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Schlagwort: Kulturförderung

Peanuts statt langfristige Finanzierung – zur Abschaffung der mehrjahres Zusagen in der Wiener Kulturförderung

Rede im Wiener Gemeinderat am 16. Juni 2026

Sehr geehrter Vorsitzender,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Gäste auf der Galerie und im Livestream,

Nach all den Ablenkungsdebatten über Thiel und Milo Rau, gehe wieder zurück zudem eigentlichen Thema – dem Verlust der Mehrjährigen Förderungen für die Wiener Kulturszene.

Mit der aktuelle Novellierung der Förderrichtlinien im Kulturbereich ist die Stadt Wien leider ein weiteres Mal dabei, diese eigenen Errungenschaften Schritt für Schritt abzubauen. Statt minimaler finanzieller Absicherung geht Wien in großen Schritten hin zu noch mehr Prekarität – ausgerechnet in einem Feld, das jetzt schon in weiten Teilen prekär arbeitet.

Pressesausendung statt Rechtsgrundlage

Ja, gestern Nachmittag gab es eine Pressemittteilung der Stadträtin: Die Konzeptförderung soll nun doch erhalten bleiben. Das begrüßen wir – weil es zeigt, wie groß der Protestdruck aus der Szene ist und wie berechtigt die Kritik. Aber: Eine Presseaussendung ersetzt keine Rechtsgrundlage.

Bis jetzt liegt kein Abänderungsantrag vor, der schwarz auf weiß festlegt, dass die Konzeptförderung tatsächlich wie bisher weitergeführt wird. Und selbst wenn das kommt: Es löst nur einen Teil des Problems – für viele andere Bereiche bleibt der Angriff auf Mehrjahresförderungen bestehen.
Allein auf Basis einer Pressemitteilung wenige Stunden vor der Sitzung können wir diesen Richtlinien auch heute nicht zustimmen.

Paragraph 4.2: Systemwechsel bei der Förderung

Kern des Problems ist Paragraph 4.2 in den neuen Richtlinien:
„Eine Gesamtförderung kann nur für 1 Jahr gewährt werden.“ – das ist der neue Standard. Mehrjährige Gesamtförderungen sollen nur mehr in absoluten Ausnahmefällen möglich sein!

Gleichzeitig behält sich die Stadt vor, mehrjährige Zusagen in den Folgejahren um bis zu 10% zu kürzen, wenn es die Budgetlage „erfordert“.

Das ist ein Systemwechsel.

Betroffen sind Freie Gruppen im Bereich Darstellende Kunst, Institutionen, Kulturinitiativen, die Bildende Kunst und Medienkunst, Film, Mode und Design, Kinoförderungen, Literatur – kurz: die ganze Breite der freien Kulturszene Wiens. Wir Grüne können das nicht mittragen, wir lehnen diese Richtlinien klar ab.

 

Widerspruch zur eigenen Kulturstrategie

Besonders irritierend ist: Die Stadtregierung handelt damit gegen ihre eigene Kulturstrategie 2030. In der aktuellen  Wiener Kulturstrategie 2023 steht unter Punkt 3.5. „Krisenresiliente Kultur“ als Hauptziel, dass das Fördersystem bis 2030 vermehrt auf mehrjährigen Förderverträgen basieren soll. Begründung: Langfristige Planbarkeit, weniger Produktionsdruck, mehr Stabilität für Häuser und Kunstschaffende.

In der gleichen KulturStrategie 2030 ist eine konkrete Maßnahme festgelegt: Das Kulturbudget soll an die Entwicklungen angepasst werden, die Mehrjährigkeit von Förderverträgen und frühestmögliche Förderzusagen sollen vorangetrieben werden.

Und was passiert jetzt?

Statt dieses Ziel konsequent zu verfolgen werden Mehrjährige Förderungen zur Ausnahme, zum Gnadenakt – verbunden mit der Drohung von jährlichen Kürzungen.

