{"id":607,"date":"2016-05-13T11:42:05","date_gmt":"2016-05-13T09:42:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/?p=607"},"modified":"2019-03-03T22:11:25","modified_gmt":"2019-03-03T21:11:25","slug":"antwort-auf-den-offenen-brief-der-fraueninitiative-vom-brunnenmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/antwort-auf-den-offenen-brief-der-fraueninitiative-vom-brunnenmarkt\/","title":{"rendered":"Antwort auf den offenen Brief der Fraueninitiative vom Brunnenmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe euren offenen Brief (siehe weiter unten) gelesen.<\/p>\n<p>Ich verstehe alle \u00c4ngste. Ich kann das Unsicherheitsgef\u00fchl, das sich gerade verbreitet wahrnehmen.<\/p>\n<p>Dennoch bin ich irritiert wie schnell wir alle einer medial verst\u00e4rkten Hetze aufsitzen. Es gilt gerade in diesen von euch beschriebenen F\u00e4llen das eine vom anderen zu trennen.<\/p>\n<p>Psychisch kranke Personen, die jahrelang im \u00f6ffentlichen Raum leben, ohne betreut zu werden, sind ein Skandal \u2013 da gebe ich euch recht. Ich w\u00fcnsch mir in einer Stadt zu leben, in der diese Menschen versorgt werden, dh konkret Ausbau der Streetwork und der psychosozialen Dienste, mehr betreute WGs, die auch denen offenstehen, die keine ausreichende Sozialversicherung haben, Suchtpr\u00e4vention etc.<\/p>\n<p>Das hat aber \u00fcberhaupt nichts mit der \u201eWILLKOMMENSKULTUR\u201c zu tun. Willkommenskultur verweist darauf prinzipiell Menschen offen entgegen zu treten, ihnen Grundversorgung anzubieten und sie m\u00f6glichst rasch zu integrieren, statt sie in irgendwelchen gro\u00dfen Lagern versauern zu lassen. Dh konkret: Kinder rasch in Schulen aufnehmen, und f\u00fcr Erwachsene gesetzliche Grundlagen f\u00fcr eine Selbstversorgung zu schaffen &#8211; zB \u00c4nderungen im Gewerberecht, fundierte Deutschkurse, Unterst\u00fctzung bei den \u00c4mtern, \u00a0Arbeitserlaubnis\u00a0etc.<\/p>\n<p>Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren massiv ge\u00e4ndert. Neoliberale Tendenzen, Stakeholder Value f\u00fchren dazu, dass immer mehr Menschen im Sinne der Wertsteigerung und Effizienz \u201eaussortiert\u201c werden, wenn sie nicht mehr die geforderte Leistung bringen. Und diese Leistung orientiert sich sehr oft an 25-j\u00e4hrigen jungen M\u00e4nnern, die bereit und k\u00f6rperlich in der Lage sind rund um die Uhr zu arbeiten, ohne R\u00fccksicht auf Verluste. Es wird zuk\u00fcnftig\u00a0 ca 30% der erwachsenen Bev\u00f6lkerung \u2013 MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen &#8211; geben, die nicht arbeiten k\u00f6nnen oder keine M\u00f6glichkeit dazu haben, dh wir brauchen ein Sozialsystem, das nicht auf Erwerbsarbeit fu\u00dft.<\/p>\n<p>Mit euren Brief verst\u00e4rkt ihr den Ausgrenzungsdiskurs. (\u201eMissbrauch des \u00f6ffentlichen Raums\u201c?) Die, die es nicht geschafft haben sollen gef\u00e4lligst verschwinden. Sie sind schon durch ihr Dasein gesetzeswidrig. Das wird so nicht gehen.<\/p>\n<p>Es braucht eine soziale Kontrolle von jeden von uns, es braucht \u201e\u00f6sterreichische\u201c M\u00e4nner, die auftreten und Klartext sprechen, wenn es zu \u00dcbergriffen kommt, es braucht Sozialarbeit vor Ort, und es braucht wohl couragiertes Einfordern von Einhalten von gemeinsamen Regeln im direkten Gespr\u00e4ch. Wahrscheinlich braucht es langfristig eine Legalisierung des Cannabishandels aber gleichzeitig auch Ideen, wo all die jungen M\u00e4nner, die derzeit dealen, sonst arbeiten, bzw Geldverdienen k\u00f6nnen. Niemand h\u00e4ngt gern perspektivenlos am Stra\u00dfenrand herum.<\/p>\n<p>In einer offenen, modernen Gesellschaft wird es immer notwendig sein erk\u00e4mpfte Rechte zu achten und zu verteidigen: das Recht auf Meinungsfreiheit, das Wahlrecht, die Menschenrechte. Wir d\u00fcrfen uns nicht in einer Richtung dr\u00e4ngen lassen, die es radikalen Kr\u00e4ften leicht macht, Einschr\u00e4nkungen dieser Rechte f\u00fcr alle einzufordern.