{"id":932,"date":"2020-01-20T12:45:27","date_gmt":"2020-01-20T11:45:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/?p=932"},"modified":"2020-01-21T09:03:46","modified_gmt":"2020-01-21T08:03:46","slug":"systemsprenger-die-diskussion-der-expertinnenrunde-zum-film-am-19-jaenner-2020-eine-zusammenfassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/systemsprenger-die-diskussion-der-expertinnenrunde-zum-film-am-19-jaenner-2020-eine-zusammenfassung\/","title":{"rendered":"Systemsprenger \u2013 Die Diskussion der Expertinnenrunde zum Film am 19. J\u00e4nner 2020 &#8211; eine Zusammenfassung"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer Pause, um sich emotional nach dem Film wieder zu sammeln, beginnt die Runde der Inputs der Expertinnen und Fragen aus dem Publikum. Unter der Moderation von Familien- und Sozialsprecherin der Gr\u00fcnen Wien, Gemeinder\u00e4tin Ursula Berner, sind Dr. Dina Nachbaur vom Wei\u00dfen Ring <a href=\"https:\/\/www.weisser-ring.at\/ueber-uns\/landesstelle-wien-bundesgeschaeftsstelle\/\">https:\/\/www.weisser-ring.at\/ueber-uns\/landesstelle-wien-bundesgeschaeftsstelle\/<\/a>, Dunja Gharwal von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien <a href=\"https:\/\/kja.at\/%20\">https:\/\/kja.at\/ <\/a>, Dr. med. Katharina Kruppa vom SMZ Ost, und growtogether <a href=\"https:\/\/www.growtogether.at\/\">https:\/\/www.growtogether.at\/<\/a> und DSA Helena Planicka von Eltern f\u00fcr Kinder \u00d6sterreich <a href=\"http:\/\/www.efk.at\/de\/\">http:\/\/www.efk.at\/de\/<\/a> am Podium.<\/p>\n<p>Das Interesse am Film war wirklich \u00fcberw\u00e4ltigend. Innerhalb von einer Woche war die Vorf\u00fchrung gleich zwei Mal ausverkauft. Das zeigt das gro\u00dfe gesellschaftliche Interesse daran, wie es Kindern und Jugendlichen geht, die nicht zu Hause aufwachsen k\u00f6nnen. In Wien werden pro Jahr rund 3.000 \u2013 4.000 Kinder fremd betreut. Darunter sind rund 140 Kinder mit sehr hohem Betreuungsbedarf und darunter rund 30, die es besonders schwierig haben \u2013 ganz \u00e4hnlich wie die Filmfigur der Benny.<\/p>\n<p>Eltern f\u00fcr Kinder \u00d6sterreich ist Dienstgeber f\u00fcr Pflegeeltern und Krisenpflegeeltern in Wien seit mehr als 20 Jahren, gleichzeitig tritt der Verein auch als Interessengemeinschaft und Lobby dieser Eltern auf. Grunds\u00e4tzlich ist es eine ehrenamtliche Aufgabe Kindern ein zu Hause auf Zeit bzw. auf Dauer zu geben. Zur Verf\u00fcgung gestellt wird eine Ausbildung und Auswahl durch das Jugendamt und dann erh\u00e4lt man Familienbeihilfe und eine Aufwandsentsch\u00e4digung, um die Dinge des t\u00e4glichen Bedarfs (Essen, Bekleidung etc.) zu decken. F\u00fcr den sozialp\u00e4dagogischen Mehrbedarf, den Pflegeeltern leisten, wie Amtstermine, Supervision und Fortbildung, etc., gibt es zus\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit sich anstellen zu lassen. Je nach Anstellungsmodell liegt der monatliche Bruttoverdienst zwischen knapp unter \u20ac500,- bis zu rund \u20ac1.400,- .<\/p>\n<p>Wir gehend davon aus , dass Kinder grunds\u00e4tzlich am besten in einer stabilen Familienform aufgehoben sind. Im Film, und in der Realit\u00e4t, ist nat\u00fcrlich die Frage, was ist mit dem Kind passiert bevor es abgenommen wurde? Welcher Ort, welche Betreuungsform kann daher danach f\u00fcr das Kind am besten passen? Welche ist die beste neue Bezugsperson f\u00fcr das Kind? Im Film sucht Benny vor allem eine stabile Beziehung und einen Ort, an dem sie l\u00e4ngerfristig sein kann, sich auf eine Beziehung einlassen kann. Pflegeelternschaft ist sicherlich das bevorzugte Betreuungs-Modell, zumindest vor der Pubert\u00e4t. Es braucht die richtigen Rahmenbedingungen f\u00fcr Pflegeeltern, damit es gelingen kann (finanzielle und juridische Absicherung, Unterst\u00fctzung der Eltern).