reden, ideen, transparenz

Schlagwort: Provokation

Kulturausschuss.transparent April 2023 – Bezirksmuseen und rassistische Straßennamen

Diesmal auf der Tagesordnung: Wie geht’s weiter mit den Wiener Bezirksmuseen? Und was plant die Stadt eigentlich gegen rassistische Straßennamen zu tun?
Kurz zusammen gefasst: In beiden Fällen bleiben viele Fragen offen:

Ad 1, Bezirksmuseen:

Mit 2020 wurde ein neuer Relaunch der Wiener Bezirksmuseen gestartet. Ursprünglich auf 3 Jahre beschränkt wurden die Mittel für die Wiener Bezirksmuseen unter dem Label „Bezirksmuseen Reloaded“ beinahe verdoppelt. Dafür wurde im Wien Museum eine Stabstelle eingerichtet, und drei Curatorial Fellows eingestellt. Im Frühjahr 2023 sollte entschieden werden ob und in welcher Weise  „Bezirksmuseum Reloaded“ weiter geht.

Ohne öffentliche Evaluierung war nun der Akt am Tisch, der die Mittel für die Bezirksmuseen insgesamt dem WIEN MUSEUM zuweist. Von dort sollen sie dann weiter verteilt werden.

Schon im Vorfeld zum dies-monatigen Ausschuss wurde die Debatte um die Strukturänderung in den Wiener Bezirksmuseen öffentlich

Der Hintergrund: Ursprünglich entstanden sind die Wiener Bezirksmuseen als Sammlungen von Lehrern zur Unterstützung ihres Unterrichts am Beginn des letzten Jahrhunderts. Die erste Strukturerneuerung gab es 1936. Da wurden die Museen in „Heimatmuseen“ umbenannt und teilweise zusammengelegt. Ab jetzt galt nur mehr als Museum, was durch einen Verein betreut wurde. Um die vielen unterschiedlichen Vereine zusammenzuführen gründete sich 1964 die „Arbeitsgemeinschaft der Wiener Bezirksmuseen“. Diese koordiniert die Förderungen und unterstützt die größtenteils ehrenamtlich arbeitenden 29 Bezirks- und Sondermuseen in Wien für spezifische Projekte.

Nachdem die „zentralen Fördermittel“ (von der MA7) aufgeteilt auf 23 Museen recht gering sind – ca 5000€ – 8000€ je nach Größe des jeweiligen Museums -haben die einzelnen Vereine zusätzlich Museums-Unterstützungsvereine, die mit Spenden aushelfen. Diese „Freunde des Bezirksmuseums“ sind meist in der Organisation sehr nahe an die Bezirksvorstehung angelehnt, und sammeln zusätzlich Spenden, um Veranstaltungen oder Infrastruktur im Bezirksmuseum zu unterstützen.
Einzelne Spezialprojekte werden auch aus Mitteln der ARGE finanziert.

„Bezirksmuseum reloaded“ hat an dieser Struktur wenig geändert.

 „Ziel ist es, die Bezirks- und Sondermuseen in ihrer zivilgeschaftlichen Funktion zu belassen, aber durch unterschiedliche Formen der Professionalisierung zu gesellschaftlich relevanten Bildungs- und Kultureinrichtungen in den Bezirken weiterentwickeln. Durch die Einrichtung der Stabstelle Bezirksmuseen kann das Wien Museum nun seiner Aufgabe als Fachanstalt für die Bezirksmuseen gerecht werden.“ (Zitat aus dem Antrag des Wien Museeums)

Die Curatorial Fellows sollen die ehrenamtlichen Museen bei der Sammlungspflege, Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekten unterstützten. Darüber hinaus organisiert die Stabstelle praxisbezogene Weiterbildungsangebote für Mitarbeiter:innen und soll dazu beitragen, die öffentliche Sichtbarkeit zu erhöhen. Außerdem wurden Administrative Aufgaben in der ARGE Bezirksmusen neu strukturiert.

„Bezirksmuseen Reloaded schafft den Beginn einer Professionalisierung der Institutionen ohne ihre voluntaristischen, zivilgesellschaftlichen Prinzipien einzuschränken. Dies geschieht durch die Einrichtung einer Stabstelle Bezirksmuseen im Wien Museum/Museen der Stadt Wien.“ (Zitat aus dem Antrag des Wien Museeums)

Im Frühjahr 2023 sollte die Arbeit der letzten 3 Jahre „Bezirksmuseum Reloaded“ evaluiert werden.

Daher gab es Anfang des Jahres 2023 bei den Museumsleiter: innen Verunsicherung. Nicht zuletzt weil die Fördermittel – die Basisförderung – verspätet ausgezahlt wurde. Es war nicht klar wie und ob das Projekt „Bezirksmuseen Reloaded“ weitergeführt werden wird und vor allem unter wessen Führung die Bezirksmuseen in Zukunft stehen werden.

Klar ist: es gibt tatsächlich Bedarf an Unterstützung! Die ehrenamtliche Mitarbeit hat kaum zusätzliche Kapazitäten für Inventarisierungen oder Digitalisierung des Bestands, häufig ist die Lagerung der Artefakte nicht sachgemäß möglich – dh. sie werden in Kellern gelagert. Es gibt (noch) keine gemeinsame Plattform, die auflistet, was wo zu finden ist. Außerdem sind in der aktuellen Struktur die Öffnungszeiten sehr beschränkt durchführbar – großteils weil ehrenamtliches Personal fehlt, das während der Öffnungszeiten vor Ort Aufsicht machen kann.

Tatsächlich stellt sich die Frage wie man die Bezirksmuseen fürs Publikum zugänglicher und attraktiver machen kann, ohne noch viel mehr Förderungen hineinzupumpen. Die Stadt besteht weiter auf das System der grundsätzlich ehrenamtlichen Arbeit, hat aber ein paar Posten geschaffen, die den ehrenamtlichen unter die Arme greifen sollen.

Das geht einher mit einer Strukturerneuerung: die Gelder werden fortan nur noch an das Wien Museum ausgezahlt, und von dort weiter verteilt. Die Rolle der ARGE Wiener Bezirksmuseen ist in diesem neuen System ungeklärt, ebenso wie und ob der wissenschaftliche Anspruch des historischen Museums der Stadt Wien mit den Kapazitäten der ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen umgesetzt werden kann.

Was aus unserer Sicht vor allem fehlt, ist eine großes Bild: Welche Rolle sollen die Bezirksmuseen in Zukunft in Wien spielen? Welche Vermittlungsaufgaben können sie übernehmen? Sind diese mit der Programmierung des Wien Museums koordiniert? Werden die Bezirksmuseen dezentrale Ausstellungsräume des Wien Museums? Was passiert mit den lokalen Sammlungen? Das Projekt „Bezirksmuseen Reloaded“ konnte in der vorliegenden Form noch keine Antwort auf diese Fragen geben.

Weil wir das Engagement der Bezirksmuseen sehr schätzen und hoffen, dass noch eine befriedigendere Lösung als derzeit gefunden werden kann, haben wir als Grüne der Finanzierung zugestimmt.

Ad 2, ein anderes trauriges Thema: rassistische und kolonialistische Straßennamen in Wien.