Das ist das Gegenteil von dem, was die Stadt sich selbst vorgenommen hat.

Mehrjahresförderung: Errungenschaft, kein Luxus

Mehrjährige Förderzusagen sind kein Luxus für ein paar wenige, sondern eine kulturpolitische Errungenschaft, die in Wien über Jahrzehnte erkämpft wurde.
Schon in den 1990er‑Jahren hat Peter Marboe für einige Bühnen mehrjährige Zusagen durchgesetzt, richtig ausgerollt wurde das mit der Theaterreform 2003 unter Andreas Mailath-Pokorny. Seither begutachten jeweils drei Kurator:innen Konzepte und Häuser, bewerten sie und schlagen Projekte für Mehrjahresförderungen vor.

Ein Beispiel: In der aktuellen Ausschreibung für eine 2 Jahres Konzept-Förderungen gab es 35 Einreichungen. 12 Projekte  zur Förderung empfohlen – mit insgesamt 1, 4 Mio Fördervolumen.

Wer glaubt, man könnte mit Einsparungen über diese kleine Summe ernsthaft das Budget sanieren, will nicht sparen, sondern Strukturen schwächen.

Wer wirklich sparen will muss ins volle greifen! Dorthin wo wirklich viel Geld auf einmal ausgegeben wird:  – zB. könnte man die Förderung der neuen Eventim Halle in St. Marx canceln.  Da könnten 100 Mio auf einmal gespart werden
100 Mio! das ist das, was sie im Kulturbudget 2027 und vermutlich auch 2028 sparen werden müssen!

Hier könnte man es holen, ohne die lokale Kultur-Szene zu schwächen!

Mehr Bürokratie statt Einsparung

Dazu kommt: So eine Politik produziert nicht nur Unsicherheit, sondern auch mehr Bürokratie.

Wenn Förderungen künftig jährlich beantragt und neu beurteilt werden müssen, vervielfacht sich dieser Aufwand – für die Häuser, für die Kurator:innen, für die MA 7.

Ist es tatsächlich sinnvoll, jedes Jahr denselben massiven Abstimmungs‑, Beurteilungs‑ und Verwaltungsaufwand zu produzieren?

Sollen die Mitarbeiter:innen der MA 7 oder die Kurator:innen für diesen Mehr-Aufwand zusätzlich entschädigt werden – was die Kosten steigern würde – oder sollen sie ihn einfach „gratis“ mitarbeiten?

Das ist kein Sparprogramm, das ist ein Bürokratieprogramm.

 

Perspektive der Häuser und Vereine

Aus Sicht der betroffenen Vereine, Theater, Festivals und Initiativen ist die Streichung der Mehrjahresförderungen gleich mehrfach problematisch:

  • Langfristiges Planen wird faktisch unmöglich. Sobald Verträge über ein Jahr hinaus abgeschlossen werden, droht bei Förderkürzungen private Haftung der Geschäftsführung – bis hin zur Privatinsolvenz. Wer übernimmt unter solchen Bedingungen Verantwortung für ein Haus?
  • Wer nicht weiß, ob es im nächsten Jahr überhaupt Geld gibt, muss spätestens im Oktober Angestellte beim AMS als arbeitslos-gefährdet melden – jedes Jahr. Das ist nicht nur zynisch, das ist auch bürokratischer Unsinn.
  • Fixanstellungen, die im Kulturbereich ohnehin selten sind, werden noch unwahrscheinlicher. Es bleiben kurzfristige Werkverträge und projektweise Beschäftigung.

Gleichzeitig wird auf Bundesebene von ÖVP, NEOS und SPÖ verlangt, die Menschen mögen doch bitte endlich Vollzeit arbeiten.
Mit diesen neuen Förderrichtlinien macht Wien Vollzeit Anstellungen im Kulturbereich aber de facto schwieriger bis unmöglich.
FAIR PAY wird zur schönen Überschrift, für die meisten bleibt es eine Fiktion – vielleicht erreichbar für ein paar wenige mit älteren, noch abgesicherten Verträgen in großen Institutionen.

