{"id":1033,"date":"2020-12-11T12:03:18","date_gmt":"2020-12-11T11:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/?p=1033"},"modified":"2020-12-15T17:45:56","modified_gmt":"2020-12-15T16:45:56","slug":"anmerkungen-zum-wiener-kulturbudget-kritik-und-ausblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ursulaberner.at\/webauftritt\/anmerkungen-zum-wiener-kulturbudget-kritik-und-ausblick\/","title":{"rendered":"Anmerkungen zum Wiener Kulturbudget f\u00fcr 2021 &#8230;. Kritik und Ausblick"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Kunst ist sch\u00f6n \u2013 aber macht viel Arbeit <\/em><\/strong>\u2013<br \/>\nsoll Karl Valentin gesagt haben, und damit auf die stetige Unterfinanzierung seines Metiers und im Besonderen auf die Situation von frei Schaffenden Selbstst\u00e4ndigen wie ihm hingewiesen haben.<\/p>\n<p>In Wien nehmen wir Kultur traditionsgem\u00e4\u00df ernst.<br \/>\nDas hei\u00dft wir verstehen uns als Kulturmetropole.<br \/>\nWien galt trotz stagnierender Kulturbudgets in den letzten 10 Jahren als \u00e4u\u00dferst attraktiv f\u00fcr Kulturarbeiter*innen und Kreative. Nicht zuletzt weil hier die Kulturpolitiker*innen gute Arbeit geleistet haben. Trotz aller Schw\u00e4chen gelang es immer wieder und besonders in der Zusammenarbeit mit ROTGR\u00dcN spannendende Projekte umzusetzen \u2013 die Brunnenpassage zum Beispiel, SHIFT als Neue F\u00f6rderschiene f\u00fcr Freie, niederschwellige Festivals im \u00f6ffentlichen Raum und dezentrale Kulturf\u00f6rderungen lie\u00dfen gr\u00f6\u00dfere und kleiner Kulturinitiativen entstehen. Manches von dem finde ich im Regierungsprogramm wieder \u2013 ich freue mich, wenn es weiterhin bestehen wird.<\/p>\n<p>Und dann kam Corona. Vor dem Sommer war noch nicht absehbar wie lang diese Krise dauern wird, und dennoch konnten wir uns darauf einigen ad hoc Hilfe zu leisten \u2013 mit Stipendien, die unb\u00fcrokratisch und schnell vergeben werden konnten.<br \/>\nDa ist uns was, gelungen finden ich .<\/p>\n<p><strong>Aber leider, die Durststrecke f\u00fcr Kunst und Kultur h\u00e4lt an\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn die Fixkosten gleich bleiben \u2013 die Einnahmen bleiben bei den meisten aus. Oder geraten \u00e4u\u00dferst sp\u00e4rlich.<\/p>\n<p><strong>Corona trifft Kunst- und Kulturarbeitende besonders hart.<\/strong><\/p>\n<p>Beim Lesen des aktuellen Regierungsprogramms f\u00fcr Wien und selbst nach Analysieren des Budgetentwurfs zu Kultur und Wissenschaft in Wien &#8211; soweit das derzeit aus dem Voranschlag m\u00f6glich ist \u2013 kann ich wenig spezifische Ma\u00dfnahmen gegen die durch Corona ausgel\u00f6ste Wirtschaft-Krise erkennen.<\/p>\n<p>Zuerst aber das Positive:<br \/>\nErfolgreiche Projekte aus der Vergangenheit scheinen weiter betrieben zu werden. Das ist gut so.<\/p>\n<p>Ausbau von Ankerzentren in den Au\u00dfenbezirken, Reform der Gro\u00dfb\u00fchnen und einen Infrastrukturtopf wollen wir l\u00e4ngst vorantreiben, ebenso wie Fair pay in allen Budgets verankern. Sch\u00f6n, dass sie das im neuen Regierungsprogramm festschreiben.