<\/p>\n<p>Alle Erfahrungen mit Einschr\u00e4nkungen der pers\u00f6nlichen Rechte unter dem Vorwand der allgemeinen Sicherheit zeigen, dass wir damit langfristig nichts gewinnen. Nur wenn wir f\u00fcr einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung eine gute Grundversorgung \u2013 medizinisch und finanziell und sozial \u2013 sicherstellen k\u00f6nnen, werden wir langfristig in einer guten sicheren Stadt mit hoher Lebensqualit\u00e4t leben<\/p>\n<p>Im Yppenviertel hat sich die Fraueninitiative Brunnenmarkt formiert und diesen offenen Brief verfasst:<\/p>\n<p>&#8222;Offener Brief der Fraueninitiative Brunnenmarkt<\/p>\n<p>Wien geh\u00f6rt uns allen! Die Ermordung der 54j\u00e4hrigen Maria E. am Brunnenmarkt auf ihrem Arbeitsweg durch einen illegal in \u00d6sterreich lebenden, obdachlosen Kenianer hat uns aufger\u00fcttelt. Die Bel\u00e4stigungen von Frauen und Schulkindern zwischen Brunnenmarkt und Josefst\u00e4dterstra\u00dfe, aber auch entlang der U6 durch herumlungernde Dealer und ihre Kunden wollen wir nicht hinnehmen. Es emp\u00f6rt uns, dass der Spielplatz am Yppenplatz und der Platz vor dem Yppenheim zu Aufenthaltsorten f\u00fcr Corner Boys und Obdachlose verkommen, die diese teuer sanierten Pl\u00e4tze, die als Freir\u00e4ume f\u00fcr Familien und Kinder dienen sollen, zum\u00fcllen. Die Gehsteige am G\u00fcrtel, sowie zwischen G\u00fcrtel und Brunnenmarkt verkommen zu \u00f6ffentlichen Latrinen und werden unbegehbar. Auch wenn uns statistisch keine Bezirksauswertung von \u00dcbergriffen vorliegt, ist unser Lebensgef\u00fchl zunehmend beeintr\u00e4chtigt. Die Vergewaltigung einer jungen T\u00fcrkin durch junge Afghanen in einer Damentoilette am Praterstern zeigt uns, dass nicht nur unser Bezirk betroffen ist. Wir verwehren uns gegen diesen Missbrauch des \u00f6ffentlichen Raums. Wien gilt als eine Stadt mit hoher Lebensqualit\u00e4t. Teil dieser Qualit\u00e4t ist, dass Frauen, M\u00e4dchen, Kinder sich sicher f\u00fchlen k\u00f6nnen und ihre Bewegungsfreiheit nicht eingeschr\u00e4nkt wird. Wir fordern Beh\u00f6rden, Politik und soziale Einrichtungen zu einer besseren \u00fcbergreifenden Zusammenarbeit auf, damit sich Frauen und Kinder, Wienerinnen und Wiener, Besucher und Touristinnen auch weiterhin mit einem guten Gef\u00fchl, untertags, abends und auch in der Nacht frei in dieser Stadt bewegen k\u00f6nnen. Kreative L\u00f6sungen sind gefragt! Wir bekennen uns zum gedeihlichen Zusammenleben von Menschen verschiedenster Herkunft in unserem lebensfrohen Viertel, das als Erfolgsprojekt gilt in dieser Stadt. Doch zu Migration und Willkommenskultur geh\u00f6ren begleitende Ma\u00dfnahmen, besonders auch f\u00fcr jene, die die Regeln in unserer Gesellschaft weder verstehen noch respektieren wollen. Frauen mit Minirock, Frauen mit Kopftuch. Frauen dieser Stadt: Stehen wir zusammen. Treten wir auf gegen Vandalismus und Gewalt. Schauen wir genau hin und nicht weg. Sagen wir es laut, besonders jenen, die sich die Freir\u00e4ume unserer Stadt mit Ignoranz und Respektlosigkeit aneignen: Wien geh\u00f6rt uns allen!&#8220;<\/p>\n<p>Unterschiften Fraueninitiative Brunnenmarkt:<\/p>\n<p>Dr. Therese Backhausen Kunsthistorikerin, Nicole Albert-Wilding K\u00f6rpertherapeutin-Kinesiologin, Renate Gerlach Malerin, Monika Wageneder Revisorin, Hedwig Rotter Designerin, Martina Schmidt Programmleitung Deuticke Verlag, Sabina Schebrak Musikmanagerin, Katja Beran Journalistin- Werbetexterin-Psychotherapeutin i. A.u.S, Miki Ivancsics K\u00f6rpertherapeutin, Andrea Reindl M.A. Sachbearbeiterin- Generaldirektion Hauptverband d. \u00f6sterr. Sozialversicherungstr\u00e4ger, Dr. Ines Mitterer de Guitart Journalistin, DI Anette Stiegelmayer Rechtekl\u00e4rung Technisches Museum Wien, Angelika Krabacher acting International Director Region &amp;Director of Fund Development &amp; Communications-SOS Kinderdorf, Irene Strobl Gesch\u00e4ftsinhaberin La Salvia, Claudia Neuhauser ORF Journalistin-Weltjournal, Marietta Schwerdtner Gesch\u00e4ftsfrau, Heidi Gruber Ordinationsassistentin, Maria Zelger Pensionistin, Tina Nikiema-Spiegl Lektorin , Christine Vilanek Bankangestellte, Anne Macchietto della Rossa PR Beraterin, Corinne Walter Franz\u00f6sischlehrerin &amp; \u00dcbersetzerin, Andrea Kaiser Projektleiterin, Christine Pietsch Casinos Austria-Assistentin der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Sylvie Proidl bildende K\u00fcnstlerin, Brigitte Pichl, Petra Wagner Psychologin, Sabine Lackner Psychotherapeutin, Ingrid Lux Buchh\u00e4ndlerin, Gerda Seitz &#8211; und Helmuth Klicpera, DI Dr. Leo GRILL, Beamter in Pension Dr Franz Grill, Thomas Krampl, Stefan Ludwig, Regisseur, Claude Nikiema B\u00fchnentechniker, Liam Nikiema Sch\u00fcler, Peter Seitz, Walter Erdelitsch Journalist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe euren offenen Brief (siehe weiter unten) gelesen. 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