 

Sozial- und arbeitsmarktpolitische Dimension 

Hinzu kommt die sozial-politische Dimension:
Viele Kulturarbeiter:innen kombinieren Projektarbeit, Lehraufträge, internationale Kooperationen, Festivalleitungen, Regiearbeiten, Lesungen, Konzerte – oft in mehreren Ländern. Unser Sozialsystem ist darauf nicht ausgerichtet, und schon jetzt sind viele Lebensläufe ein Flickenteppich aus befristeten Jobs.

Mit den vorliegenden Richtlinien wird dieses Prekariat weiter verschärft.
Wer zwischendurch auf AMS-Leistungen angewiesen ist, kann defacto bei keinen OFF- Produktionen mehr in Projekten mitarbeiten – weil die im Bund verabschiedete Zuverdienstgrenzen das nicht zulässt!

Statt sozialer Absicherung für Kulturarbeitende gibt es mehr Unsicherheit und mehr Druck von zwei Seiten: weniger Förderzusagen auf der einen Seite, höhere Erwartungen an stabile Anstellungsverhältnisse auf der anderen.

Europäische Kooperationen und EU-Gelder

Besonders kurzsichtig ist die neue Linie bei internationalen Kooperationen und EU‑Förderungen. Wer bei der EU anklopft, braucht in der Regel Nachweise über eine längerfristige Finanzierung. Eine Institution, die nur sagen kann „Wir sind bis Ende des Jahres einigermaßen finanziert, was nächstes Jahr ist, wissen wir nicht“, hat bei vielen Programmen von vornherein schlechte Karten.

So wird der Zugang zu europäischen Fördertöpfen erschwert oder verwehrt – ausgerechnet für jene Häuser, die Wien international sichtbar machen und in europäische Diskurse einbinden. Auch das ist kultur- und wirtschaftspolitisch unsinnig.

„Kulturstadt Wien“ braucht Verlässlichkeit, nicht Schlagzeilen

Seit gestern Nachmittag wissen wir: Konzeptförderungen sollen eine Ausnahme bilden und weiter mehrjährig gefördert werden.

Soweit, so gut – aber wie gesagt: Festgeschrieben ist das noch nicht. Für alle anderen Bühnen heißt es, die Stadträtin arbeite „weiterhin intensiv daran, langfristige Perspektiven zu ermöglichen“.

Ob zum Beispiel 2027 die zwei Jahresförderung wieder ausgeschrieben wird – ist zumindest auf der aktuellen Website der MA7 nicht ablesbar.

Die Wiener Kulturlandschaft braucht aber mehr als Pressezitate und gute Absichten.
Sie braucht klare, rechtlich abgesicherte Instrumente, die Planungssicherheit bieten.

Über Jahrzehnte wurde eine vielfältige künstlerische Infrastruktur aufgebaut.
Sie leichtfertig aufs Spiel zu setzen, ist fahrlässig.
Zerstörte Strukturen und Arbeitsverhältnisse lassen sich nicht im nächsten Budgetjahr reparieren – sie brauchen Jahre, oft Jahrzehnte, um wieder aufzubauen.

Ja jetzt um 11.27 Uhr wurde mir ihr Antrag übermittelt –  der die #Konzeptförderung festschreibt.
Ein Schlem könnte meinen, sie fühlen sich erwischt bei ihren Sparvorhaben, liebe #SPÖ  KollegInnen. Ich freue mich, dass sie zumindest die Konzeptförderung jetzt verankern wollen – dennoch bleibt der Abbau aller anderen Mehrjahresförderungen bestehen.