Als Grüne gehen wir davon aus, dass ein multikulturelle demokratische Gesellschaft gegenüber allen Bevölkerungsgruppen Respekt bewiesen sollte. Daher haben wir den dringenden Wunsch des Black Voices Volksbegehren unterstützt und einen Antrag gestellt, endlich diffamierende Straßennamen in Wien abzuändern oder zumindest nachvollziehbar zu kontextualisieren. Unser Argument:

Rassistische und kolonialistische Straßennamen normalisieren und verfestigen die rassistische Sprache im Alltag. Derartige Straßennamen sind aus dem öffentlichen Raum zu entfernen bzw. zu kontextualisieren. Eine solche Aufarbeitung hat bei mit dem NS-Regime in Verbindung stehenden Straßennamen stattgefunden. Nun ist es an der Zeit, auch auf andere Formen der Diskriminierung im öffentlichen Raum zu achten und entsprechend zu reagieren. Nord-Süd-Beziehungen und globale Ungleichheiten haben ihre Wurzeln im europäischen Kolonialismus. Auch rassistische Narrative wie etwa jenes vom „unfähigen Entwicklungsland“ sind einer mangelnden Auseinandersetzung mit der Verantwortung Europas an der Versklavung und Ermordung von Millionen von Menschen sowie deren gesellschaftlichen Auswirkungen, bis in die Gegenwart reichend, geschuldet.

Ein Antrag muss innerhalb von 2 Monaten bearbeitet werden. Daher stand auf dieser Tagesordung  der grüne Antrag und der Antwortbrief der Stadträtin. Man könnte ihn als Affront werten! Der Text lautet

Dieser Antrag wurde hiermit fristgerecht in Behandlung genommen. Sobald mir die diesbezüglichen Informationen der damit befassten Stellen vorliegen, werde ich dem Gemeinderatsausschuss umgehend darüber berichten.“

Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es eh den neu erschienen Ergänzungsband zu den Straßennamen (kann man hier finden) gibt, der diese Namen kennzeichnet. Dass weiter 170 Ergänzungstafeln im Entstehen sind. Dass die MA9 die Formulierungen der Zusatztafeln nochmal prüft. Und dass es sich um einen kontinuierlichen Prozess handelt, in dem Walter Sauer und black voices eingebunden sind…(aktueller Stand der Zusatztafeln ist hier abzulesen)

Uns ist das zu wenig, bzw zu unkonkret. Zusatztafel allein in zwei Zeilen werden nicht ausreichen. Daher haben wir den Bericht – sprich die Antwort aus dem Stadträtin Büro abglehnt.

Wir bleiben aber dran!
(Hintergrund zum Diskurs zu Straßennamen in Wien hier)

Die Akten der Reihenfolge nach.

Post Nr. 1

AZ PGL-262216-2023-KGR/GAT;

  1. Antrag von Mag.a Aygül Berivan Aslan, GR Nikolaus Kunrath und GR Mag.a Ursula Berner, MA betreffend „Umbenennung von rassistischen und kolonialistischen Straßennamen in Wien“.
  2. Bericht von Frau Kulturstadträtin Mag.a Veronica Kaup-Hasler

Antrag in den Ausschuss zugewiesen: SPÖ/NEOS, GRÜ dafür; ÖVP, FPÖ: dagegen
Bericht: SPÖ/NEOS, ÖVP, FPÖ dafür; GRÜ dagegen

 

Post Nr. 2

AZ 307719-2023-GKU; MA 7 – 1147633-2022

Die Verkehrsfläche (SCD 06846) in 1090 Wien, im Bereich zwischen Nußdorfer Straße und Fluchtgasse, wird in „Ni-Una-Menos-Platz“ (Übersetzt: „Nicht eine weniger“; Steht für ein Zeichen gegen jede Art von Gewalt an Frauen) benannt.

Einstimmig dafür

 

Post Nr. 3

AZ 307764-2023-GKU; MA 7 – 1020414-2022

Die Parkanlage (SCD 20424) in 1120 Wien, im Bereich Schedifkaplatz, wird nach Franz Nekula (Oberamtsrat Franz Nekula; geb. 16. November 1924 in Wien, gest. 26. April 2011 in Wien; Beamter, Gemeinderat und Landtagsabgeordneter, amtsführender Stadtrat sowie Vorsitzender des Wiener Pensionistenverbandes) in „Franz-Nekula-Park“ benannt.

SPÖ/NEOS, ÖVP dafür
GRÜ dagegen –

Hier stimmen die Grünen dagegen, weil die Bezirksrät:innen in Meidling eine Liste verdienstvoller Frauen haben, die nun endlich geehrt werden sollen. Statt auf diese Liste zuzugreifen wurde für den Park wieder auf einen – durchaus verdienstvollen – Mann zurückgegriffen. Es ist schade, dass sich die Stadt nicht an die eignen Vorgaben hält. Nach wie vor gibt es ein großes Ungleichgewicht in der öffentlichen Ehrung zwischen Frauen und Männern. Obwohl Frauen 51% der Bevölkerung ausmachen, sind nur 9% der Straßen Wiens nach Frauen benannt. Es gab schon einmal ein öffentliches Bekenntnis auch der SPÖ diesem Missverhältnis entgegenzuarbeiten und neue Verkehrsflächen vorzugsweise historisch wichtigen Frauen zu widmen. Im Einzelfall finden sich dann leider doch immer Gründe, warum ein Mann einer verdienstvollen Frau vorgezogen wird. Mit unserer Ablehnung wollen wir auf dieses Ungleichgewicht  aufmerksam machen.   

 

Post Nr. 4

AZ 307836-2023-GKU; MA 7 – 813349-2021

Die Parkanlage (SCD 20622) in 1160 Wien, im Bereich Ludo-Hartmann-Platz, wird nach Arik Brauer (Arik (auch Erich) Brauer; geb. 4. Jänner 1929 Wien-Ottakring, gest. 24. Jänner 2021 Wien; Maler, Grafiker, Plastiker, Bühnenbildner, Sänger, Komponist, Tänzer und Dichter) in „Arik-Brauer-Park“ benannt.

Einstimmig dafür

 

Post Nr. 5

AZ 307920-2023-GKU; MA 7 – 518044-2022

Die Parkanlage (SCD 20688) in 1190 Wien, im Bereich Hungerbergstraße, wird nach Friedl Hofbauer (Friedl (eigentlich Elfriede) Hofbauer; geb. 19. Jänner 1924 Wien, gest. 22. März 2014 Wien; Schriftstellerin, Übersetzerin) in „Friedl-Hofbauer-Park“ benannt.

Einstimmig dafür

 

Post Nr. 6

AZ 307984-2023-GKU; MA 7 – 2087562-2022

Die GTVS Wagramer Straße 27 (Code 21999) in 1220 Wien wird in „GTVS Alte Donau“ benannt.

Einstimmig dafür

 

Post Nr. 7

AZ 336165-2023-GKU; MA 7 – 263297-2023

Die Förderung an die Interessengemeinschaft Freie Theaterarbeit für die Jahrestätigkeit in der Höhe von EUR 125.000 wird gemäß Förderrichtlinien und Leitfäden der Magistratsabteilung 7 genehmigt. Die Bedeckung ist im Voranschlag 2023 auf der Haushaltsstelle 1/3240/757 gegeben.

(Weiter an: Stadtsenat und Gemeinderat)

Einstimmig dafür

 

Post Nr. 8

AZ 334037-2023-GKU; MA 7 – 239654-2023

Die Förderungen an die nachfolgend genannten Fördernehmer*innen für die Förderung für ukrainische Wissenschaftler*innen in Wien in der Höhe von insgesamt EUR 270.000 werden gemäß Förderrichtlinien und Leitfäden der Magistratsabteilung 7 genehmigt:

 

Nr. Fördernehmer*in Förderung in EUR
1 Österreichische Akademie der Wissenschaften 90.000
2 Institut für die Wissenschaften vom Menschen 120.000
3 Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien (VWI) Forschung – Dokumentation – Vermittlung 30.000
4 1989 – Verein zur Förderung der historischen Transformationsforschung und des Wissenstransfers 30.000
Summe 270.000

Die Bedeckung ist im Voranschlag 2023 auf der Haushaltsstelle 1/2891/757 gegeben.

