{"id":59,"date":"2014-10-11T16:20:29","date_gmt":"2014-10-11T14:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/?p=59"},"modified":"2019-06-26T20:22:58","modified_gmt":"2019-06-26T18:22:58","slug":"ich-nehme-die-provokation-an-lieber-herr-reichel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/ich-nehme-die-provokation-an-lieber-herr-reichel\/","title":{"rendered":"Ich nehme ihre Provokation an, Lieber Herr Reichel"},"content":{"rendered":"<p>und auch Ihre, Lieber Christian Ortner,der sie derartiges gerne in Facebook etc verbreiten.<br \/>\nbetrifft\u00a0\u00a0den Artikel <a href=\"http:\/\/www.ortneronline.at\/?p=31523\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Generation Bobo verr\u00e4t ihre eigenen Kinder<\/a> , vom 9.Oktober 2014<\/p>\n<p>ich verstehe wirklich, dass es im Moment schick ist, alle Entwicklungen als Grund f\u00fcr das Aufstreben des radikalen Islamismus zu interpretieren.<\/p>\n<p>Und in Ihrem Fall scheint es auch noch ein starkes Bed\u00fcrfnis zu geben endlich mit den \u201eBobos\u201c abzurechnen \u2013 nat\u00fcrlich polemisch und absichtsvoll provokant.<\/p>\n<p>Es ist einfach und Sie machen es sich ein wenig zu einfach, wenn Sie die Eltern von Kindern im Alternativkindergarten als naive \u201eGutmenschen\u201c darstellen \u2013 Wem wollen Sie da eigentlich in die H\u00e4nde spielen? Den Blauen?<\/p>\n<p>Fakt ist, dass zumindest in Wien Kindergartenpl\u00e4tze f\u00fcr nur 30% der potentiellen KindergartenbesucherInnen zur Verf\u00fcgung stehen \u2013 \u00fcbrigens inklusive der Privatkinderg\u00e4rten. Und mit 30% ist die \u201enotwendige Quote\u201c erf\u00fcllt. 350 st\u00e4dtische Einrichtungen stehen in Wien 1500 privatrechtlich organisierten gegen\u00fcber, die Chance f\u00fcr junge Eltern in einen der\u00a0letzteren zu landen ist also ungleich h\u00f6her als in einem st\u00e4dtischen Kindergarten Platz zu finden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus darf Bedarf angemeldet werden \u2013 erf\u00fcllt werden kann er wegen budget\u00e4rer Engp\u00e4sse eher nicht. Die Engp\u00e4sse stammen \u00fcbrigens weniger von den Bobos als von gewissen Gro\u00dfprojekten wie dem Skylink oder auf Bundesebene der Hypo-Alpe-Adria.<\/p>\n<p>Und nun zum Ideologischen: Wie schon die \u201e68er\u201c in den 70er Jahren versuchen heute \u2013 unter ge\u00e4nderten Vorzeichen \u2013 weiterhin Menschen in kleineren Strukturen eine Elementarp\u00e4dagogische Erziehung zu entwickeln und umzusetzen \u2013 ja, eine elementarp\u00e4dagogisch Erziehung -, die ein besseres R\u00fcstzeug f\u00fcr die Zukunft bringt. Viele Ideen, die in diesen Versuchen entstanden sind, sind heute zum Gl\u00fcck im \u00f6ffentlichen Kindergarten angekommen (Montessori, Wild). Manches kann \u2013 auf Grund von Ressourcenschw\u00e4che, sowohl im Bereich der Infrastruktur als auch vor allem im Bereich des Personals leider noch nicht umfassend umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Viele Kindergruppen-Eltern wollen dar\u00fcber hinaus auch den notwendigen Disziplinierungsma\u00dfnahmen gro\u00dfer komplizierter Organisationen entfliehen. Sie setzen auf Mitbestimmung statt Unterordnung, darauf Verantwortung f\u00fcr das was ist und sein soll zu \u00fcbernehmen, statt die Verantwortung an der Kindergartent\u00fcr abzugeben. Und sie ben\u00f6tigen nicht zuletzt h\u00e4ufig die flexibleren \u00d6ffnungszeiten mancher privaten AnbieterInnen.<\/p>\n<p>Dabei geht es nicht nur um Bioapferln, sondern und das vor allem auch um eine Basisbildung in demokratischen Umgangsformen: vom Morgenkreis, indem alle zu Wort kommen, \u00fcber gemeinsame Ausflugsplanung mit Abstimmung, zu Grenzen setzen (die eigenen und die von anderen erkennen) geht das Spektrum und ist damit l\u00e4ngst nicht abgedeckt. Es geht au\u00dferdem darum jedem Kind seine individuelle ben\u00f6tigt Zeit f\u00fcr spezifische Entwicklungsschritt zu geben und oder es gegebenenfalls zu f\u00f6rdern. Im Grunde passiert also hier das, was wir alle st\u00e4ndig f\u00fcr \u00f6ffentliche Schule fordern.<\/p>\n<p>Ich glaube ja nicht, dass Sie in den letzten Jahren je eine derartige Kindergruppe besucht haben, sonst w\u00fcssten Sie, dass das alte Argument der Segregation durch Geld l\u00e4ngst nicht mehr in dieser Form besteht: Nicht zuletzt durch die F\u00f6rderungen der Stadt Wien ist auch ein Platz in einem privaten Kindergarten oder einer Kindergruppe fast immer erschwinglich. Und auch notwendig, weil der Bedarf an Kinderbetreuung ohne PrivatanbieterInnen in Wien nicht gedeckt werden k\u00f6nnte (siehe oben). W\u00fcrden also alle sogenannten \u201eBobos\u201c ihre Kinder in \u00f6ffentliche Einrichtungen stecken, blieben keine Pl\u00e4tze mehr f\u00fcr die \u201ewirklich Bed\u00fcrftigen\u201c \u00fcber. \u2013 \u00dcbrigens: auch vor 10 Jahren schon haben einkommensschwache Familien einen solchen Platz in der \u201ealternativen Kindergruppe\u201c komplett gef\u00f6rdert bekommen. Nicht zuletzt deshalb finden hier sich Kinder von MigrantInnen genauso wie Kinder mit besonderen Bed\u00fcrfnissen.