{"id":2440,"date":"2026-07-08T18:44:47","date_gmt":"2026-07-08T16:44:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/?p=2440"},"modified":"2026-07-08T18:49:08","modified_gmt":"2026-07-08T16:49:08","slug":"rechnungsabschluss-2025-kinder-und-jugendhilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/rechnungsabschluss-2025-kinder-und-jugendhilfe\/","title":{"rendered":"Rechnungsabschluss 2025 &#8211; Kinder- und Jugendhilfe"},"content":{"rendered":"<p>Lieber Vorsitzender,<br \/>\nSehr geehrte Damen und Herren,<br \/>\nLiebe G\u00e4ste hier und im Live stream<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist schon bezeichnend die MA11 hat in der Debatte heute fast keinen Raum bekommen &#8211;<\/p>\n<p>die Lage in der Wiener Kinder- und Jugendhilfe ist seit Jahren angespannt \u2013 und auch 2025 hat sich daran nichts verbessert. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Die Zahlen sind eindeutig: Die Gef\u00e4hrdungsabkl\u00e4rungen steigen, gleichzeitig sinkt der Personalstand. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Vers\u00e4umnisse.<\/p>\n<p>In den Einrichtungen arbeiten Mitarbeiter:innen am Limit, Ruhezeiten werden nicht eingehalten, der Stadtrechnungshof warnt wiederholt. In den Krisenzentren zeigt sich das Systemversagen besonders deutlich: Statt acht Kinder werden bis zu 13 betreut. Kinder in akuten Krisen bekommen so nicht den Schutz, den sie brauchen. Und Fachkr\u00e4fte k\u00f6nnen nicht die Qualit\u00e4t leisten, f\u00fcr die sie ausgebildet sind.<\/p>\n<p>Ein besonders drastisches Beispiel: S\u00e4uglinge mussten im Herbst bei Mitarbeiter:innen untergebracht werden, weil geeignete Pl\u00e4tze fehlten. Das als \u201eZusammenhalt\u201c zu verkl\u00e4ren, verkennt die Realit\u00e4t. Das ist ein Notbetrieb \u2013 auf Kosten von Kindern und Personal.<\/p>\n<p>Was es jetzt braucht, ist keine Beschwichtigung, sondern eine echte Qualit\u00e4tsoffensive in der Kinder- und Jugendhilfe:<\/p>\n<ul>\n<li>35\u2011Stunden\u2011Woche bei vollem Lohnausgleich, damit der Beruf \u00fcberhaupt haltbar ist<\/li>\n<li>Faire Bezahlung und konsequente Einhaltung der Ruhezeiten<\/li>\n<li>Verbindliche Einzelsupervision f\u00fcr alle Teams in Krisenzentren und WGs<\/li>\n<li>Vorrang f\u00fcr kleine, stabile Betreuungssettings statt \u00fcbergro\u00dfer Wohngruppen<\/li>\n<li>Klare Einhaltung der Maximalbelegung in Krisenzentren und ein ad\u00e4quater Betreuungsschl\u00fcssel<\/li>\n<li>Verl\u00e4ssliche Personalgewinnung durch konsequente Safe\u2011Recruitment\u2011Standards<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber wir m\u00fcssen auch \u00fcber ein strukturelles Unrecht sprechen, das in Wien Realit\u00e4t ist:<br \/>\n<strong><em>Die Kinder- und Jugendhilfe arbeitet mit einem Zwei-Klassen-System.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Unbegleitete minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge werden systematisch schlechter gestellt. Sie erhalten geringere Tags\u00e4tze, leben in gr\u00f6\u00dferen Gruppen und haben schlechteren Zugang zu Bildung und Therapie. <strong><em>Das ist sachlich nicht begr\u00fcndbar \u2013 und politisch nicht akzeptabel.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Diese Jugendlichen haben keine Eltern, keine famili\u00e4ren Netzwerke. Sie sind vollst\u00e4ndig auf den Schutz der Stadt angewiesen. <strong><em>Gerade sie brauchen stabile Rahmenbedingungen, individuelle Betreuung und echte Zukunftsperspektiven<\/em><\/strong>. Stattdessen werden sie in \u00fcberf\u00fcllten Einrichtungen mit oft mehr als 15 Jugendlichen untergebracht. Individualisierte Betreuung ist dort kaum m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Auch die Volksanwaltschaft best\u00e4tigt: Die Standards f\u00fcr unbegleitete minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge liegen deutlich unter jenen der regul\u00e4ren Kinder- und Jugendhilfe. Das widerspricht jedem Gleichbehandlungsgrundsatz \u2013 und es <strong><em>widerspricht Ihrem eigenen Anspruch, dass jedes Kind in Wien die gleichen Chancen haben soll.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Deshalb ist klar: <strong><em>Tags\u00e4tze d\u00fcrfen sich nicht nach Herkunft richten<\/em><\/strong>, sondern nach dem Bedarf.<br \/>\nMit unserem Antrag fordern wir, dass alle Kinder und Jugendlichen in Wien \u2013 vom ersten Tag an \u2013 Zugang zu den gleichen Standards der Kinder- und Jugendhilfe erhalten.<\/p>\n<p>Wien hat sich zur Europ\u00e4ischen Kinderrechtsgarantie verpflichtet. <strong><em>Diese verpflichtet uns, allen Kindern bestm\u00f6gliche Bedingungen f\u00fcr Schutz, Gesundheit und Bildung zu bieten<\/em><\/strong>.<br \/>\nNehmen Sie diese Verpflichtung ernst. Beenden Sie die Zwei\u2011Klassen\u2011Kinder- und Jugendhilfe. Und sorgen Sie endlich daf\u00fcr, dass jedes Kind in Wien tats\u00e4chlich die gleichen Chancen hat.<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Vorsitzender, Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe G\u00e4ste hier und im Live stream &nbsp; Es ist schon bezeichnend die MA11 hat in der Debatte heute fast keinen Raum bekommen &#8211; die Lage in der Wiener Kinder- und Jugendhilfe ist seit Jahren angespannt \u2013 und auch 2025 hat sich daran nichts verbessert. Im Gegenteil. 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