{"id":2131,"date":"2025-06-24T20:24:19","date_gmt":"2025-06-24T18:24:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/?p=2131"},"modified":"2025-06-24T20:24:19","modified_gmt":"2025-06-24T18:24:19","slug":"es-braucht-endlich-mut-fuer-echte-reformen-in-der-kinder-und-jugendhilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/es-braucht-endlich-mut-fuer-echte-reformen-in-der-kinder-und-jugendhilfe\/","title":{"rendered":"Es braucht endlich Mut f\u00fcr echte Reformen in der Kinder- und Jugendhilfe!"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Rede im Wiener Gemeinderat zum Rechnungsabschluss 2024 zur MA11<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadtr\u00e4tin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Schlagzeilen lassen keinen Zweifel: Die Kinder- und Jugendhilfe in Wien ist in der Krise!<\/p>\n<p>Minderj\u00e4hrigen als T\u00e4ter:innen von Gewaltverbrechen in den Medien, der erschreckende Vorschlag der NEOS zur \u201eZwangsunterbringung\u201c in Wohngemeinschaften und die Verankerung dieser Idee im Regierungsprogramm f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre und die Hilflosigkeit der Stadtregierung zeigen eines deutlich:<\/p>\n<p><strong>Die bestehenden Strukturen versagen \u2013 und das auf ganzer Linie.<\/strong>\u00a0Die rot-pinke Stadtregierung l\u00e4sst die Schw\u00e4chsten unserer Gesellschaft im Stich. Seit Jahren gibt es Berichte, Studien und Forderungen zur dramatischen Situation \u00a0\u2013 passiert ist so gut wie nichts. Das ist ein politisches Totalversagen mit Ansage.<\/p>\n<p><strong>Und dabei m\u00f6chte ich klar herausstellen: es liegt nicht an den SozialarbeiterInnen<\/strong>, die in der MA11 und den WGs besch\u00e4ftigt sind \u2013 diesen engagierten MitarbeiterInnen m\u00f6chte ich an dieser Stelle <strong>danken f\u00fcr ihre Durchhalteverm\u00f6gen und ihre Bereitschaft trotz der schwierigen Rahmenbedingung.<\/strong><\/p>\n<p>Danke f\u00fcr ihr Engagement, selbst wenn sie allein 50\u00a0 Familien betreuen m\u00fcssen, oder nach einem Nachdienst weiter dableiben \u2013 weil ein Kollege krank geworden ist.<br \/>\nDANKE f\u00fcr ihr Engagement f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen in dieser Stadt.<\/p>\n<p>DANKE auch an die vielen Krisenpflegeeltern, die mitten in der Nacht Kinder \u00fcbernehmen \u2013 auch mehr als geplant und dank an die Pflegefamilien, die Kinder in Not in ihre Familie aufnehmen.<\/p>\n<p><strong>\u201eKein Kind ist verloren, solange es jemanden gibt, der an es glaubt.\u201c \u2013 August Aichhorn<\/strong><br \/>\n<em>(Quelle: Anna Freud \u00fcber Aichhorns p\u00e4dagogische Haltung, 1960er)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-2135\" src=\"https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"676\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse-300x169.jpg 300w, https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse-768x432.jpg 768w, https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse-676x380.jpg 676w, https:\/\/ursulaberner.at\/webauftritt\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Maedchen-auf-der-strasse.jpg 1643w\" sizes=\"auto, (max-width: 676px) 100vw, 676px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Im Jahr 2024 wurden in Wien 13.181 Gef\u00e4hrdungsabkl\u00e4rungen durchgef\u00fchrt \u2013 ein neuer H\u00f6chststand. In 1.056 F\u00e4llen mussten Kinder und Jugendliche in Krisenzentren oder Krisenpflege untergebracht werden.<\/strong> Die Zahl der Neuaufnahmen in \u201eVolle Erziehung\u201c \u2013 also die dauerhafte Herausnahme von Kindern aus ihren Familien \u2013 liegt bei derzeit bei 615 Kindern und Jugendlichen pro Jahr.<br \/>\nABER: es geht aus dem Bericht nicht hervor, wo die zus\u00e4tzlichen Kinder untergebracht wurden. Die eh schon \u00fcberf\u00fcllten Wiener Krisenzentren wurden offensichtlich noch ein bissl mehr zugestopft.<\/p>\n<p><strong>Krisenzentren \u00a0waren schon davor am Limit<\/strong><\/p>\n<p>Die Wiener Krisenzentren sind chronisch \u00fcberlastet. <strong>Statt einem sicheren Hafen finden Kinder dort \u00fcberf\u00fcllte Gruppen, ersch\u00f6pfte Betreuerinnen und Betreuer und viel zu wenig Zeit f\u00fcr individuelle Betreuung.<\/strong> Das ist keine neue Erkenntnis: Der Stadtrechnungshof, die Kinder und Jugendanwaltschaft und auch die Volksanwaltschaft kritisieren regelm\u00e4\u00dfig, dass es zu wenig Personal, zu wenig Supervision und zu wenig Pl\u00e4tze gibt \u2013 Sie wissen: 10- 12 Kinder statt den zugelassen 8 Kinder (!), die schlafen zum Teil auf Matratzen am Boden, weil die Zimmer voll sind!