<\/p>\n<p>Der Wei\u00dfe Ring ist als Organisation auf die Opferhilfe spezialisiert, besonders auf Proze\u00dfbegleitung von von Verbrechen Betroffenen. In den letzten Jahren kam eine gro\u00dfe Aufgabe mit der Aufarbeitung der schlimmen Geschehnisse in den gro\u00dfen Heimen der Wiener Jugendwohlfahrt hinzu. Hier hat sich die Stadt Wien sehr mutig und auch konsequent ab 2010 der Aufarbeitung der Vergangenheit gestellt. In den Jahren 1945 \u2013 1970 waren diese Heime richtiggehend geschlossene Institutionen. Damit war das Risiko institutionalisierter Gewalt und von Angriffen gegen die Schw\u00e4chsten besonders hoch. (Der Bericht)<a href=\"https:\/\/www.weisser-ring.at\/hilfe-fuer-opfer-von-gewalt-in-einrichtungen-der-wiener-jugendwohlfahrt\/\">https:\/\/www.weisser-ring.at\/hilfe-fuer-opfer-von-gewalt-in-einrichtungen-der-wiener-jugendwohlfahrt\/<\/a><br \/>\nDie Ergebnisse der Studie haben auch in die Reorganisation der Jugendwohlfahrt seit Ende der 90ern Einzug gefunden: Jetzt gibt es nur noch kleine Einheiten mit bis zu 8 Kindern oder Jugendlichen und mehr Pflegeeltern, besonders f\u00fcr Kinder bis 3 Jahre, und direkte Ansprechpersonen f\u00fcr Kinder und Jugendliche, die nicht zu Hause sein k\u00f6nnen. Besonders erschwerend war in der Vergangenheit, dass den Kindern aus den Heimunterbringungen schlicht und einfach nicht geglaubt wurde, wenn sie \u00fcber Missst\u00e4nde berichtet haben. Erst nach vielen, vielen Anl\u00e4ufen ist es erst gelungen sich diesem schwierigen Thema zu stellen.<br \/>\nEs gibt nicht nur Kinder wie Benny im Film, die um sich schlagen, manche werden regelrecht still und stiller. Im Zuge der Verbesserungen der Wiener Jugendwohlfahrt wurde eine spezifische Ombudsstelle, f\u00fcr Kinder in voller Erziehung eingerichtet: Kinder und Jugendliche genauso wie erziehende SozialarbeiterInnen k\u00f6nnen sich bei Schwierigkeiten an diese Ombudsstelle in der Kinder- und Jugendanwaltschaft wenden. <a href=\"https:\/\/kja.at\/site\/home\/ombudsstelle-fuer-kinder-und-jugendliche-in-betreuten-wohngemeinschaften\/\">https:\/\/kja.at\/site\/home\/ombudsstelle-fuer-kinder-und-jugendliche-in-betreuten-wohngemeinschaften\/<\/a><br \/>\nEin guter Lernprozess der Verantwortlichen der Stadt Wien.<br \/>\nF\u00fcr Erwachsene steht auch die Opferhilfe des Wei\u00dfen Ring offen <a href=\"https:\/\/www.weisser-ring.at\/opferhilfe\/\">https:\/\/www.weisser-ring.at\/opferhilfe\/<\/a>, hier gibt es eine Telefonnummer, die rund um die Uhr besetzt ist.<\/p>\n<p>Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien hat insgesamt drei Ombudsstellen, eine davon speziell f\u00fcr Kinder in Fremdbetreuung. Diese Stelle ist mit einem Mann und einer Frau besetzt. Sie gehen auch in die Einrichtungen gehen und stellen sich als \u00a0Ansprechpersonen vor, auch f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogInnen und die RegionalstellenleiterInnen der Jugendwohlfahrt. Gemeinsam wird in der Fachlichkeit beraten, welche Schritte sinnvoll sind.