ursula berner

beobachtungen, ideen, tipps

Schlagwort: Diversität (Seite 1 von 2)

TeenSTARS darf nicht auf unserer Kinder losgelassen werden! – eine Resolution an die Bundesregierung

Rede im Wiener Landtag am 29.3.2019


Sehr geehrter Herr Vorsitzender!
Sehr geehrter Herr Stadtrat!
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Hier in Wien wird Verantwortung übernommen, soweit ich weiß.
Wien ist das einzige Bundesland, das die Barcelona-Ziele erreicht.
Die Barcelona-Ziele sagen, 90 Prozent Kinderbetreuungsabdeckung von drei bis sechs und 33 Prozent für unter Dreijährige. In Wien haben 70 Prozent der Kinder unter drei einen Platz. Das heißt nicht, dass die Qualität nicht noch besser werden kann. Das heißt nicht, dass wir nicht noch mehr Plätze brauchen. Wir brauchen sie, und ich hätte sie gerne, damit eben eine Familie selbst entscheiden kann, wer zu Hause zusätzlich auf Kinder schaut. In den meisten Fällen sind es die Frauen, die gerne arbeiten gehen würden, aber es ist nicht vereinbar. Das ist in vielen Bundesländern so, vor allen Dingen in ÖVP-regierten Bundesländern, dass leider der Kindergarten um 12 Uhr zusperrt, wie wir wissen. Das ist in Wien nicht der Fall

Prinzipiell sehe ich es als Ziel, alle Kinder in Bildungseinrichtungen der Stadt zu stärken und zu unterstützen und kritikfähig zu machen und eigenständig denkende Kinder und Persönlichkeiten heranwachsen zu lassen.

Das muss jedes Bildungsprogramm leisten, und als Mutter weiß ich, dass viele Kindergärten und Schulen der Stadt Wien das leisten können und das auch weiterhin angestrebt wird.

Trotzdem gibt es immer wieder Punkte, wo wir uns einmischen und deshalb gibt es auch einen Resolutionsantrag, den wir gemeinsam mit der SPÖ einbringen werden. Das wird der Redner nach mir machen.
Es geht da um die Sexualerziehung, und zwar geht es um die Sexualerziehung des Vereins TeenSTAR.
Sie kennen den Verein, er wurde öffentlich schon diskutiert.

In der Sexualerziehung geht es, wie wir alle uns, glaube ich, einigen können, in erster Linie darum, ein gutes Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen, auch zu sagen, wo die Grenzen sind und vor allen Dingen auch, die Sensibilität für die Bedürfnisse und Wünsche des Gegenübers zu entwickeln. Das alles ist jetzt noch nicht so besonders. Mir ist aber ein Rätsel, wie ein Verein wie TeenSTAR heute 2019 noch in Schulen ernsthaft davon reden kann, dass Masturbation schädlich wäre und dass Homosexualität eine Störung wäre, die mit Psychotherapie oder gar Exorzismus zu heilen wäre. Solche

Weisheiten aus dem 19. Jahrhundert wurden vom Verein TeenSTAR in Österreich verbreitet.

Ich kann mir nicht vorstellen, wieso die Bundesregierung nicht in der Lage ist, diesen Verein deshalb aus dem Verkehr zu ziehen.
Ich kann Ihnen dazu auch ein paar Sachen vorlesen, die ich vorbereitet habe, weil es wirklich wunderbar ist. Es gibt Studien, die eindeutig Verstöße gegen das Indoktrinationsverbot festhalten, und zwar wörtlich: Es besteht die Gefahr, dass bei Kindern und Jugendlichen, die selbst oder deren Familien nicht dem als anzustrebend vermittelten Lebensentwurf entsprechen, schwerwiegende persönliche Krisen ausgelöst werden können. Das sagt Wolfgang Plaute vom Bundeszentrum für Sexualpädagogik und findet auch

im Programm selbst viele falsche, massiv tendenziöse und teilweise menschenrechtlich bedenkliche Aussagen.

Nach dieser Stellungnahme wurde auf Bundesebene wegen zu kirchenkritischer Haltung dieser Bericht nicht in die Bewertung des Vereins einbezogen. Das halte ich für sehr fragwürdig. Deshalb braucht es unsere Resolution. Die einzige Veränderung, die die Bundesregierung vorschlägt, ist nämlich, dass eine Lehrperson dabei sein soll. Wie genau soll diese Lehrperson, die zusätzlich zum Verein in der Klasse ist, den Bildungsplan erfüllen, wenn wir nicht sicher sind, dass die ExpertInnen, die in der Schule reden, wirklich dort arbeiten sollen? Was soll dann die Lehrperson machen? Soll sie dazwischenfahren, während da ein Inhalt vermittelt wird, oder soll sie hinten in der Klasse die Hausübungen verbessern? Wir wissen es nicht genau.

Die Aufgabe der Politik muss es sein, wertfrei, positiv und wissenschaftlich am State of the Art befindliche Beziehung und Bildung zu vermitteln, auch in der Sexualerziehung.

Das ist, was wir uns wünschen. Deshalb werden wir diesen Antrag einbringen, weil wir glauben, dass Sexualität ein Teil unser aller Leben ist und auch so an die nächste Generation vermittelt werden soll.

Dass TeenSTAR das nicht kann, haben sie mehrmals bewiesen, deshalb bitten wir, dass sie nicht auf unsere Kinder losgelassen werden. – Danke. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Ethikunterricht – für alle Kinder einer Klasse gemeinsam!