Forderung der Grünen

Wir Grüne ziehen daraus eine klare Konsequenz:
Wir lehnen diese Novellierung der Förder-Richtlinien ab, weil sie Mehrjahresförderungen zur Ausnahme machen, Prekarität verstärken, Bürokratie erhöhen und der eigenen Kulturstrategie widersprechen.

Wir fordern:

  • Mehrjährige Förderzusagen müssen bleiben – und zwar als Regelfall, nicht als seltene Ausnahme.
  • Gute Arbeitsbedingungen und Vertragssicherheit für Kulturarbeiter:innen, statt jährlicher Existenzangst.
  • Rahmenbedingungen, die internationale Kooperationen und EU‑Förderungen erleichtern, statt sie zu blockieren.
  • Eine Kulturpolitik, die FAIR PAY nicht nur predigt, sondern mit langfristigen Förderinstrumenten absichert

Kurz: Die „Kulturstadt Wien“ braucht verlässliche Finanzierung, keine Kulturpolitik per Pressemitteilung.

Deshalb haben wir einen Antrag eingebracht mit der Aufforderung an die Stadtregierung, umgehend die notwendigen Schritte zu setzen, damit Kulturinstitutionen, freie Initiativen, Theater und Festivals weiterhin entsprechende Förderinstrumente – insbesondere mehrjährige Förderzusagen – zur Verfügung haben, die mittel- und längerfristige Planung ermöglichen.

Wir bitten Sie um breite Unterstützung für diesen Antrag – im Interesse einer vielfältigen, lebendigen und sozial abgesicherten Kulturszene in Wien.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Der Antrag der Grünen wurde vond en Regierungsfraktioneen SPÖ/NEOS leider in der Sitzung abgelehnt – und ist deshalb leider nicht mehr in  Verhandlung.

Antrag Mehrjahresförderung erhalten 1

Antrag Mehrjahresförderung erhalten 2

Antrag Mehrjahresförderung erhalten 3

Kulturausschuss.transparent – juni26

Die Zeiten werden härter:

Im Juni war kein einziger(!) Förderakt für Kulturvereine/institutionen auf der Tagesordnung des Kulturausschusses – nur die Novellierung der Förderrichtlinien. Der zweite Akt aufd er kurzen Tagesordnung widmet sich dem Ludwig Boltzmanninstitut.

Ad 1 Förderrichtlinien:
Was technisch-juridisch daher kommt, trägt ganz schönes Veränderungspotential für die Wiener Kulturlandschaft in sich:

Ab jetzt werden Mehrjahresförderungen die Ausnahme sein,
die neue Regel sind ein Jahres Verträge.

Zitiert Förderrichtlinien 4.2.:

Eine Gesamtförderung kann nur für 1 Jahr gewährt werden.
Mehrjährige Gesamtförderungen sind nur bei laufender Gesamtförderung und nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachreferat sowie nur in absoluten und besonders begründeten Ausnahmefällen möglich, beispielsweise wenn die*der Förderwerbende nachweislich im Voraus längerfristige Dispositionen getroffen hat bzw. treffen muss (z. B. Eingehen vertraglicher Bindungen) und ein mehrjähriger Finanzplan sowie eine ausreichende Begründung vorliegen. Die*Der Förderwerbende hat hierzu detaillierte und aussagekräftige Unterlagen vorzulegen.“

 

Wer also wird diese Ausnahme sein?
Laut Antwort der MA7, steht die MA7 (Kultur) mit der Abteilung MA5 (Finanzwesen) dazu weiterhin in Verhandlungen.
Für den Ausschuss konnte weder MA7  noch die Stadträtin beantworten, auf wen diese Ausnahmeregelung angewandt wird, bzw. werden kann.
Tatsächlich – das habe ich auch schon an anderer Stelle ausgeführt – ist es für Vereine wie große Institutionen sehr schwierig ein Programm zu gestalten, wenn sie keine langfristige Budgetsicherheit haben. Die Mehrjahresförderungen zu streichen, bedeutet für die meisten Vereine und Institutionen doppeltes Prekariat: finanziell – und juridisch, weil sie keine Verträge mehr für Produktionen zeitgerecht abschließen beziehungsweise dies nur auf eigenes Risiko machen können. Außerdem müssten sie im Grunde jedes Jahr im September alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kündigen oder zumindest beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung vormerken. Bis dann im Dezember das Budget fürs kommende Jahr festgelegt wird.