<br \/>\nEine aktuelle Studie des NPO-Instituts der WU Wien wurde eben zu den komplexen Herausforderungen f\u00fcr betreuende Personen in der Jugendwohlfahrt pr\u00e4sentiert. <a href=\"https:\/\/www.wu.ac.at\/npocompetence\/projekte\/aktuelle-projekte\/entwicklung-der-betreuungskomplexitaet-von-kindern-und-jugendlichen\">https:\/\/www.wu.ac.at\/npocompetence\/projekte\/aktuelle-projekte\/entwicklung-der-betreuungskomplexitaet-von-kindern-und-jugendlichen<\/a><br \/>\nAuftraggeber waren zahlreiche NGOs in diesem Bereich. Grunds\u00e4tzlich hat diese ergeben, dass nicht die Arbeit mit den Kindern an sich schwieriger geworden ist, es sind vielmehr die Arbeit mit dem komplexen Herkunftssystem, die zu st\u00e4rkeren Herausforderungen f\u00fchrt. Besonders mangelt es an gemeinsamer Sprache im Sinne der gegenseitigen Verst\u00e4ndigung zwischen dem professionellen System der Hilfe und den Familien. Besonders im emotionalen Bereich herrscht oft in den Familien Tabuiersierungen und Sprachlosigkeit. Ein guter Austausch \u00fcber konkrete Probleme ist aber essentiell f\u00fcr die Problembew\u00e4ltigung. \u00a0Da nur gemeinsam eine gute L\u00f6sung gefunden werden kann, wie die Reise weitergeht. Auch \u00fcberbordende Dokumentationspflichten kommen dazu.<\/p>\n<p>Vieles an dem Film Systemsprenger und der Protagonistin Benny bewegt sehr. Kinderschutz im Spital ist ein wesentlicher Bereich, in dem t\u00e4glich vergleichbare Situationen vorkommen k\u00f6nnen. Es gibt gute Ans\u00e4tze die Hoffnung machen.<br \/>\nBeispielsweise k\u00f6nnen Fr\u00fche Hilfe einen guten Beitrag leisten, um einen guten Start als Familie zu erm\u00f6glichen. Im Film sind immer werden nur immer Andeutungen gemacht, was in der Vergangenheit von Benny passiert ist, wie sie so traumatisiert werden konnte. Besonders sticht auch die Zwiesp\u00e4ltigkeit der Mutter ins Auge: sie ist hilflos und liebt ihr Kind, kann Hilfe annehmen. Aber scheitert immer wieder daran, die eigene Vorhaben in der Realit\u00e4t durchzusetzen. Ihre Hilflosigkeit im Umgang mitd er Emotionalit\u00e4t ihrer Tochter \u00a0als auch mit ihrer eigenen ist den ganzen Film hindurch greifbar.<br \/>\nIn der MAG11, der st\u00e4dtischen Kinder und Jugendhilfe\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/kontakte\/ma11\/\">https:\/\/www.wien.gv.at\/kontakte\/ma11\/<\/a> gibt es Modelle, wie mit beiden Seiten \u2013 Kinder und Eltern &#8211; sozialarbeiterisch gearbeitet werden kann. Gleichzeitig sind immer wieder die Ressourcen zu knapp.<\/p>\n<p>Mit den Fr\u00fchen Hilfen <a href=\"https:\/\/www.fruehehilfen.at\/\">https:\/\/www.fruehehilfen.at\/<\/a> wird in einigen Bezirken Wiens ein Angebot f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung von Familien von Anfang an gesetzt. Eine Ausweitung ist im neuen Regierungsprogramm vorgesehen. Dabei geht es um Familien mit einem mittleren Risiko.<\/p>\n<p>Die Hilflosigkeit des Systems der HelferInnen wird auch im Film \u201eSystemsprenger\u201c nachvollziehbar dargestellt. Professionelle Distanz zu den KlientInnen ist eine Basis in fast allen therapeutischen und sozialarbeiterischen Settings. Gleichzeitig sind gerade schwer traumatisierte Kinder auf der dringenden Suche nach einer stabilen Beziehung, nach k\u00f6rperlicher N\u00e4he (Kuscheln) und nach \u201eLiebe\u201c. Dieses Spannungsfeld individuell zu gestalten, ohne \u00dcbergriffe zuzulassen ist eine st\u00e4ndige Herausforderung f\u00fcr Betreuende. Gerade in diesem Bereich pl\u00e4diert Kinder\u00e4rztin und Psychotherapeutin Katharina Kruppa daf\u00fcr tiefere Beziehungen zuzulassen, um die Kinder langfristig emotional zu stabilisieren. Das bleibt eine gro\u00dfe Herausforderung und bedarf regelm\u00e4\u00dfiger Supervision der Betreuungspersonen und TherapeutInnen.