<\/p>\n<p>In ihrem Pamphlet mischen Sie dar\u00fcber hinaus auch noch private Kinderbetreuungseinrichtungen mit alternativen selbstverwalteten Kindergruppen. Zur Kl\u00e4rung: Private sind Kinderg\u00e4rten mit unterschiedlichsten Konzepten, aber im Grunde mit kommerziellem Interesse. Daher sto\u00dfen sie oft an \u00e4hnliche Grenzen wie die st\u00e4dtischen Kinderg\u00e4rten. Wenn nicht sogar in st\u00e4dtischen Einrichtungen wegen h\u00f6herer \u00f6ffentlicher F\u00f6rderungen auch eine bessere Ausstattung bzw. eine besseres Betreuungsverh\u00e4ltnis erreicht werden kann. Alternative (selbstverwaltete) Kindergruppen dagegen versuchen durch das eigene Handanlegen Kosten von B\u00fcrokratie und Infrastruktur zu reduzieren und investieren daf\u00fcr mehr in ein besseres Betreuungsverh\u00e4ltnis. Das kann man nun als Weicheiverhalten sehen, oder auch als bewusstes Setzen von Priorit\u00e4ten. In Bildern: mehr menschliche N\u00e4he statt sch\u00f6ner M\u00f6bel, zum Beispiel. Oder: mehr Ausfl\u00fcge ins Gr\u00fcne statt eines gro\u00dfen eignen Gartens\u2026 etc.<\/p>\n<p>Wie viele Kinder aus bildungsfernen Familien (\u00f6sterreichischen und nicht \u00f6sterreichischen) sich in einer \u00f6ffentlichen Kindergartengruppe finden, h\u00e4ngt vor allem davon ab, wo in Wien diese Gruppe situiert ist. Und bildungsfern hat hier nichts oder nur wenig mit dem tats\u00e4chlichen Familieneinkommen zu tun. In den meisten alternativen selbstverwalteten Kindergruppen gibt es eine gro\u00dfe Zahl von Kindern deren Eltern als freie Selbstst\u00e4ndige, als StudentInnen oder aus anderen Gr\u00fcnden \u00fcber ein sehr \u00fcbersichtliches Einkommen verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Insgesamt komme ich nun zu ihrem CO2 Argument \u2013 was genau das mit elternverwalteten selbstausbeuterischen Kindergruppen zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. H\u00f6chstens wohl, dass Menschen, die sich \u00fcberlegen, wer auf ihre Kinder aufpasst, auch dar\u00fcber nachdenken, in welcher Welt sie in Zukunft leben wollen. In einer, wo es noch Tiere au\u00dferhalb von Zoos gibt zum Beispiel, oder einer, wo der Aufenthalt in der Sonne nicht lebensgef\u00e4hrlich ist, oder auch in einer, in der soziale Unterschiede diskutiert werden, statt dass Autos brennen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass mit so einem Ansatz alle Menschen vor Radikalisierung gesch\u00fctzt sind \u2013 es hei\u00dft aber, dass mit besserer Dotierung der \u00f6ffentlichen Kleinkinderbetreuung, auch dort ein Betreuungssch\u00fcssel erreicht werden kann, der individuelle Auseinandersetzung mit dem einzelnen und seinen\/ihren Bed\u00fcrfnissen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Gute Beziehungen n\u00e4mlich sind es, die nachhaltig Radikalisierung vermeiden. Und die finden manche gl\u00fcckliche in der eigenen Familie, andere, die es auch gut getroffen haben, zumindest bei ihrer Elementarp\u00e4dagogIn und andere haben das Pech weder das eine noch das anderer kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Hier gilt es rechtzeitig \u00f6ffentliche Angebote zu machen \u2013 in Wien geschieht das an vielen Stellen mit zum Beispiel au\u00dferschulischer Kinder- und Jugendbetreuung. Aber auch hier bleibt noch einiges zu tun.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Pipi-graffiti.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-64\" src=\"https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Pipi-graffiti-300x225.jpg\" alt=\"Pipi graffiti\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Pipi-graffiti-300x225.jpg 300w, https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Pipi-graffiti-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Pipi-graffiti-624x468.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>PS: Wer genau ihre \u201eBobos\u201c sein sollen w\u00e4re es weiter interessant zu diskutieren. Muss aber f\u00fcrs n\u00e4chste Mal aufgehoben werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und auch Ihre, Lieber Christian Ortner,der sie derartiges gerne in Facebook etc verbreiten. betrifft\u00a0\u00a0den Artikel Die Generation Bobo verr\u00e4t ihre eigenen Kinder , vom 9.Oktober 2014 ich verstehe wirklich, dass es im Moment schick ist, alle Entwicklungen als Grund f\u00fcr das Aufstreben des radikalen Islamismus zu interpretieren. 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