Tatsächlich war es eine Errungenschaft in Wien ab dem Ende der 90er Jahre, spätestens seit der Theaterreform Mehrjahresförderungen breit zu verankern, und damit Gruppen wie auch Häusern Planbarkeit zu ermöglichen. Die jetzige Regelung bedeutet ein Zurück in die Prekarisierung auf mehreren Ebenen.

(vgl. zum Hintergrund auch  Thomas Trenkler im Kurier, der auch als erster Journalist auf die  geplante Änderung hingewiesen hat.)

Weitere Prekarisierung der Kulturszene

Diese Prekarisierung durch Förderzusagen für nur mehr ein Jahr wird dadurch verstärkt, dass zukünftig bei Budgetknappheit auch in bestehende Mehrjahresvereinbarungen/förderungen eingegriffen werden kann!

„Die Stadt Wien behält sich jedoch vor, einemehrjährig zugesagte Förderung für die Folgejahre jeweils im Ausmaß von bis zu 10 % zu kürzen, wenn dies aufgrund der finanziellen Situation der Stadt Wien erforderlich ist“

Ein wichtiges Argument für Mehrjahresvereinbarung sind auch die Förderrichtlinien der EU. Das betrifft nicht nur Kulturprojekte! Wer immer EU-Förderungen beantragt muss eine mehrjährige Programmplanung und Umsetzung garantieren. Wenn die Förderrichtlinie so etwas verhindern, werden in Zukunft EU Kooperationen schwierig oder ganz unmöglich.

Im Ausschuss betont die MA7, dass sie sich weiter bemühen zu verhandeln und Kulturarbeit langjährig absichern wollennicht zuletzt sind mehrjährige Förderungen auch in der Kulturstrategie 2030 verankert.

„So sehr sie diese für die Planbarkeit von Kulturinstitutionen als wichtig erachtet und diese anstrebt, erlaubt die aktuelle Budgetsituation derzeit leider keine mehrjährigen Zusagen; die Kulturabteilung handelt dabei nach den Vorgaben der Finanz“ (wird Veronika Kaup Hasler im Standard zitiert)

Ich vertraue der MA7 und auch der Stadträtin, dass sie die besten Absichten haben.
Jedoch, was einmal als Richtline festgelegt ist, das pickt! Uns Grünen war die mündliche Zusicherung von glaubhaften Bemühen allein zu wenig – um diesen neuen Förderrichtlinien zuzustimmen.

Ein Absetzungsantrag – sprich der Wunsch, die Förderrichtlinien NACH ERFOLGREICHEN VERHANDLUNGEN MIT DER MA5 noch einmal zu diskutieren und dafür einen kurzen Kulturausschuss einzuschieben, wurde leider von den Regierungsparteien (SPÖ/NEOS) abgelehnt.

Tatsächlich wurde der Akt „Förderrichtlinien neu“ dann nur mit den Stimmen der SPÖ und NEOS angenommen. Grüne, FPÖ und ÖVP stimmten dagegen.

Ad 2, Als zweiter Akt war das Ludwig Boltzmann Insstitut auf der Liste : auch hier Kürzung um 35%. Die Jahresförderung geht von 700.000 auf 450.000  Euro.
MA7 OT-Ton: „Wir sind nicht gesetzlich verpflichtet das zu fördern.“ (Im Gegensatz zum Bund)

Für die nächsten Jahre wird versprochen keine (weiteren?) Kürzungen vornehmen zu wollen.