<\/p>\n<p>Das Projekt \u201eGrowtogether\u201c <a href=\"https:\/\/www.growtogether.at\/familienbegleitung\/\">https:\/\/www.growtogether.at\/familienbegleitung\/<\/a> unterst\u00fctzt Familien und M\u00fctter im Hochrisikobereich ihre Beziehung mit dem Kind zu gestalten. Dieses spezielle Angebot in Kooperation mit der MAG11, wird sehr gut angenommen.<\/p>\n<p>Wenn sie sich als Eltern sehr gefordert f\u00fchlen, wenn sie Fragen haben oder Hilfe in der Erziehung brauchen, dann sind immer die Elternzentren der MAG11, die erste kostenlose Anlaufstellen. <a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/menschen\/kind-familie\/servicestellen\/familienzentren.html\">https:\/\/www.wien.gv.at\/menschen\/kind-familie\/servicestellen\/familienzentren.html<\/a>. Hier arbeiten speziell ausgebildete SozialarbeiterInnen mit viel Erfahrung, die helfen die passende Unterst\u00fctzung zu finden. Und nat\u00fcrlich braucht es einfach auch mehr Personal und Ressourcen in der Jugendwohlfahrt, damit diese wertvolle Arbeit geleistet werden kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr l\u00e4ngerfristige Leben au\u00dferhalb der Ursprungsfamilie sind sicherlich Pflegeeltern, ein ideales Angebot, weil sie mit den Kindern eine l\u00e4ngerfristige Beziehung aufbauen k\u00f6nnen. \u00a0In Akutsituationen sind es zun\u00e4chst Krisenpflegeeltern, die kleiner Kinder \u00fcbernehmen und betreuen bis eine langfristige L\u00f6sung gefunden wird, oder sie in die eigene Familie zur\u00fcckkommen k\u00f6nnen-<\/p>\n<p>Die Einbindung von Ehrenamtlichen, etwa bei der Betreuung von Jugendlichen, kann im Sinne der Beziehungsarbeit gut sein. Dennoch braucht es daf\u00fcr Ausbildung, Betreuung und Begleitung. Es folgt dem Begriff des \u201eSocial Parenting\u201c bei dem Kinder unser aller Aufgabe sind. Hochrisikofamilien brauchen aber tats\u00e4chlich professionelle Betreuung.<\/p>\n<p>F\u00fcr Alleinerziehende gibt es spezielle Angebote von der Stadt Wien. Die neu gegr\u00fcndeten Bildungsgr\u00e4tzl mit ihrem vielseitigen Angebot sollen gerade die Vernetzung st\u00e4rken, damit die Stadt f\u00fcr die Kinder da ist und nicht umgekehrt. Au\u00dferdem k\u00f6nnen sie sich nat\u00fcrlich immer an die Familienzentren der Stadt Wien wenden, wenn sie Schwierigkeiten haben oder einen Austausch zu Erziehungsfragen suchen. <a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/menschen\/kind-familie\/servicestellen\/familienzentren.html\">https:\/\/www.wien.gv.at\/menschen\/kind-familie\/servicestellen\/familienzentren.html<\/a><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist das Ziel der Jugendwohlfahrt, dass Grenz\u00fcberschreitungen der Eltern, wie sie im Film bei Benny zu sehen waren, rasch und klar gestoppt werden. \u00a0Kinder m\u00fcssen aus der traumatisierenden Situation befreit werden. Fortdauernde Gewalt, ob von der Mutter, dem Vater oder einem Partner der Mutter oder einem anderen nahen Verwandten, Mitbewohner oder Betreuungspersonen m\u00fcssen m\u00f6glichst sofort beendet werden.<br \/>\nZu einer Ver\u00e4nderung der schwierigen Situation kann eine Familienbegleitung auch zB f\u00fcr mehrere Stunden am Tag in Familien gehen und vor Ort helfen destruktive Abl\u00e4ufe zu durchbrechen. \u00a0Aber auch die begleitende Psychotherapie f\u00fcr Erwachsene ist wichtig sehr wichtig: Wer selbst nie positive, elterliche Zuwendung erlebt hat, wer nicht gelernt hat, die eigenen Emotionen zu erkennen und zu kanalisieren, hat oft keine M\u00f6glichkeit entwickelt, wie er\/sie Zuneigung weiter geben kann.