(Weiter an: Stadtsenat und Gemeinderat)

Einstimmig dafür

Die FPÖ hatte hier kritische Anmerkungen zur Unterstützung ukrainischer Wissenschaftler. Akzeptierte aber schließlich die Vorgangsweise und stimmte daher für den Antrag.

 

Post Nr. 9

AZ 397016-2023-GKU; MA 7 – 364507-2023

Die Förderung an die Wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts Museen der Stadt Wien für Bezirksmuseen Reloaded in der Höhe von EUR 503.000 wird gemäß Förderrichtlinien und Leitfäden der Magistratsabteilung 7 genehmigt. Die Bedeckung ist im Voranschlag 2023 auf der Haushaltsstelle 1/3400/781 gegeben.

(Weiter an: Stadtsenat und Gemeinderat)

Einstimmig dafür

Die Debatte dazu habe ich eingangs zusammengefasst.

 

Post Nr. 10

AZ 340820-2023-GKU; MA 7 – 314138-2023

  1. A) Für die Förderung an das Österreichische Filmmuseum für das Filmmuseum Lab wird im Voranschlag 2023 auf Ansatz 3710, Filmförderung, Gruppe 757, Transfers an private Organisationen ohne Erwerbszweck, eine erste Überschreitung in Höhe von EUR 65.000 genehmigt, die in Minderauszahlungen auf Ansatz 3819, Sonstige kulturelle Maßnahmen, Gruppe 777, Kapitaltransfers an private Organisationen ohne Erwerbszweck, mit EUR 65.000 zu decken ist.
  2. B) Die Förderung an das Österreichische Filmmuseum für das Filmmuseum Lab in der Höhe von EUR 175.000 wird gemäß Förderrichtlinien und Leitfäden der Magistratsabteilung 7 genehmigt. Die Bedeckung ist vorbehaltlich der Genehmigung des Punktes A im Voranschlag 2023 auf der Haushaltsstelle 1/3710/757 gegeben.

(Weiter an: Stadtsenat und Gemeinderat)

Einstimmig dafür

 

Die (Klima)Revolution ist im Elfenbeinturm angekommen – Ein Plädoyer für die Klimaaktivist:innen

Es ist schon wieder passiert – zwei Vertreter der „Letzten Generation“ sind ins Museum gekommen, um aufzurütteln!

Eine Farbbombe platzte auf einem Gemälde von Gustav Klimt im Wiener Leopoldmuseum.

Warum machen die das?

Wie bei allen bisherigen Aktionen dieser Art waren sowohl der Zeitpunkt, als auch Ort und Gemälde präzise ausgewählt.

  1. Am 15.11. sponsort die OMV den freien Eintritt für alle.
  2. Das Klimtgemälde beschäftigt sich thematisch mit „Tod und Leben“, entstanden in der Endzeitstimmung kurz vor dem Ersten Weltkrieg.
  3. Das Gemälde ist mit Sicherheitsglas geschützt.
  4. Bilder von Klimt sind eine der Attraktionen, die Tourist:innen nach Wien locken.

Die Grunderzählung der Aktivisten ist klar:
Wenn ihr so weiter macht, zerstört ihr den Planeten und unsere Zukunft. Unser Ökosystem ist so empfindlich wie dieser Gegenstände, die ihr hier hegt und pflegt. Hebt euren Blick doch hoch, über die Grenzen des Elfenbeinturms (Museum). Ihr könnt die kulturellen Schätze nur sicher erhalten, wenn ihr auch die Welt rundherum, das Klima erhaltet.
Offenbar versteht ihr die Dringlichkeit nur, wenn wir euch erschrecken. Für einen kurzen Moment sieht es so aus, als wäre das Kunstwerk zerstört. Aber in Wirklichkeit, kann alles wieder weggewischt werden.
Unser Planet unser Klima braucht jetzt die volle Aufmerksamkeit!
Engagiert euch für die Klimaschutz!
Wagt euch aus dem Elfenbeinturm,
trefft unbequeme Entscheidungen – damit das Klima gerettet werden kann:
Nur wenn das gelingt, werden auch die Kunstwerke über die Generationen hinaus weiter bestehen können.

Ad 1. die OMV
Die Aktion ist ein bewusster Angriff auf die OMV, die sich mit solchen Sponsoringtagen reinwaschen will. Ein Tag feel good im (Leopold)Museum lenkt davon ab, hinsehen zu müssen, wo es wehtut.  In Wirklichkeit braucht es jetzt sofort einen grundlegenden Umbau der Energieversorgung.
Neben einer Jahreskarte fürs Leopold Museum wird auch eine Tankfüllung um 100€ verlost – Klimaschutz und Nachhaltigkeit sehen anders aus.

Wer mehr zur OMV wissen will: „9 Dinge, die Sie über die OMV wissen sollten.“

Ad 2. das Kunstwerk
Das Thema des Gemäldes von Gustav Klimt ist eine Allegorie auf den hoffungsvollen Zyklus des Lebens und den ständig dräuenden Tod. Entstanden vor dem Ersten Weltkrieg und im Krieg nochmal überarbeitet und düsterer geworden, kann das Bild auch als Referenz auf unsere von Krisen gebeutelte Zeit gelesen werden.

Ad 3. die Sicherheit
Wie bei allen bisherigen Aktionen wurde auch hier darauf geachtet, das Objekt nicht zu beschädigen oder gar zu zerstören.
Es geht ums Aufrütteln! Die „Letzte Generation“ will uns in unserer Komfortzone erreichen.

Im Museum erhalten wir Objekte und damit eine bestimmte Sicht auf die vergangene Welt. Noch nie konnte so viel Geld und Energie in den Erhalt von Objekten und Artefakten investiert werden wie heute: (Raum)Temperatur, Luftfeuchte, Beleuchtung, sanfte Restaurationen … das alles verbraucht eine Menge an Ressourcen.

Diese hohe Sensibilität und die Fürsorge für „Dinge“ fordern die Klimaaktivist:innen auch außerhalb der musealen Welt ein: für unsere Atemluft, für das Wasser, für die Rohstoffe, für die Energie, für die Nahrungsmittelproduktion … Wir müssen erkennen, dass all das endlich ist. So zerbrechlich wie die Kunstwerke sind, ist letztlich unser Ökosystem. Wir sind dabei, die letzte Möglichkeit zu verspielen, unseren Planeten als Lebensgrundlage zu erhalten.  Wir sind die letzte Generation, die die Klimakatastrophe noch aufhalten kann.
Es reicht nicht mehr, sich in die hehren Räume der Kunst zurückzuziehen. Es ist Zeit zu handeln.
Wenn es uns nicht gelingt, den Planeten und das Klima zu retten, wird alles gleichermaßen untergehen: die Menschen, die Kunstwerke und das kulturelle Erbe.

Ad 4. der Tourismus  und die österreichische Identität.
Ein Farbbeutel auf ein bekanntes Werk trifft viele besonders: Er wird als Angriff auf die österreichische Identität gedeutet.

Das, was wir von Österreich gerne präsentieren, wird hier im übertragenen Sinne beschmutzt.
Die Aktion ist auch Symbol für das Beschmutzen der österreichischen Identität und Kunst durch das Öl der OMV.

Gerade weil Klimt ein Hauptattraktor des Tourismus und damit eines des wichtigsten Wirtschaftszweiges in Österreich ist, liest man die Aktion gleichzeitig als Angriff auf Wirtschaft und Tourismus.