Das war uns Grünen zu wenig Zusicherungen und zu wenig Förderung – daher stimmten wir als einzige Partei gegen den Antrag.

Es gibt auch einen Erfolg zu berichten: erfreulicher Weise wurde der Grüne Antrag für mehr Transparenz angenommen. Ab jetzt wird regelmäßig zum Fortgang des Bauprojekts Kinderkulturhaus Floridsdorf berichtet.

Hier die Akten.

Post Nr. 1

Der Wiener Gemeinderat genehmigt den Inhalt der beiliegenden Förderrichtlinien sowie die dargelegte Vorgehensweise und ermächtigt die Magistratsabteilung 7, redaktionelle und formelle Anpassungen sowie inhaltliche Änderungen an der Förderrichtlinie vorzunehmen, sofern damit keine finanziellen Auswirkungen und keine Änderungen der Fördervoraussetzungen verbunden sind.

(Weiter an: Stadtsenat und Gemeinderat)

SPÖ/NEOS dafür
Grüne, ÖVP, FPÖ dagegen

 

Post Nr. 2

Die Förderung an die Ludwig Boltzmann Gesellschaft – Österreichische Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung für die Jahrestätigkeit in der Höhe von
EUR 450.000 wird gemäß der Förderrichtlinien der Magistratsabteilung 7 genehmigt. Die Bedeckung ist im Voranschlag 2026 gegeben.

(Weiter an: Stadtsenat und Gemeinderat)

SPÖ/NEOS, ÖVP, FPÖ dafür
Grüne dagegen

 

Das Problem der Philharmoniker ist die Gleichstellung!

Rede anläßlich einer Förderung des Sommernachtskonzerts der Wiener Philharmoniker 2024
zur notwendigen Verankerung von Frauenquoten im der Kulturförderung  im Gemeinderat am 22.4.24

Wir Grüne stimmen heute gegen den Akt fürs  Sommernachtskonzert der Philharmoniker-
Warum ?
Weil wir überzeugt sind, dass solche Förderungen das politische Ziel einer demokratischen Kulturpolitik verfehlen!

Was heißt das konkret?
Demokratische Kulturpolitik bedeutet, dass mittels öffentlicher Kulturgelder auch konkrete Förderziele verfolgt werden (sollen).

Ein konkretes Förderziel kann zum Beispiel Tourismuswerbung für Wien sein –  dieses Ziel halte ich nicht für demokratisch, aber ok, ist halt wirtschaftlich motiviert.

Ein konkretes demokratisches Ziel der Förderpolitik muss sein, dass die vorhandenen Gelder möglichst gerecht verteilt werden. Und hier ist noch einige Luft nach oben.

Was heißt gerecht?
Na, zumindest sollten einmal alle Bevölkerungsgruppen gemäß ihrem Anteil in der Gesellschaft profitieren.
Weniger geschwollen ausgedrückt: wenn 50% der Wiener Bevölkerung Frauen sind, sollte auch 50% der Förderungen an Frauen fließen.

Warum?
Weil an den Unis mindestens 50% Künstlerinnen ausgebildet werden, weil die Exzellenzen da sind.

Was spricht dagegen?
Nichts außer vielleicht die Bequemlichkeit.
Weil es oft einfach bequemer das bekannte zu wiederholen:
Es ist einfacher zum 105 Mal Strauß, Mozart, Haydn, Beethoven  oder Mahler aufzuführen, statt im bestehenden Archiv der MDW eine von 500 dort dokumentierten Komponistinnen auszugraben.

500 Komponistinnen aus allen Jahrhunderten stehen in der MDW zur Verfügung, in einem Archiv hier in Wien.
In Deutschland gibt es noch weitaus mehr Archive. Im Archiv  Frau und Musik in Frankfurt am Main werden sogar 2000 Komponistinnen dokumentiert vom 9. Jhdt. bis ins 21. Jhdt. und 30.000 Medieneinheiten.  Es gibt diese weiblichen Exzellenzen!