<\/p>\n<p>Allerdings bleib ich beim Nachrechnen der Ma\u00dfnahmen ein wenig ratlos zur\u00fcck. Allein, wenn man Fair pay entlang der Vorschl\u00e4ge der IGs umsetzen und bei den F\u00f6rderungen ber\u00fccksichtigen w\u00fcrde, m\u00fcsste man mindestens 20 Millionen, etwas breiter gerechnet 30 Million Euro mehr ins Kulturbudget stecken. Da ist eine Inflationsabgeltung noch nicht eingerechnet.<\/p>\n<p>Diese 20 \u2013 30 Millionen Euro sehe ich leider in diesem Budget-Voranschlag noch nicht abgebildet.<\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil. Das &#8222;gr\u00f6\u00dfte Kulturbudget aller Zeiten&#8220;, wie es Stadtrat Hanke nannte, (in Wien m\u00fcsste man dazusagen) wurde nur um schlanke 3 Millionen Euro angehoben. Nat\u00fcrlich es ist ein Mehr \u2013 das ist sch\u00f6n &#8211; aber alleine die \u00f6ffentlich angek\u00fcndigten Verbesserungen f\u00fcr das kommende Jahr sind grob gerechnet mit 7 Millionen Euro beziffert. Eine Inflationsabgeltung f\u00fcr Gro\u00dfb\u00fchnen oder eine sp\u00fcrbare Aufstockung f\u00fcr den Bereich der freien Szene kann man aus dem Budgetvoranschlag noch nicht ablesen. Geld f\u00fcr langfristige Strukturver\u00e4nderungen, gar partizipativ geplant findet sich auch nicht.<\/p>\n<p>Die mittelfristige Budgetplanung f\u00fcr die n\u00e4chsten 5 Jahre zeigt ganz das Gegenteil:<\/p>\n<p>schon f\u00fcr 2022 geht das Budget laut Plan um fast 5 Million Euro zur\u00fcck, 2023 sind um 23 Millionen weniger als heuer veranschlagt:<\/p>\n<p>Trotz Coronakrise, deren Nachwirkungen auch 2023 noch nicht \u00fcberwunden sein werden.<\/p>\n<p><strong>Dabei hat gerade die Coronakrise \u2013 mit dem Brennglas &#8211; die strukturellen Schw\u00e4chen wie auch die finanziell zu engen Rahmen deutlich sichtbar gemacht.<\/strong><\/p>\n<p>Die Krise in den Kulturbetrieben und unter den Kulturarbeiter*innen aber war schon vorher da.<\/p>\n<p><strong>Die strukturellen Schw\u00e4chen sind schon seit Jahren sichtbar, sp\u00fcrbar und bekannt.<\/strong><\/p>\n<p>Die \u201eStudie zur Sozialen Lage von K\u00fcnstlerInnen in \u00d6sterreich\u201c weist schon 2018 \u2013 also deutlich vor der Corona Krise &#8211; aus, dass rund 37\u00a0% der Kunstschaffenden von einem Gesamteinkommen unter der Armutsgef\u00e4hrdungsschwelle leben.<br \/>\nF\u00fcr rund 50 % liegt das j\u00e4hrliche Nettoeinkommen aus k\u00fcnstlerischer T\u00e4tigkeit unver\u00e4ndert unter 5.000,- Euro. Und die L\u00fccken in der sozialen Absicherung sind nach wie vor besorgniserregend weit verbreitet: 42% der befragten darstellenden K\u00fcnstler*innen haben keine durchgehende Pensionsversicherung. Auch in der Krankenversicherung fehlt je nach Kunstsparte 5% bis 17% der K\u00fcnstler*innen ein durchgehender Versicherungsschutz.<br \/>\nBis auf ein paar Gl\u00fcckliche nimmt die \u00fcberwiegende Zahl der K\u00fcnstler*innen seit den 1990er Jahren an einem gigantischen Feldversuch \u00fcber die Zukunft der Arbeit teil. Das Experiment mit flexibleren Formen des Wirtschaftens k\u00f6nnte inte\u00adres\u00adsant sein, w\u00e4re es nicht \u00fcber weite Strecken mit den Zumutungen des Prekariats verbunden. Die Altersarmut ist programmiert.<\/p>\n<p>Durch die mitunter komplexen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse in unterschiedlichen T\u00e4tigkeitsfeldern (k\u00fcnstlerisch, kunstnahe, kunstferne) k\u00f6nnen verschiedenste Modelle verpflichtender oder optionaler Versicherungen zum Tragen kommen.