Und tatsächlich: wie viele klimarelevante Gesetzesänderungen werden mit Verweis auf „wirtschaftliche Notwendigkeiten“ (Autobahnen, CO2 Steuer, Transportabgaben) oder touristische Notwendigkeiten (Liftausbau, Schneekanonen, Heizschwammerln) hinausgeschoben, oder immer weiter verwässert. 

Die „Letzte Generation“ ist verzweifelt.

Demonstrationen auf der Straße bringen nicht (mehr) genug Aufmerksamkeit. Und vor allem, zu wenig gesetzliche Veränderungen. Weder wissenschaftliche Erkenntnisse noch jahrzehntelanger friedlicher Aktivismus konnten die notwenige breite Aufmerksamkeit erzeugen, um zeitnah eine echte Neuausrichtung von Wirtschaft und Ressourcenverbrauch zu erreichen. Die notwenigen verbindliche Gesetze – mit tatsächlich strafrechtlichen Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung – warten noch immer auf Verankerung.

Viele Menschen verstehen diese Nicht-Einhaltungen von Klimaschutzmaßnahmen oder CO2-Werten bis heute nicht mehr als Kavaliersdelikte.

Protest ist immer legitim. Ich bin überzeugt, dass es den Klimaaktivist:innen nicht um Zerstörung geht, sondern ums Aufrütteln. Die Radikalen sind nicht die Klimaaktivist:innen, sondern die Konzerne und Politiker, die trotz aller Erkenntnis und trotz aller sichtbaren Auswirkungen weiter den zerstörerischen Weg fortsetzen: Ausbeutung um jeden Preis!

„Klimaaktivsten werden manchmal als `gefährliche Radikale` dargestellt. Aber die wirklich gefährlichen Radikalen sind die Länder, die die Produktion von fossilen Brennstoffen erhöhen. Investitionen in neue Infrastruktur für fossile Brennstoffe sind moralischer und wirtschaftlicher Wahnsinn.“, sagt hat es kein geringerer als UNO-Generalsekretär Antonio Guterres.

Alle, die noch immer überzeugt sind, dass die Klimaaktivist.innen im Grunde konstruktiv sein wollen, sei das Interview im Standard mit Klimaaktivisten ans Herz gelegt:  „Sagt uns, wie wir protestieren sollen“.

„Klimaschutz mit Augenmaß und Weitblick“ hat Österreich zum Klimaschlusslicht Europas gemacht. Im Gegensatz zu vielen anderen EU-Staaten hat Österreich im Vergleich zu 1990 kaum Emissionen eingespart, was uns schon teuer zu stehen gekommen ist (halbe Milliarde Steuergeld wurden 2014 für das nicht-Erreichen der Kioto-Ziele gezahlt), und uns wahrscheinlich noch Milliarden an Strafen kosten wird. Im Klimaschutzindex  hat sich Österreich zwar ein wenig verbessert, rangiert aber auf dem wenig rühmlichen Platz 32  weltweit, hinter Marokko, Griechenland und Frankreich und vor allem weit hinter dem EU Durchschnitt (der den Platz 19 belegt) https://ccpi.org/country/aut/!

Ich plädiere dazu, nicht Energie mit Strafandrohungen und neuen Sicherheitskonzepten zu verschwenden, sondern genau hinzusehen, was die Klimaaktivist:innen erreichen wollen: Es geht um Diskurs und es geht um konsequente umfassende Änderung des Lebensstils in allen Bereichen, es geht um konkrete gesetzliche Veränderungen: nachhaltige Mobilität, nachhaltige und regionale Landwirtschaft, ressourcenschonende Energiegewinnung, Reduktion von Neubauten, Recycling und Upcycling statt ständig Neuproduktion – auf allen Ebenen.

Es ist noch viel zu tun!
Die Klimaaktivist:innen mahnen, dass wir sofort anfangen müssen!
Nehmen wir sie ernst!

Erinnerungspolitik reloaded – Eine Diskussion zum Umgang mit der Geschichte im öffentlichen Raum

Erinnerungspolitik ist ein Machtdiskurs!

Was verändert sich in einer Stadt, wenn bisher vergessene Gruppen und ihr Beitrag zur Stadtgeschichte plötzlich sichtbar gemacht werden? Wie begegnen wir „blinden Flecken“ in der Stadt? Die öffentlichen Debatten um den Umgang mit der Lueger Statue, mit dem Mahnmal für verfolgte Homosexuelle oder auch mit dem „Russendenkmal“ am Schwarzenbergplatz zeigen immer wieder wie emotional das Thema Erinnerungs(politik) besetzt ist.

Wer wird erinnert, wer wird in den Fokus gerückt? Wer wird bewusst oder unbewusst „vergessen“ oder „vergessen gemacht“ …?

Erinnerungspolitik(en) prägen das Aussehen einer Stadt und damit auch ihre Identität. Ausgehend von den Ereignissen um Black Lives Matter in den USA begann auch in Europa eine neue Diskussion um den inkludierenden und gesellschaftsformenden Gehalt von symbolischen Erinnerungsobjekten im öffentlichen Raum.

Die Veranstaltung beleuchtet aktuelle Positionen und Einschätzungen zu Wiener Erinnerungspolitik(en). Zusätzlich eröffnen wir einen Raum, um über die Inputs gemeinsam zu diskutieren und die Ergebnisse zu sammeln.

Vorträge und Workshops mit Tim Cole (Bristol), Tanja Schult (Stockholm) und Elke Krasny (Wien); Moderation Ursula Berner.

Tim Cole
Tim Cole ist Historiker an der Universität Bristol und Vorsitzender der „We are Bristol History Commission“
Als im Zuge der Black Live Matter-Bewegung im Juni 2020 in Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston bei einem Protest gestürzt und ins Hafenbecken geworfen wurde, wurde vom dortigen Bürgermeister die „We are Bristol History Commission“ ins Leben gerufen um den weiteren Umgang einerseits mit der Statue selbst und andererseits auch um grundlegende Strategien mit dem britischen Kolonialerbe an öffentlichen Plätze und Institutionen zu entwickeln. Als Vorsitzender dieser Kommission hat Tim Bristol nach dem Sturz der Statue eine Umfrage unter den Bewohner:innen von Bristol gestartet, was mit der Statue weiter passieren soll. In einem partizipativen Prozess wurde 14 000 Menschen die Möglichkeit gegeben über die Zukunft der Statue und ihren Fall zu sprechen und Vorschläge für dem zukünftigen Umgang damit zu erarbeiten. Damit wurde der Grundstein einer Erinnerungskultur als generationsübergreifendes, partizipatives Communityprojekt gelegt.

Tanja Schult
Tanja Schult ist Kunsthistorikerin und Dozentin am Institut für Kultur und Ästhetik an der Stockholmer Universität Herausgeberin des Buches „Was denkt das Denkmal“ und forscht zu dem Thema „Demokratische Denkmäler“. Moderne Demokratische Denkmäler, mit denen sie sich auch hier in Wien beschäftigt hat, werden dazu benutzt, um Demokratiebewusstsein zu schaffen. „Man will (…) nicht mehr an Siege erinnern, sondern an Verluste und eigene Verbrechen“. Demokratische Denkmäler postulieren keine absolute Wahrheit, sondern laden zur kritischen Reflexion ein.

Carla Bobadilla
Carla Bobadilla ist eine forschende Künstlerin. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung von Kommunikations- und Vermittlungspraktiken, insbesondere in den Bereichen der postkolonialen Kritik und der Critical Race Theory. Als Senior Lecturer an der Akademie der bildenden Künste in Wien lehrt sie, wie Formate entwickelt werden können, die eine Verhandlung von Fragen zum kulturellen Erbe innerhalb eines postkolonialen Kontextes unter Verwendung dekolonisierender Methodologien ermöglichen. Sie ist Gründungsmitglied des Kollektivs Decolonizing in Vienna!