Trotzdem schaffen es die Philharmoniker in 20 Jahren beim Sommernachtskonzert nicht mehr als nur EIN einziges Stück einer Komponistin aufzuführen.

Im Jahr 2023 (!) also letztes Jahr wurde erstmals Lili Boulangers „D‘un matin de printemps“ in der Fassung für Orchester 1918 aufgeführt!
Heuer 2024 wird ohoho wieder eins von 10 aufgeführten Werken von einer Komponistin sein: Augusta Holmès, La nuit et l’amour. Zwischenspiel aus Ludus pro patria.

Das sind erste Babyschritte – wunderbar.

Wenn wir in dieser Geschwindigkeit voranschreiten werden wir vielleicht in 20 Jahren bei einer ausgeglichenen Quote sein, vielleicht auch erst in 50 Jahren.

Mehr als 2 Komponistinnen gabs in 20 Jahren nicht zu hören. Quasi keine Musik von Frauen. Beim öffentliche finanzierten Sommernachtskonzert! – Das gratis ist und doch neben der schönen Zeit für die Zuhörenden auch ein wenig einen Bildungsauftrag erfüllen sollte.

Mit 250.000€ für einen Abend muss aus Sicht einer demokratischen Kulturpolitik mehr drin sein, als das ewig selbe.

Mit 250.000 € muss die öffentliche Hand auch ihrem gestaltenden Auftrag machkommen!

Warum ich glaube, dass Wien das tun muss?
Weil die öffentliche Hand wenig andere Steuer-Instrumente hat als konkrete Fördersummen, die vergeben werden oder eben nicht.
Wer steuern will, muss seine Förderungen an Regeln oder Kriterien binden.

Das sind einerseits Transparenz regeln. Klar.
Und dann sind es Regeln die, die FördernehmerInnen motivieren sollen Entscheidungen im Sinne einer solidarischen Gesellschaft zu treffen.

Was heißt das konkret?
Wenn wir wollen, dass mehr Frauen als ausführende KünstlerInnen und mehr Werke von Frauen öffentlich präsentiert werden….
Wenn wir wollen, dass weibliche Exzellenzen sichtbar werden…

Dann  müssen wir die Förderkriterien dementsprechend anpassen.
Deshalb bringen wir heute den Antrag zur Verankerung von Frauenquoten in der Förderkriterien ein.

Und bevor sie jetzt schon nervös werden, meie Herrn. Man kann solche Quoten auch intelligent setzen.

Man kann zum Beispiel – wie die Filmwirtschaft auf Bundesebene es großartig gezeigt hat – Quoten als INCENTIVE setzen.

Wer die Quote erfüllt, bekommt mehr Fördergelder.

Ganz einfach – wer das richtige tut, wird belohnt.
Ein simples Instrument aus der Pädagogik, das funktioniert.
Es ist nicht einzusehen, warum die Wiener Kulturförderung nicht ein ähnliches Instrument für Frauen Quoten entwickeln kann.

Ich bin überzeugt, dass das funktioniert.
Ich freue mich auf ihre Zustimmung.

Vielen DANK

 

Post Scriptum:

Ein Frauenanteil von 15,6% unter den Musiker:innen der Philharmoniker ist im internationalen Umfeld nicht mehr konkurrenzfähig. In Deutschland beträgt, nach einer Studie des deutschen Musikinformationszentrum aus dem Jahr 2021, der Frauenanteil der 129 durch öffentliche Gelder geförderten Orchester gut 40%. Da hinkt das Wiener Orchester deutlich hinterher.  Sogar die Wiener Symphoniker schaffen 25% und das RSO sogar 34% und eine vorsitzende Dirigentin!

Die den Wiener Philharmonikern, die als privater Verein organisiert sind, finden sich zum Vergleich aktuell 19 Frauen, die eine der insgesamt 148 Positionen einnehmen. Darunter sind mit Albena Danailova eine Konzertmeisterin sowie zwei Soloharfenistinnen und eine Solofagottistin.