<\/p>\n<p>Gemeinsam ist ihnen das Prekariat, das Jonglieren mit verschiedenen Einkommen und nur teilweise planbaren Arbeitszeiten. Das ist f\u00fcr die meisten Alltag.<br \/>\nDie neu dazu gekommene Herausforderung durch Corona ist, dass den Betroffenen neben dem Einkommen aus der k\u00fcnstlerischen oder kunstnahen Arbeit jetzt auch die sogenannten Nebent\u00e4tigen \u2013 zB. in der Gastronomie, im Ticketing oder im Handel wegbrechen. \u00dcbrig bleibt die Sorge, wie man die n\u00e4chste Miete zahlen soll.<\/p>\n<p>Was Corona im Detail f\u00fcr im Kultur-Betrieb Besch\u00e4ftigte bedeutet f\u00fchrt die im Juni 2020 ver\u00f6ffentlichte WIFO STUDIE \u201e\u00d6konomische Bedeutung der Kulturwirtschaft und ihre Betroffenheit in der COVID-19-Krise\u201c von Hans Pitlik, Oliver Fritz, Gerhard Streicher aus.<\/p>\n<p>Die Autor*innen halten fest:<br \/>\n\u201emehr als ein Viertel der Erwerbst\u00e4tigen des Kulturbereichs ist selbst\u00e4ndig. Das sind rund 27%, im Bereich der Bildenden K\u00fcnste sogar bei rund 75%. (Vergleichswert in der Gesamtwirtschaft nur etwa 9,4%)<br \/>\nEs ist also zu bef\u00fcrchten, dass der gesamte Kunst- und Kulturbereich rund ein Viertel seiner in den letzten Jahren erbrachten Wertsch\u00f6pfung durch die pandemiebedingte Krise einb\u00fc\u00dfen wird. RUND EIN VIERTEL!!!!<\/p>\n<p>Auch ist nicht ganz auszuschlie\u00dfen, dass die Krise das sogenannte &#8222;Kapital&#8220; des Kunst- und Kulturbereichs vermindert, so dass auch mit l\u00e4ngerfristigen Einbu\u00dfen zu rechnen ist \u2013 wenn etwa zahlreiche Kunst- und Kultureinrichtungen insolvent werden, oder K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden ihren Beruf aufgeben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In Wien wird das Ausma\u00df der Effekte besonders deutlich.<\/p>\n<p>Die H\u00e4lfte, der durch die Krisen ausgel\u00f6sten Wertsch\u00f6pfungsverluste im Kulturbereich in \u00d6sterreich im Ausma\u00df von 1,5 bis 2 Mrd. \u20ac wird auf Wien entfallen, das hei\u00dft konkret wohl\u00a0 an eine Millarde Euros Verluste allein in Wien. Der entsprechende Anteil an der Regionalwirtschaft betr\u00e4gt 1,2 % die durch die Krise somit auf dem Spiel stehen, ist die Diagnose der Studie.<\/p>\n<p>Sozialpolitisch gro\u00dfe Herausforderungen sind speziell die prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse im Kulturbereich, die auch daf\u00fcr sorgen, dass die Krisenbetroffenheit vieler im Kunst- und Kulturbereich T\u00e4tiger besonders stark ist.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Teile des Kultursektors sind von einem hohen Anteil an Selbst\u00e4ndigen mit relativ geringen Verdiensten gepr\u00e4gt. <\/strong><\/p>\n<p>Diese prek\u00e4r Besch\u00e4ftigen sind aber f\u00fcr einen wesentlichen Teil der kulturellen Inhalte verantwortlich, ohne die auch viele der Kulturinstitutionen nicht bestehen k\u00f6nnten. Somit ergibt sich in der Krise eine Situation, in der die Besch\u00e4ftigten der staatliche Kunst- und Kultureinrichtungen gut abgesichert sind, w\u00e4hrend die freischaffenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler von Leistungen aus Hilfsfonds abh\u00e4ngen, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es besteht das Risiko, eine &#8222;Zweiklassengesellschaft&#8220; in vielen kulturnahen Bereichen zu schaffen und zu vertiefen: Der unterschiedliche Zugang zu Absicherungen zwischen dem staatsnahen Bereich einerseits und der freien Szene andererseits, die aber auch in sich sehr heterogene Bedingungen aufweist, schafft ein immens hohes Ungleichheit.