Elke Krasny (leider erkrankt)
Elke Krasny ist Professorin für Kunst und Bildung an der Akademie der bildenden Künste Wien. Als feministische Kulturtheoretikerin, Stadtforscherin und Kuratorin arbeitet sie zu emanzipatorischen und transformativen Praxen in Architektur, Urbanismus und zeitgenössischer Kunst mit Fokus auf sozialen und ökologischen Dimensionen von Care, Erinnerungspolitiken und transnationalen Feminismen. Gemeinsam mit Angelika Fitz hat sie Critical Care. Architecture and Urbanism for a Broken Planet herausgegen Angelika Fitz (MIT Press, 2019) und mit Lara Perry Curating as Feminist Organizing (Routledge, 2022). Ihr nächstes Buch widmet sich Fragen von Care unter pandemischen Bedingungen: Living with an Infected Planet. Covid 19, Feminism and the Global Frontline of Care (transcript).

Hier gibts Videos zu den Vorträgen:

Die Helden vom Sockel stoßen – ein Plädoyer für eine Neukonzeptionierung der Erinnerungspolitik in Wien

Der öffentliche Raum ist, wo wir als Gesellschaft zusammenkommen:

  • Wem wird hier Platz geboten?
  • Warum stellen wir (alte) weiße Männer in Stein oder Bronze im öffentlichen Raum auf?
  • Wer wird damit Teil der offiziellen Erinnerung, der offiziellen Geschichte der Stadt?

Antike Tradition

Nach den in Stein gehauen Göttern und Göttinnen der Antike begannen Feldherren und Imperatoren sich selbst gottähnlich und damit unhinterfragbar in den öffentlichen Raum zu platzieren. Hier sollte jedem Vorbeikommenden klar gemacht werden, wer hier was zu sagen hat. Diese Tradition der Heldenverehrung hat sich in der westlichen Welt zumindest bis in Mitte des letzten Jahrhunderts erhalten.

Statuen heute

Inzwischen hat sich der öffentliche Diskurs so weit verändert, dass es kaum mehr möglich ist, aktuelle Würdenträger*innen, Politiker*innen (in westlichen demokratischen Gesellschaften) oder König*innen als Statuen im öffentlichen Raum zu platzieren – und damit den sie umgebenden Raum als den ihren zu definieren. Ganz im Gegenteil, Heldenstatuten werden gekippt, wie im Zuge der „Black Lives-Matter Demonstrationen“ in den USA oder ironisiert wie die Trumpstatuen in New York und London.

Verehrung statt Kontext?

Eine demokratische Stadt im 21. Jahrhundert, als welche sich Wien versteht, muss sich deshalb die Frage stellen – wie sie die Geschichte der Stadt und der hier Lebenden erinnern will.

Ist die patriarchale Heldenverehrung vergangener Jahrhunderte noch das Mittel der Wahl?

Ist das Präsentieren mehr oder weniger umstrittener Persönlichkeiten, mittels bombastischer Sockel auf Überlebensgröße erhöht, in Heldenpose, die Form der Geschichtsbetrachtung, die wir aufrechterhalten und künftigen Generationen vermitteln wollen? Kann so eine Pose die Komplexität einer Person und ihrer Taten bzw. ihre Zeit tatsächlich darstellen?

Ich sage nein!

Spätesten seit den 1980er Jahren hat sich in der Geschichtswissenschaft in Österreich eine Abkehr von Majestätsgeschichte durchgesetzt: Geschichte wird von vielen gemacht! So muss sie auch erzählt werden. Um ein umfassendes Bild einer Epoche zu erreichen, müssen wir verschiedene Blickwinkel, verschiedene Erfahrungshorizonte zulassen und herausstreichen. Wenn Geschichte nicht verstaubt und entfernt wirken soll, braucht sie ständigen Diskurs und Interdisziplinarität.

Erinnerungspolitik muss  Auseinandersetzung motivieren.

Eine moderne, demokratische Erinnerungspolitik muss sich trauen, die Denkmäler des 19. Jahrhunderts in Frage zu stellen. Noch besser, sie aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, um wieder Platz für Neudefinitionen frei zu machen.

Statt Statuten zur Repräsentation von Macht, Führung und Erhabenheit einzelner über viele, braucht es öffentliche Diskursräume. Es braucht immer wieder neue Interventionen an historisch relevanten Orten.

Lueger in den Skulpturengarten

Deshalb plädiere ich dafür, Statuten von konkreten Persönlichkeiten in Wien aus dem öffentlichen Raum zu verbannen – an einen gemeinsamen Erinnerungsort. Ein Skulpturengarten der Geschichte der alten weißer Männer (und der ganz wenigen Frauen). Dort können die Statuten kontextualisiert und in Verbindung zueinander gebracht werden, das Machtgeflecht kann erläutert werden. Die vergangenen Heldenposen können dort als das decouvriert werden, was sie sind: Konstrukte, die es zu überwinden gilt. Selbst, wenn es wohl schwer gelingen kann, die gesamte Komplexität einer politischen Figur zu erfassen – schafft die Form der Darstellung in einem Skulpturengarten auch symbolisch einen klaren Rahmen für die Rezeption: Was hier gezeigt wird, ist konstruiert. Es ist ein zusammengesetztes Stückwerk aus Schlaglichtern auf Einzelpositionen.

Vor Ort könnten dann – wie im Fall Lueger – die Sockel der einstmaligen Verehrung stehenbleiben.

Ein Sockel ohne Helden.

Diese Leerstellen laden jetzige Betrachter*innen ein, sich in Beziehung zu setzen und Fragen zu stellen. Diese Leerstellen laden ein, unterschiedliche Perspektiven zu wagen und Kontexte zu verhandeln: zur Geschichte der Stadt im Allgemeinen, zur konkreten Person und zu spezifischen Erinnerungsorten im Speziellen.

Leerstellen sind ein Kommunikationsangebot.

Sie geben Raum, um beispielsweise den Antisemitismus und seine Verankerung in der Stadtgeschichte zu reflektieren.

Leerstellen erzeugen Spannung und machen neugierig.

Ohne Neugier kann kein Geschichtsbewusstsein entstehen.
Ohne Möglichkeit für heutige Bewohner*innen die kollektive Erinnerungserzählung mitzuschreiben, werden Denkmäler vergangener Generationen zu gesichtslosen Steinhaufen.

Lebendige Erinnerungskultur braucht ständige Auseinandersetzung.

Lebendige Erinnerungskultur braucht den öffentlichen Diskurs.

 

Der Text ist im Rahmen der regelmäßigen Aktion der Grünen Innere Stadt „Das Mädchen mit dem roten Mantel“ zur Kontextualisierung des Luegerdenkmals entstanden.  Die Grünen Innere Stadt öffenen auch ihre Website als Diskursplattform zur Erinnerungskultur.

 

Veranstaltungshinweis: Junge „Systemsprenger“ – Filmscreening und Expertinnendiskussion zu den Herausforderungen in der Jugendfürsorge

Kinder können uns alle herausfordern: Eltern, Pflegeeltern und andere soziale Eltern und auch Bildungspersonen. In einer Gesellschaft, die auf Optimierung und Effizienz ausgerichtet ist, sind Kinder oft Störfaktoren. Welchen gesellschaftlich akzeptierten und den psychiatrisch/psychologisch sinnvollen Umgang mit Kindern, die dem gewünschten Rahmen in keiner Weise entsprechen (wollen) bieten wir heute an?
Welche Verbesserungen in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung für Familien mit besonderen Bedürfnissen sind dringend notwendig.
Wo gibt es schon gute Ansätze, die ausgebaute werden können.