Die Wiener Symphoniker weisen aktuell einen Frauenanteil von 25 Prozent auf, von 122 Positionen werden 31 von Frauenbekleidet. Vier davon finden sich in höheren Positionen.

Beim ORF-Radiosymphonieorchesterliegt der Frauenanteil aktuell bei rund 34 Prozent (mit Orchesterakademie), es spielen 32 Frauen und 61 Männer. Weiters gibt es eine erste und zweite Konzertmeisterin und ebenso viele männliche Kollegen.

 

Beschluss-(Resolutions-)Antrag

der Gemeinderätinnen Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE) und Viktoria Spielmann, BA (GRÜNE) zu Post Nr. 51 der Tagesordnung für den Gemeinderat am
22.04.2024.

Verankerung einer Gender-Quote in den Förderrichtlinien

Auch 2024 fördert die Stadt Wien, wie schon in den letzten Jahren, das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker mit € 250.000. Grundsätzlich ist das Angebot, das berühmte Wiener Orchester einmal gratis live zu sehen, sehr zu begrüßen. Allerdings ist es vollkommen unverständlich, dass es seit Anbeginn dieses seit 2004 bestehenden Konzertangebotes bis heute nicht möglich war, eine weibliche Dirigentin zu engagieren. Ebenfalls scheint auch das Programm aus der Zeit gefallen zu sein: In den 20 Jahren bisher wurde nur ein Stück EINER EINZIGEN Komponistin durch die Philharmoniker aufgeführt. Wer so viel Fördergelder von der öffentlichen Hand erhält, sollte sich seiner Vorbildwirkung bewusst sein und in seinem Programm sowie in der Repräsentation die Realität abbilden. Es ist Zeit, dass auch im klassischen Kultursegment weibliche Exzellenz sicht- und hörbar wird. Es muss die Vielfalt der Gesellschaft abgebildet werden, um adäquat für sie und mit ihr arbeiten zu können. Die Gleichstellung sowie die Abbildung der diversen Realität in Organisationsstrukturen von Empfänger:innen von Fördergeldern sowie in den geförderten Programmen, die dem Publikum präsentiert werden, sind grundlegende Voraussetzungen für die Verwirklichung einer lebensnahen Demokratie. Dies zu verwirklichen bedeutet in vielerlei Hinsicht sowohl eine höhere Lebensqualität für alle als auch mehr Entscheidungsfreiheit und Spielraum für die eigene Lebensgestaltung. Diese ist als Ziel in der österreichischen Verfassung festgeschrieben. Die Gender-Quote in den Förderrichtlinien zu verankern ist eine notwendige kulturpolitische Intervention, um konkrete Gleichstellungsziele zu erreichen und kann somit als diskriminierungsabbauende Maßnahme betrachtet werden.

Die unterzeichnenden Gemeinderätinnen stellen daher gemäß § 27 Abs. 4 der

Geschäftsordnung für den Gemeinderat der Stadt Wien folgenden

BESCHLUSSANTRAG:

Der Gemeinderat der Stadt Wien ersucht die Frau amtsführende Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, Gender-Quoten betreffend Programm und Ausführende in den Förderrichtlinien einführen und verankern zu lassen.

In formeller Hinsicht beantragen wir die sofortige Abstimmung dieses Antrags.

Wien, am 22.4.2024


Der Antrag wurde im Gemeinderat am 22.4.24 mehrstimmig abgelehnt

(dh. nur die GRÜNEN haben zugestimmt)

 

LINK zum Nachsehen der Rede und der Debatte

Video: GRin Mag. Ursula Berner, MA – GRÜNE
Link: http://wien.kavedo.com/share.php?d=22_04_2024&r=gr&i=114

Man kann hier auch die Diskusison weiterverfolgen….

 

 

 

 

 

 

 

 

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