<\/p>\n<p>Um den Herausforderungen durch Corona zu begegnen, bietet der Bund Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Einzelpersonen im Bereich von Kultur und Wissenschaft an: Den \u00dcberbr\u00fcckungsfinanzierungs-Fonds f\u00fcr selbst\u00e4ndige K\u00fcnstler*innen, den H\u00e4rtefallfonds, den einmaligen Lockdown-Bonus f\u00fcr freischaffende K\u00fcnstler*innen und den COVID-19-Fonds des K\u00fcnstler-Sozialversicherungsfonds.<\/p>\n<p>Aufgrund der gro\u00dfen Bandbreite der unterschiedlichen Arbeits- und Lebenssituationen k\u00f6nnen diese Ma\u00dfnahmen jedoch nicht alle prek\u00e4ren Situationen bei K\u00fcnstler*innen verhindern, die durch die Corona-Krise und damit einher gehender Lockdowns, tempor\u00e4re Schlie\u00dfungen von Einrichtungen und Einschr\u00e4nkungen im Veranstaltungsbereich entstanden sind und weiterhin entstehen.<\/p>\n<p>Daher hat in Wien im Sommer Arbeitsstipendien eingerichtet, \u201eum <em>diese Menschen, die\u00a0in prek\u00e4ren Arbeitssituationen leben und jetzt mit Unsicherheiten, \u00c4ngsten und finanziellen Engp\u00e4ssen zu k\u00e4mpfen haben, besonders zu sch\u00fctzten\u201c,<br \/>\n<\/em>wie Stadtr\u00e4tin Veronica Kaup-Hasler es begr\u00fcndet haben<em>, und weiter, \u201esei dies ein Schritt, die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler in die Lage zu versetzen, ihre Arbeit fortf\u00fchren zu k\u00f6nnen und so die n\u00e4chsten Wochen und Monate bestreiten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Leider hat sich die Situation seither kaum gebessert, ganz im Gegenteil, ein weiterer Lockdown hat die Herausforderungen umso gr\u00f6\u00dfer werden lassen.<\/p>\n<p><strong>Es wird weiterhin Geld ben\u00f6tigt, um eine \u00dcberbr\u00fcckung zu schaffen, bis die Kulturbetriebe wieder aufsperren k\u00f6nnen, bis die Leute, die es gewohnt sind mit Kreativit\u00e4t und Engagement ihren Lebensunterhalt zu verdienen, dies auch wieder tun k\u00f6nnen. <\/strong><\/p>\n<p>Um diese schwere Zeit zu \u00fcberbr\u00fccken, stellte ich mit meinen KollegInnen im Wiener Gemeinderat am 11.12.2020 den Antrag f\u00fcr das kommende erste Halbjahr 2021 3.000 weitere Arbeitsstipendien zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Diese Stipendien werden nicht alle Strukturschw\u00e4chen in der Kulturf\u00f6rderung bereinigen k\u00f6nnen. Sie w\u00e4ren aber ein Anfang. Ein solidarischer Anfang, der k\u00fcnstlerisches Schaffen im Hintergrund und das einfache \u00dcberleben erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p><strong>Leider haben die Regierungsparteien &#8211; SP\u00d6 und NEOS &#8211; diesen Antrag\u00a0 abgelehnt. Es sieht also so aus also w\u00fcrden im kommenden Jahr keine neuen Arbeitsstipendien kommen.