<br \/>\nUnd diese Probleme bestehen bis heute fort und wurde 2024 offenbar noch schlimmer.<\/p>\n<p>Die MA 11, die f\u00fcr den Schutz von Kindern und Jugendlichen zust\u00e4ndig sein sollte, wirkt in ihrer aktuellen Form wie ein Relikt vergangener Zeiten: b\u00fcrokratisch, defensiv, wenig lernbereit. Nicht erst seit der Reportage\u00a0<em>\u201cDie Kinder aus Hernals\u201d<\/em>\u00a0ist klar: Diese Abteilung braucht keine kosmetische Reform \u2013\u00a0<strong>sie braucht einen Neustart.<\/strong><\/p>\n<p>Wir Gr\u00fcne Wien sagen: <strong>Es ist m\u00f6glich, auch hochproblematische Jugendliche zu erreichen \u2013\u00a0aber nicht mit Wegsperren, Straflogik und Verachtung.<\/strong>\u00a0Sondern mit Geduld, Fachlichkeit und einem grundlegend neuen Denken in der Kinder- und Jugendhilfe.<\/p>\n<p><strong>\u201eEs geht darum, junge Menschen aus dem Sumpf zu heben \u2013 nicht sie darin zu vergraben.\u201c \u2013 <\/strong>sagt der \u00f6sterreichische P\u00e4dagoge und Psychoanalytiker August Aichhorn<\/p>\n<p><strong>Wir Gr\u00fcne fordern daher zu handeln: <\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong> Schlie\u00dfung \u00fcberforderter Gro\u00df-Wohngemeinschaften<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Gro\u00df-WGs mit acht und manchmal mehr Jugendlichen sind aus der Zeit gefallen. F\u00fcr besonders gef\u00e4hrdete Jugendliche braucht es\u00a0<strong>Einzelbetreuung, Auslandsprojekte und individuell zugeschnittene Wohnformen.<\/strong><br \/>\n<strong>Raus aus dem Milieu \u2013 rein in die engmaschige sozialp\u00e4dagogische Begleitung.<\/strong><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Ausbau p\u00e4dagogischer Angebote &amp; faire Bezahlung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Streetwork, mobile Jugendbetreuung und niederschwellige, mehrsprachige Angebote m\u00fcssen massiv gest\u00e4rkt werden. Die P\u00e4dagog:innen brauchen endlich\u00a0<strong>eine Bezahlung, die ihrer Verantwortung gerecht wird.<\/strong><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Entb\u00fcrokratisierung &amp; Handlungsspielr\u00e4ume<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Professionelle Arbeit mit hochbelasteten Jugendlichen funktioniert nicht mit Aktenschr\u00e4nken, sondern mit Vertrauen, Zeit und guter Supervision.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Neuaufbau einer transparenten und lernf\u00e4higen Jugendhilfe<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Eine neue MA 11 muss fachlich begleitet, evaluiert und mit ausreichend Ressourcen ausgestattet sein. Ein System, das Verantwortung \u00fcbernimmt \u2013\u00a0<strong>statt sie abzuschieben.<\/strong><\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Schwerpunkt Pr\u00e4vention\u00a0<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wien braucht mehr spezialisierte Einrichtungen, Schutzkonzepte und Bildungsangebote zur Pr\u00e4vention. Besonders wichtig ist hier die Pr\u00e4vention von sexualisierter Gewalt \u2013 in Schulen, Heimen und Sportvereinen.\u00a0<strong>Pr\u00e4vention ist Schutz.\u00a0<\/strong>Aber auch der Ausbau der Fr\u00fchen Hilfen ist f\u00fcr mehr Pr\u00e4vention notwendig.<\/p>\n<p><strong>Unser Appell:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es reicht nicht mehr, auf neue Skandale nur mit Betroffenheit zu reagieren.<\/strong><br \/>\nDie Stadtregierung muss endlich handeln \u2013 aus Verantwortung, nicht aus parteipolitischem Kalk\u00fcl.<br \/>\n<strong>Wien braucht eine Kinder- und Jugendhilfe, die gerecht, inklusiv und wirksam ist.<\/strong><br \/>\nUnd sie braucht den Mut, endlich echte Reformen umzusetzen.<\/p>\n<p>Es ist Zeit f\u00fcr einen Kurswechsel \u2013 f\u00fcr mehr Pr\u00e4vention, mehr Personal und mehr Qualit\u00e4t im Kinderschutz. Denn jedes Kind in Wien hat ein Recht auf Schutz, Geborgenheit und eine echte Zukunftsperspektive!<\/p>\n<p><strong>\u201eWer junge Menschen aufgibt, verr\u00e4t die Gesellschaft, in der er leben will.\u201c \u2013 August Aichhorn<\/strong><\/p>\n<p>Danke f\u00fcr die Aufmerksamkeit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede im Wiener Gemeinderat zum Rechnungsabschluss 2024 zur MA11 Sehr geehrte Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadtr\u00e4tin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Die j\u00fcngsten Schlagzeilen lassen keinen Zweifel: Die Kinder- und Jugendhilfe in Wien ist in der Krise! 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