<br \/>\nEine Familie in der Krise ist geschunden wie ein Opfer eines schweren Verkehrsunfalls: w\u00e4hrend bei \u00e4u\u00dferlich verletzen im heutigen System keine Frage ist, das er\/sie auf die Intensivstation muss, damit alles wieder heilen kann, sind wir in emotional zerst\u00f6rten Familien mit Gewaltausbr\u00fcchen noch oft nicht so weit, die Dringlichkeit der Situation anzuerkennen. Und wie bei einem Intensivpatienten braucht es gerade bei gewaltvollen Eskalationen im Familienumfeld eigentlich eine therapeutische und sozialarbeiterische Intensivbehandlung \u2013 f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit bevor alle wieder in den normalen Alltag zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen.<br \/>\nSo eine Intensivbetreuung kostet, ist aber immer noch wesentlich g\u00fcnstiger als langfristige Auswirkungen f\u00fcr Kindern und Jugendliche, die nicht mehr zur\u00fcck in die Normalit\u00e4t finden: schlechte Ausbildung, kein Job, Armut, evt. S\u00fcchte, psychische Probleme und im schlimmsten Fall Wiederholung des Erlebten in der selbstgegr\u00fcndeten neuen Familie. Diesen Kreislauf kann man nur durch intensivste Betreuung von Familien durchbrechen.<\/p>\n<p>Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe ist spezialisiert darauf, Kindern zu helfen, \u00a0wenn sie von ihrer Familie oder dem Hilfssystem allein gelassen werden. Es wird immer wieder und wieder nach einer passenden L\u00f6sung gesucht. Das ist die Aufgabe, auch f\u00fcr Kinder wie Benny gibt es immer wieder Angebote.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sollten Pflegeeltern besser bezahlt bzw abgesichert werden, im Regierungsprogramm ist das erfreulicherweise festgeschrieben. Dadurch k\u00f6nnte man das Potential ausweiten und auch f\u00fcr Kinder \u00fcber 3 Jahren Pl\u00e4tze in Pflegefamilien finden, die auf Dauer ein Aufwachsen in Geborgenheit erm\u00f6glichen. Besonders die Angst vor einer neuerlichen Trennung muss auf beiden Seiten genommen werden. Ziel ist es jede Form der Re-Traumatisierung zu vermeiden.<br \/>\nDa m\u00fcssen wir auch die Struktur in den Jugend-WGs ansehen. Momentan kommen auf ein\/e Sozialp\u00e4dagogIn rund acht Kinder in einer Wohngemeinschaft. Das reicht f\u00fcr die Basisversorgung aus. Es bleibt aber zu wenig Zeit um eine stabilie, langfristig heilende Beziehung aufbauen.<\/p>\n<p>Kinder haben ein Recht auf Liebe! Da waren sich alle Expertinnen am Podium einig.<\/p>\n<p>Das ist auch die zentrale Aussage des Films \u201eSystemsprenger\u201c:\u00a0 Benny sucht eine stabile Bezugsperson und auch positiven K\u00f6rperkontakt. Wenn Eltern nicht da sind, um diese Liebe zu geben, dann ist es eine Herausforderung f\u00fcr das Betreuungssystem und die Jugendwohlfahrt da einzuspringen. Wir haben noch keine endg\u00fcltige L\u00f6sung wie wir das \u201eLiebsdefizit\u201c der abgenommen Kinder und Jugendlichen nachhaltig erg\u00e4nzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit dieser Sehnsucht nach Beziehung endet die Debatte. Es wird eine Fortsetzung geben in einer Form.<\/p>\n<p>(die Zusammenfassung ist in Zusammenarbeit mit Cordula H\u00f6bart entstanden)<\/p>\n<p>Die Diskussion alles Ganzes zum Nachsehen\u00a0 finden sie hier.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Podiumsdiskussion: &quot;Systemsprenger&quot;-Herausforderungen in der Jugendwohlfahrt und wie wir sie l\u00f6sen.\" width=\"676\" height=\"380\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/iSk1yksQ5V8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer Pause, um sich emotional nach dem Film wieder zu sammeln, beginnt die Runde der Inputs der Expertinnen und Fragen aus dem Publikum. 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