Ein Gespräch mit Fachexpertinnen:

Dr.in Dina Nachbaur, Weisser Ring
DSAin Dunja Gharwal, MA, Kinder und Jugendanwaltschaft
DSAin Helena Planicka, Eltern für Kinder Österreich
Dr.in univ. med. Katharina Kruppa, Kinderärztin , Psychotherapeutin, Frühe Hilfen

Ablauf:
ab 11.00 Uhr Brunch
ab 12:00 Filmstart: „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt
ab 14:00 Start Podiumsdiskussion

Datum 19.Jänner 2020 im Admiralkino, 1070

Der Eintritt ist kostenlos, bitte um Reservierung unter reservierung@admiralkino.at

Die Veranstaltung ist in Kooperation mit der Grünen  Bildungswerkstatt Wien und den Neubauer Grünen entstanden.

https://www.facebook.com/events/583925175706950/

 

Die Diskussion zum Nachhören

 

eigenART II präsentiert 22 aktuelle Künstlerinnen in der Grünen Galerie 7

… in Kooperation mit OBRA – One Billion Rising Austria

kuratiert  von  Mag.a Petra Springer,  die auch den Einleitungstext zu dieser Ausstellung verfasst hat:

„Geschichte der Frauenausstellungen

Frauen waren lange Zeit vom Kunstmarkt ausgeschlossen, historisch gesehen tauchen Künstlerinnen nur vereinzelt auf. Im Kontext der ersten Frauenbewegung begannen Künstlerinnen den männlich dominierten Kunstmarkt zu hinterfragen und suchten nach Strategien, sich zu etablieren. Bereits 1895 beschrieb Karoline Murau in ihrem Buch „Wiener Malerinnen” 42 Künstlerinnen. Ab 1901 stellten in Wien die „Acht Künstlerinnen” erstmals aus. Nur wenige Männer besuchten die Ausstellung. Da aber Männer weitaus kaufkräftiger waren als Frauen, wurde die Ausstellung ein Misserfolg. 1910 wurde der erste Verein von Künstlerinnen gegründet: „Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs”. Die erste Ausstellung „Die Kunst der Frau” fand im selben Jahr in der Wiener Secession statt. Erst seit 1921 dürfen Frauen an der Akademie der Bildenden Künste studieren. 1925 wurde die Vereinigung „Wiener Frauenkunst” gegründet, der Künstlerinnen der Wiener Werkstätte sowie der vormals „Freien Vereinigung” angehörten. 1927/28 fand die erste Ausstellung im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie statt. Der Backlash im Kontext des Nationalsozialismus zeigte sich auch in der Kunst von Frauen. Es gab zwar Ausstellungen von Frauen, wie „Künstlerisches Frauenschaffen” in der Secession 1940. Traditionelle Werte wurden in den Werken thematisiert und propagiert. „Arische”, asexuelle Frauen in Trachten sind in den Bildern zu sehen: das Bild der Frau als Ehefrau, der sitzenden Frau, die vermutlich näht, der „braven” Frau als Hausfrau. Im Kontext der zweiten Frauenbewegung kam es dann wieder verstärkt zu Ausstellungen von Frauen. Die UNO erklärte 1975 zum „Jahr der Frau” und Wissenschaftsministerin Dr.in Hertha Firnberg wollte eine Ausstellung ausschließlich für Künstlerinnen in die Wege leiten: und zwar im Völkerkundemuseum. Es gab Proteste gegen diese Frauenausstellung, da sie an einem Ort geplant war, der die Kunst von Frauen außerhalb der eigentlichen Kunstinstitutionen in die Nähe von Handarbeit und Volkskunst rückte. Die Jury, die die Künstlerinnen auswählen sollte, war männlich besetzt. Valie Export kuratierte 1975 die Ausstellung „Magna – Feminismus: Kunst und Kreativität” in der Galerie nächst St. Stephan. 1978 wurde eine in der Secession geplante Marc Chagall-Ausstellung kurzfristig abgesagt. Bei einer Sitzung des Vorstandes, dem damals zwei Frauen angehörten, wurde beschlossen, diese Lücke im Programm mit einer Ausstellung von Arbeiten von Künstlerinnen zu füllen. Florentina Pakosta wurde beauftragt, die Ausstellung zu organisieren. In der „Secessionistinnen” genannten Ausstellung ging es Pakosta vorrangig darum, die Arbeiten der weiblichen Mitglieder der Secession vorzustellen. 1977 wurde die „Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen” („IntAkt”) gegründet. 1985-86 zeigte die Secession in der Ausstellung „Identitätsbilder“ Arbeiten dieser feministischen Gruppe. 1984 wurde unter dem Vorsitz von Johanna Dohnal der Verein „Frauen 84” mit der Wiener Galeristin Grita Insam, der Künstlerin Valie Export und der Kunsthistorikerin Silvia Eiblmayr gegründet. Sie organisierten mehrere Ausstellungen, wie „Kunst mit Eigen-Sinn” 1985 im Museum des 20. Jahrhunderts, wo aktuelle Positionen von etwa siebzig österreichischen und internationalen Künstlerinnen gezeigt wurden. Im Kontext dekonstruktivistischer Theorien wurden im Kunstdiskurs Frauenausstellungen problematisiert, da sie die Frau in einer Frauenausstellung als das „Andere” präsentierten. Andererseits kann Kunst als politischer Ort der Auseinandersetzung begriffen werden, an dem die vom Patriarchat verschüttete Identität der Frau wieder zum Vorschein gebracht wird. Die 1999 veranstaltete Ausstellung „Jahrhundert der Frauen” im Kunstforum Bank Austria zeigte Arbeiten von Künstlerinnen, die zwischen 1870 und 1999 entstanden sind.

Haben die Ausstellungen in der Zwischenkriegszeit die Kunst der Frauen in einer anderen Weise präsentiert bzw. gingen die Ausstellungen in den siebziger Jahren in den öffentlichen Raum bzw. auch außerhalb des Ausstellungslokals oder wurde die Rolle der Frau als Hausfrau in Frage gestellt, so wurden Bilder nun in klassischen White Cubes präsentiert. Ähnlich gestaltet war die Ausstellung „Mimosen – Rosen – Herbstzeitlosen” 2003 in der Kunsthalle Krems. Das Etikett „Frauenausstellung” reicht nicht aus, um Frauen deren adäquaten Platz in der Kunstgeschichte zurückzugeben. Die gesellschaftlichen Strukturen bleiben weiterhin patriarchal. Es gilt nicht, die Frau als das „Andere” zu definieren, sondern es geht darum, Ausschlussmechanismen aufzuzeigen und sich mit speziell weiblichen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Da Kunstwerke keine mimetischen Abbilder der Natur bzw. der Wirklichkeit sind, sondern immer auch Bilder einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, die gleichzeitig auch Vorstellungen der jeweiligen Entstehungszeit transportieren, so sind auch Ausstellungen Spiegel der Gesellschaft. “

 

Zum Hintergrund der alktuellen Ausstellung:

One Billion Rising Austria präsentiert 2019 die Ausstellungsreihe eigenART. One Billion Rising („eine Milliarde erhebt sich“) setzt sich als getanzter Protest für ein Ende der Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* ein. Die „Milliarde“ errechnet sich aus der statistischen Aussage der UN, dass ein Drittel aller Frauen* und Mädchen* weltweit in ihrem Leben Opfer von Gewalt werden.

One Billion Rising findet als getanzte Kundgebung statt, weil Tanz Kraft gibt, weil Tanz im öffentlichen Raum ein Statement ist – und weil Frauen*, die durch Gewalt traumatisiert worden sind, über den Tanz zu ihrem Körper zurückfinden können.

