutel der Stadt offenbar besonders locker – wenn Groß-Projekte beschloßen werden:

Im vor-letzten Gemeinderat vor der Regierungsneubildung wurde gleich noch schnell ein Monsterprojekt beschlossen, dass wieder eine neuerliche Schuldenaufnahme notwendig macht.

Die Förderung der CTS-EVENTIM Halle mit 215 Mio –
Ich möchte dazu klarzustellen: das ist mehr als 2/3 des Wiener Kulturbudgets für ein Jahr! – Und da sind noch nicht die notwendigen Zinsen für die Finanzierung für die nächsten Jahre mitberechnet.

Bei CTS Eventim handelt es sich um einen globalen Marktführer, dessen Geschäftsmodell nicht nur den Ticketverkauf umfasst, sondern auch die systematische Kontrolle über Veranstaltungsorte, sowie die direkte Organisation von von CTS-Eventim vermarkteten KünstlerInnen.

Diese neue Halle wird in erster Linie dem Cashflow des internationalen Konzerns dienen, während lokale Künstler*innen und Veranstalter*innen zunehmend ins Hintertreffen geraten.

Es ist absurd öffentliche Gelder in ein Projekt zu investieren, das letztlich die kulturelle Vielfalt der Stadt gefährdet und die zunehmende Kommerzialisierung der Musikszene fördert!

Was wir hier sehen ist, dass das sozialdemokratische Wien lieber in internationale Konzerne investiert – als in die Personen, die den Flair der Stadt als Kulturhauptstadt Europas ausmachen: die Künstler:innen und im Kulturbestrieb beschäftigten, die Wien erst das vielzitierte Image der „Kulturhauptstadt Europas“ verleihen. SCHADE eigentlich.

Was wünschen wir uns als Grüne für die Kulturpolitik in Wien?

– Öffnung und günstige Vermietung von stadteigenem Leerstand für Kulturinitiativen

– Ausbau des musischen Unterrichts an Pflichtschulen, sodass alle Kinder in Wien frühzeitig mit musischen Fächern in Kontakt kommen können.

– Endlich ein Haus der Neuen Musik

– Verbindliche Integration von Kultur in die Stadtplanung – mit klaren Kennzahlen für Kultureinrichtungen in neuen Stadtteilen, wie am Nordwestbahnhof

– Automatische Valorisierung langfristiger Kulturförderungen und echtes fair pay

Wien ist stolz auf seine Kultur – doch dieser Stolz muss sich auch in fairen Arbeitsbedingungen, echter Chancengleichheit und einer transparenten, nachhaltigen Förderpolitik widerspiegeln. Dafür setzen wir uns als Grüne weiterhin ein.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© 2026 ursula berner

Theme von Anders NorénHoch ↑