\u00a0 Budgetiert sind sie zumindest nicht.<\/strong><\/p>\n<p>L\u00e4ngerfristig werden wir Kulturpolitik an vielen Stellen neu denken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn Besucher-Studien immer wieder nachweisen, dass das gesamte gef\u00f6rderte Kulturprogramm vorzugsweise von (hoch) gebildeten Besuchenden konsumiert wird, braucht es neue Strategien der Publikumseinbindung.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen junge Menschen aus allen Schichten an Kunst und Kultur als attraktiven Ort der Auseinandersetzung und Gestaltung heranf\u00fchren. Ein Ort an dem auch Ideen, ihre W\u00fcnsche und auch ihre Probleme verhandelt werden. Mit einem neu-aufgesetzten Kinder- und Jugendprogramm, das Beteiligung erm\u00f6glicht und keiner strengen Spartentrennung folgt, zum Beispiel.<br \/>\nWir brauchen hier mehr Zusammenarbeit mit Schulen und Kinderg\u00e4rten, insbesondere mehr F\u00f6rderprogramme, die es auch Kindern aus einkommen-schwachen Familien erm\u00f6glichen am Kulturprogramm teilzunehmen: vielleicht weil es Teil des Lehrplans ist, vielleicht weil die K\u00fcnstlerInnen in die Schulen kommen oder mit den Kindern gemeinsam Produktionen erarbeiten \u2013 ich wei\u00df, dass es schon jetzt vereinzelt Workshops gibt, meist organisiert von engagierten Eltern oder Lehrenden \u2013<\/p>\n<p><strong>unser Ziel muss doch sein, dass in jedem Kind, das in Wien aufw\u00e4chst, eine Lust auf Kulturgenuss geweckt wird, vielleicht sogar die Lust selbst kreativ zu werden.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Anfang in diese Richtung ist gemacht, zum Beispiel mit dem von uns Gr\u00fcnen initiierten Kulturkatapult f\u00fcr \u00e4ltere Kinder und Jugendliche, oder mit partizipativen Vermittlungsprogrammen im <a href=\"https:\/\/www.dschungelwien.at\/\">Kinder- und Jugendtheater Dschungel<\/a>. Die Beispiele zeigen was m\u00f6glich ist.<br \/>\nDa braucht es mehr davon und m\u00f6glichst fl\u00e4chendeckend.<br \/>\nDas sind wir den Kindern schuldig, aber besonders auch der Stadt Wien, selbst, die sich doch gern als Kulturstadt Europas definiert.<\/p>\n<p><strong>Und was brauchen wir noch?<\/strong><\/p>\n<p>Als moderne Kulturmetropole sollten wir auch in der Kulturf\u00f6rderung und vor allem auch in Neubesetzungen von Instituten und Festivals auf <strong>mehr Diversit\u00e4t achten<\/strong>. Mit \u201eKultur gemma\u201c und oder auch Orten wie der Brunnenpassage sind erste spezifische Programme geschaffen. Orte, die unterschiedlichste Begegnungen zulassen.<\/p>\n<p>Es braucht mehr davon, wenn wir einer modernen Stadt im 21. Jahrhundert gerecht werden wollen:<\/p>\n<p><strong>50% Frauen leben heute in Wien und 50% Menschen, die mit mehr als einer Sprache aufgewachsen sind.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ziel muss es sein auch im Kulturbetrieb eine Repr\u00e4sentation entlang der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse in Wien zu schaffen.