Die aktionistische Kampagne One Billion Rising entwickelte sich 2012 aus der V-Day-Bewegung – einer globale Bewegung, die 1998 von der New Yorker Künstlerin Eve Ensler ins Leben gerufen wurde. Seitdem ist der 14. Februar nicht nur Valentinstag, sondern auch V-Day. Das „V“ in V-Day steht für Victory (Sieg), Valentine (Valentinstag) und Vagina.

Am und rund um den 14. Februar erlebt die Bewegung mit der Kampagne One Billion Rising einen Aktionshöhepunkt. Seit 2013 sind weltweit tausende Aktivist_innen singend und tanzend gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* aktiv. So etwa in Nordamerika, Südafrika, Australien, Deutschland und Österreich.  Derzeit ist OBRA Kooperationspartnerin für die Ausstellung eigenART II in der GrünenGalerie 7.

Die Grüne Galerie  7   besteht seit 2006 in den Büroräumlichkeiten der Grünen Neubau. Gemeinsam mit Anna Babka lade  ich hier her engagierte Künstler_innen ein, die aktuelle Diskurse als Basis ihrer Arbeit sehen, oder wo wir  in der Interpretation der Werke oder der künstlerischen Persönlichkeit einen Diskussionsbeitrag zu aktuellen Themen wahrnehmen.  Wir freuen uns sehr  mit der aktuellen Ausstellung nicht nur 15 sehr unterschiedliche international vernetzte Künstlerinnen zu präsentieren, sondern auch in Kooperation mit Obra -One Billion Rising Austria  klar und unmißverständich auf die aktuelle Situatiion der weltweiten Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen zu können.

Die Künstlerinnen

Ophira Avisar • Amelita Bradu • Kati Bruder • Magaly Cureau • Ewa Dziedzic • Anneliese Erdemgil-Brandstätter • Sarah Fellner • Veronika Junger • Sophie Krüger • Aiko Kazuko Kurosaki •  Sara Merec • Martina Mina • Martina Montecuccoli •  Doris Neidl • Petra Paul • Petra Röbl • Sabine Schwaighofer • Abigail Stern • Julia Überreiter • Valerie Villena • Judith Wagner • Vivian Crespo Zurita

Die Eröffnungsperformance von Aiko Kazuko Kurosaki zur aktuellen Situation

Die Abschiedsoperformance

 

Das Programm:

Vernissage Dienstag, 12.02.2019, 19:00
Begrüßung: Dr.in Anna Babka, Mag.ª Ursula Berner
Eröffnung: Mag.ª Petra M. Springer
Aiko Kazuko Kurosaki | Petra Paul: STAND-IN for OBRA – The Performance

Finissage: Mittwoch, 27.03.2019, 19:00
mit Dr.in Anna Babka, Mag.ª Ursula Berner
Performance: Vivian Crespo Zurita

Ja, es kann auch ein bissl mehr sein! Kulturpolitik als Triebfeder gegen einen identitären Kulturbegriff ist möglich

Ja, da geht noch was, aber die gähnende Leere in der Wiener Kulturpolitik kann ich ehrlich nicht sehen – es gibt ein sehr diverses Angebot auf unterschiedlichsten Ebenen – von Straßenkunst bis Theater in der Josefstadt, von Wienwoche bis Symphoniker, von Wave bis Rhiz, von Brut über Ragner Hof zum Wuk und da sind die ganzen Klein- und Mittelbühnen nicht genannt … alle arbeiten sich mit unterschiedlichsten Mitteln an der aktuellen politischen Situation ab.

Was ich sehen kann ist, dass die Angebote innerhalb Wiens sehr ungleich verteilt sind, dass Veränderungen noch zu langsam gehen, dass die großen Tanker Themen wie Zuwanderung, Zusammenleben, Konflikt von Einbinden und Ausgrenzen, zwar spielen, aber die Erkenntnisse noch nicht in die eigenen Strukturen einbauen; dh. RegisseurInnen, SchaupielerInnen, Programm sind noch immer vorwiegend bildungsbürgerlich geprägt.

Aber Neuorientierung findet statt. Mit Anna Badora kommt eine Intendantin nach Wien, deren spezifisches Anliegen es ist „bildungsferne Schichten das Theater als Begegnungsort über soziale Barrieren hinweg“ zu etablieren. Auch Thomas Zierhofer-Kin versteht sich gern als Stachel im Fleisch der Hochkultur – man wird mehr wissen, wenn die beiden ein Jahr gearbeitet haben.

Daneben sind gerade in Wien in den letzten Jahren einige dezentrale kulturelle Begegnungsräume entstanden, die zeigen wie Kultur auch partizipativ und politisierend funktionieren kann, wie die Brunnenpassage, Soho Ottakring oder die Wienwoche.

Es ist noch nicht genug! Wir brauchen mehr offene Räume für unterschiedliche kulturelle Aktivitäten in den Außenbezirken, auch fernab der Eventkultur, wir brauchen mehr Orte, wo junge KünstlerInnen sich ohne finanzielles Risiko ausprobieren können, und wir brauchen Verbesserungen in den Förderstrukturen: Vereinfachung der Ansuchen, klare Ausschreibung der Förderkriterien, thematisch besser fokussierte Calls, mehr Einbindung zivilgesellschaftlicher ExpertInnen in Jurys .

Wir brauchen im Kulturbudget mehr Spielraum um auf Neuentwicklungen zu reagieren. Und gerade im Bereich der Stadtentwicklung brauchen wir eine intensive spartenübergreifende Zusammenarbeit. Wenn – wovon wir ausgehen – Wien in den kommenden Jahren um die Größe von Graz wächst, werden wir von Anfang an auch kulturelle Infrastruktur Maßnahmen mitdenken müssen. Es braucht Mittel um sinnvolle, nachhaltige moderne Konzepte zu entwickeln, die für die neue hinziehende Bevölkerung von Anfang an „Orte der Begegnung“ schaffen: am besten so , dass diese vor Ort wachsen und weiterentwickelt werden können. Die Ideen sind da, die Themen sind da, gute Kulturpolitik hat die Aufgabe sensible zu bleiben für gesellschaftliche Veränderungen, kritische Stimmen zu hören und zu beachten und innovative Menschen zu motivieren ihre Ideen umzusetzen. Dafür werde ich mich in den nächsten Jahren stark machen.

Die „Clash of Civilations“ Debatte stützt in diesem Zusammenhang die Idee einer „gemeinsamen Leitkultur“. Die halte ich ein einer sich ständig verändernden Gesellschaft für fraglich. Und vor allem glaube ich nicht, dass Kulturpolitik so etwas wie eine Leitkultur setzen soll und kann. Wir PolitikerInnen sind aufgerufen aktuelle Diskurse wahrzunehmen und Räume für gewaltfreie Auseinandersetzung zu schaffen – für die freie Szene genauso wie für etablierte Institutionen.

Antwort auf Martin Wassermair: Kulturkampf – Kopf in den Sand? Freiheitlicher Kulturbegriff auf identitärem Feldzug Von Martin Wassermair. Erschienen in: Salzburger Kulturfenster, Ausgabe 10/2015

 

Salzburger Wogen als Vorboten für Wiener Umwälzungen?

Egal wie die politisch man die Intervention der Bläser bei Jedermann in Salzburg diesen Sommer bewertet, was folgte gibt einen Vorgeschmack, wie sich Kulturpolitik sich verändern kann und wird, sollte die FPÖ auch anderswo – in Wien zum Beispiel – Regierungsverantwortung bekommen.