<\/strong><\/p>\n<p>Am besten ausgew\u00e4hlt von Jurys in transparenten Verfahren. Die Vielstimmigkeit, die unterschiedlichen Blickwinkel, die sich hier treffen, der \u201eSchmelztiegel Wien\u201c war lange unser Marken-Zeichen. Damit er es bleibt, braucht es im Kulturbetrieb noch vielerorts mutigere Entscheidungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein urbanes Theater in einer globalisierten Kulturmetropole reicht es nicht mehr aus, sich ein \u201ediversit\u00e4tssensibles\u201c Programm zu geben. Wir m\u00fcssen Institution selbst motivieren, sich kontinuierlich darauf vor zu bereitet, diejenigen am Apparat zu beteiligen, die in Zukunft noch dazukommen wollen und werden.<\/p>\n<p><strong>Eine vielstimmige Kulturstadt Wien braucht eine langfristige Kultur-Strategie,<br \/>\n<\/strong>die alte Denkmuster und eingespielte Hierarchien hinterfragt &#8211; am besten neu denkt.<\/p>\n<p>Institutionen m\u00fcssen lernen, dass sie keine Bollwerke sind gegen den Verlust von Kulturhoheit, sondern flexible Systeme von \u00d6ffnung und Schlie\u00dfung, die sie dazu beitragen vielschichtige Identit\u00e4ten zu zeigen, die unsere Realit\u00e4t ausmachen, Systeme, die es zulassen neue Identit\u00e4ten zu entwickeln.<br \/>\nDer institutionelle Kulturbetrieb muss lernen, seine Apparate st\u00e4ndig auseinanderzunehmen und neu zusammenzubauen, kaum dass sie zu laufen beginnen.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt werden diese neu-gedachten Institutionen von einer <strong>gest\u00e4rkten Freien Szene<\/strong>, die ausreichend finanziert und abgesichert ist, um auch mit neuen Formen der Gestaltung und Kommunikation mit dem Publikum zu experimentieren.<\/p>\n<p>Am besten ohne ins Prekariat zu fallen. Experiment darf nicht nur unter existentieller Not m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Dazu werden wir \u00fcber <strong>neue Formen der langfristigen sozialen Absicherung f\u00fcr K\u00fcnstlerInnen und andere Freischaffende <\/strong>nachdenken m\u00fcssen \u2013 egal ob sie Grundsicherung hei\u00dfen oder Langzeitstipendien oder ganz anders. Jedenfalls etwas, dass die als sogenannte Mikrounternehmer*innen ausgewiesenen, die eine Gro\u00dfteil der Kulturarbeiter*innen ausmachen, etwas also, dass diese modernen Mikrounternehmer*innen davon enthebt von Projektantrag zu Projektantrag zu zittern.<\/p>\n<p>Und ja, manches davon muss auf Bundesebene eingeh\u00e4ngt werden. Aber nicht alles.<\/p>\n<p><strong>Wien k\u00f6nnte als gr\u00f6\u00dfte Kulturmetropole \u00d6sterreichs in Vorlage gehen<\/strong> und neu Wege vorzeigen, wie wir eine moderne solidarische Gesellschaft gestalten.<\/p>\n<p>Ob die Erfahrung der Pandemie tats\u00e4chlich dazu beitr\u00e4gt, dass Solidarit\u00e4t hier mehr werden kann, als eine fl\u00fcchtige Illusion, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p>Die Hoffnung stirbt zuletzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e<strong><em>Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erkl\u00e4ren k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/strong><em><br \/>\n<\/em>Christoph Schlingensief<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunst ist sch\u00f6n \u2013 aber macht viel Arbeit \u2013 soll Karl Valentin gesagt haben, und damit auf die stetige Unterfinanzierung seines Metiers und im Besonderen auf die Situation von frei Schaffenden Selbstst\u00e4ndigen wie ihm hingewiesen haben. 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