Das Zitat der Internationalen hat das Publikum so irritiert, dass sich die Festspielleitung gezwungen sah „klaren Tisch“ zu machen und sich jedweden politischen Aktionismus bei den Salzburger Festspielen zu verbieten. Auch wenn wir in keiner Diktatur leben, – für die Cornelius Obonya derartige Interventionen gerechtfertigt fände – kann man schon aus den Nachwehen zur kleinen Intervention ablesen, wie Kulturpolitik in Zukunft stattfände, wenn die FPÖ in Wien „an die Macht“ käme. Es wird sofort interveniert und die Festivalleitung muss innerhalb weniger Stunden „Ordnung“ schaffen. Was wird aus der Freiheit der Kunst?

Es geht mir weniger um die Form des „Protests“ der Musikerinnen, als vielmehr um die (Einfluss-)Strukturen, die hier offensichtlich werden. Innerhalb weniger Stunden

Blicken wir zurück: Kärnten 1999 unter Jörg Haider. Dieser bestellte sich selbst zum Kulturreferenten, setze die Kulturamtsleitung außer Kraft, und machte Kultur damit zur „Chefsache“ – unterstützt von Andreas Mölzer als Berater, entschied er ab nun was Kultur im Land Kärnten sei: viel zeitgenössischen Kulturschaffenden wurden nicht mehr gefördert. Das Landesbudget stieg in der Sparte Brauchtumpflege und Volkskultur innerhalb von 11 Jahren um 120%, während die Ausgaben für freies Theater konstant zwischen 0,54 und 0,99% der Landes-Kulturbudgets grundelten. Und das obwohl Kärnten ein fortschrittliches Kulturfördergesetz hatte, das 2009 gemeinsam mit den freien Gruppen ausverhandelt worden war. Es wurde nicht exekutiert.

Insgesamt stieg das Kultur-Budget von 19 Mio im Jahr 2000 auf 37 Mio im Jahr 2011. Investiert wurde davon in Großevents und die Wörtherseebühne, die kleineren Kulturinitiativen erfuhren keine Erhöhungen.

Auf Wien umgelegt muss man wohl davon ausgehen, dass – in Anbetracht der angespannten Budgetsituation – mit massiven Kürzungen gerechnet werden kann. Abgeleitet aus dem FPÖ agieren auf Bezirksebene, müssen wir uns dann wohl auf Volksfeste, Blasmusik und Traditionspflege einstellen.

Von innovative Projekte, sozialkritische Auseinandersetzung, Inklusion in den Kulturbetrieb von allen, die hier leben, können wir dann allerhöchstens träumen.

 

Es gibt bislang kein dezitiertes Kulturprogramm der FPÖ für Wien, hier deshalb nur ein Auszug aus ihrem Parteiprogramm von 2011, der recht allgemein bleibt:

Unsere abendländische Kultur ist reichhaltig und vielfältig. Sie verbindet die europäischen Kulturnationen. Der Erhalt unserer Kulturdenkmäler hat dabei für uns hohe Bedeutung.

Es gilt, ausgehend vom hohen erreichten Niveau, die freie Weiterentwicklung unserer eigenen Kultur zu ermöglichen und unsere Muttersprache als wichtigstes kulturstiftendes Element zu schützen.

Hauptaufgabe der Kulturpolitik ist die Förderung der Weiterentwicklung des kulturellen Reichtums unserer Gesellschaft. Dabei hat die Politik lediglich die Rahmenbedingungen zur Gewährleistung der Freiheit und Vielfalt der Kunst zu schaffen, da sich diese Vielfalt durch individuelle künstlerische Leistung entwickelt.“

Porno, Kunst und die Geldmisere

@http://diepresse.com/home/kultur/kunst/542039/Lokalaugenschein_Der-Swingerclub-in-der-Secession?_

Der Kunst geht’s nicht gut: privates Sponsoring ist begrenzt in Österreich und auch die öffentlichen Stellen neigen in Zeiten der Wirtschaftskrise vermehrt dazu zu knausern… Übrig bleiben die Künstlerinnen und Künstler, die bereit sind unter Selbstausbeutung, im besseren Fall zum Gegenwert vom Material, im schlechteren nur für die Sache selbst zu arbeiten.

Lust im halböffentlichen Kunstraum genossen als Geldbeschaffungs-Instrument.

Neubau hat einen Export zu berichten: Von hier stammt die Basis für die aktuelle Kunstaktion in der Secession: Element6 ist ein Club aus Neubau.

Vögeln für die Kunst  – eine neue Form der Charityparty ?

… wenn gar nichts mehr geht, bleibt nur mehr der Körper übrig zum Verkauf. Als reines Anschauungsobjekt oder in der Steigerung für Sex: Geldbeschaffung durch vorgespiegelte oder echte Lust .

Das passiert zur Zeit in der Secession: Quasi als mehrwöchige Charityparty öffnet hier des nächtens der Club Element6 seine Pforten. Lust im halböffentlichen Kunstraum genossen als Geldbeschaffungs-Instrument.

Der Kunst geht’s nicht gut: privates Sponsoring ist begrenzt in Österreich und auch die öffentlichen Stellen neigen in Zeiten der Wirtschaftskrise vermehrt dazu zu knausern… Übrig bleiben die Künstlerinnen und Künstler, die bereit sind unter Selbstausbeutung, im besseren Fall zum Gegenwert vom Material, im schlechteren nur für die Sache selbst zu arbeiten.

Sie leisten viel für uns alle: Sie kommentieren die Gesellschaft, die Politik, sie regen  an nach zu denken, neue Wege zu gehen, sie provozieren Diskussion. Wenn´s weniger gut gelingt, bleibt´s stecken im reinen Amüsement.

Wenn´s gut gelingt dann reden alle drüber: die Zeitungen, die Politik und die Menschen in der Straßenbahn. Wenn´s noch besser gelingt, schafft die öffentliche Debatte Veränderung.

Der Diskurs jedenfalls ist gelungen. Welche Veränderung wird sich noch zeigen.
Viele erbosen sich über das Oberflächliche. Kramen die doppelbödige christliche Moral der 50er Jahre hervor: Sex hat privat zu erfolgen, möglichst geheim und nur zur Fortpflanzung.
In Räumlichkeiten, die schon vor 100 Jahren mit erotischen Bildern geschmückt wurden (Gustav Klimt), wirkt das absurd. Kunst muss provozieren. Erotik ist ein fixer Bestandteil der Kunst, keine Frage.

Wer sich in der Secession erotisierten lässt, ist freiwillig da, über 18 Jahre alt, und hat Eintritt bezahlt. Ein Eintritt, der nicht irgendwelchen dunklen Gestalten zu gute kommt, sondern den Nachfolgern von Gustav Klimt. Künstlerinnen und Künstlern also und einem Haus, das Tradition hat darin, als KünstlerInnen-Kollektiv selbstständig zu entscheiden, was wann wie gezeigt wird.

Diesmal zeigen sie deutlich und mit Biss wie weit KünstlerInnen heute zu gehen bereit sein müssen, in einer Gesellschaft, deren wichtigstes Interesse nur noch der eigene Lustfaktor ist. Ihre Performance ist kritisch. Sie ist außerdem interaktiv.
Wer das genau bedenkt, und merkt welches Spiel er oder sie hier mitspielt, dem könnte die Lust fast vergehen….

Aber andererseits, man tut´s ja für die gute Sache. Und wem das ganz zu wieder läuft, kann auch untertags kommen, zur Unterstützung.

P.S.: Der nächste Aufreger für Kunst im Öffentlichen Raum startet in Neubau übrigens am Donnerstag den 4. März im Museumsquartier:
Bar Rectum/ Bikini/ Darwin
Begehbare Kunst in Form von überdimensionalen Körperteilen mitten im öffentlichen Raum.
Mehr Info www.kultur-online.net/?q=node/11261&nlb=1

© 2024 ursula berner

Theme von Anders NorénHoch ↑