…. egal welches Bekenntnis sie haben.

ein gemeinsames Statement von David Ellensohn und mir zum Ethikunterricht und den verheerenden, spaltenden Ideen, die dazu aus dem Bildungsministerium kommen:

Wien (OTS) – „Bildungsminister Heinz Faßmann spaltet die Schüler und Schülerinnen in religiöse und nicht-religiöse. Der Ethikunterreicht verkommt zur Strafmaßnahme gegen Kinder, die eine Freistunde haben. Das ist schade, weil gerade ein gemeinsamer, verpflichtender Ethikunterricht für alle SchülerInnen einer Klasse für die Erarbeitung eines gemeinsamen Gesellschafts- und Demokratieverständnisses sehr wichtig ist“, so der Klubobmann der Grünen Wien, David Ellensohn.

Die Familiensprecherin der Grünen Wien, Ursula Berner, ergänzt: „In einer Stadt, in der mehr als 40 Prozent der BewohnerInnen ausländische Herkunft haben und 16 anerkannte Religionsgemeinschaften beheimatet sind, braucht es ein gemeinsames Verständnis für das Zusammenleben. Der gemeinsame Ethikunterricht für alle ist ideal, um gemeinsame Werte für ein Zusammenleben auf Basis der Menschenrechte zu erarbeiten und gegenseitiges Verständnis aufzubauen. Damit können soziale Konflikte frühzeitig entschärft werden“.

Die Ausbildung der Ethik-Lehrenden darf nicht den Religionsgemeinschaften überlassen werden. Es ist auf einen einheitlichen Lehrplan und genaue Qualitätssicherung und interkulturelle Kompetenzvermittlung zu achten. Damit genügend Lehrpersonal für diese wichtige Aufgabe zur Verfügung steht, muss das universitäre Ausbildungsangebot stark ausgebaut werden.

„Es braucht eine völlige Entkoppelung des Ethikunterrichts von dem Unterricht der Glaubensgemeinschaften. Das heißt, dass kein Lehrer und keine Lehrerin an ein und derselben Schule Ethik und Religion nebeneinander unterrichten darf“, so Ellensohn.

„Im Zuge der Neugestaltung des Ethikunterrichts muss auch Religionsunterricht auf Qualitätsstandards überprüft werden: Welches Bild von Demokratie wird vermittelt, welche Grundregeln für das Zusammenleben werden gepredigt und wie wird die Diversität in der Gesellschaft, mit der Vielzahl der Religionen und Nicht-Religiösen Menschen, bewertet“, so Berner abschließend.

Nachschau zu HAMAMNESS Gender Jihad bei den Wiener Festwochen

Neue feministische Ansätze interessieren mich immer.  Wenn Feminismus in Zusammenhang mit muslimischen Frauen diskutiert wird umso mehr.
Deshalb fand ich es mutig, dass die Wiener Festwochen sich dem Thema Interkulturalität, Kolonialismen, Minderheiten  etc aktiv angenommen haben und unter anderem im Rahmen von HAMAMNESS mit unterschiedlichen Veranstaltungen versuchen den Blick der BesucherInnen zu öffnen oder zu erweitern.

Soweit so gut .

Das war die Stimmung mit der ich mich auf das Projekt „Gender Jihad“ – wohl bewusst provokant gewählt  – einließ …

Als Gast wurde frau zunächst fein umschmeichelnd begrüßt und  eingeladen erstmal alles „abzulegen“ gute Düfte zu genießen und die Zeit zu vergessen und den Alltag  etc.

Dann begibt sich die Frau in das erste der 3 riesigen Luftballonzelte: es ist heiß, es gibt Teppiche, man sitzt am Boden trinkt Tee oder Wasser und „kommt einmal an“.  Eine weitere Schleuse führt in die Nassräume – es ist heiß, es gibt  zwei Liegen für Massagen oder Einseifungen; Wasserbrunnen, Gefäße zum sich abzuspülen, ein paar Hocker… und dann öffnet sich ein zweites Nasszelt, das außer den genannten Gegenständen auch noch einen Warmen Stein bereitstellt – es ist feuchtwarm… frau fühlt sich zunächst ein wenig verloren, lässt sich dann darauf ein, schwitzt und seift und spült und plaudert und kommt irgendwann, weichgespült und sanft gerippelt, zurück zum Teezelt.

Dort hat sich inzwischen Amani Abuzahra in die Mitte gesetzt und beginnt ohne sich vorzustellen zu sprechen – sie trage ein Kopftuch und es alles völlig selbstbestimmt, und sie fühle sich diskriminiert, wenn sie jemand nach ihrer Herkunft fragt, die wäre Liesing, oder Amstetten oder Gmunden – je  nach Lebensstadium. Aber eigentlich will sie nicht, dass man danach fragt, weil das ist zu intim und ausgrenzend.

OK – das löst ein wenig Irritation aus im Publikum – und Diskussion, ob Fragen nicht auch Interesse bekundet…

Dann erfahren wir, dass Mohammends erste Frau um 25 Jahre älter gewesen sei als er zur Zeit der Heirat – dass es also eine lange feministische Tradition gäbe im Islam. Interessant, denke ich.

Und versuche schließlich herauszufinden, wie eine Frau wie sie – geboren in Österreich mit Eltern aus Palästina – die Situation einschätzt: als Ausstehende sehe ich scheinbar immer mehr Frauen mit Kopftuch im öffentlichen Raum auch hier in Wien, mitten in Europa. Noch vor 30 Jahren war das weder in der Türkei noch im Iran üblich. Ob es nicht vielleicht auch eine politische Dimension hätte, das Kopftuch zu tragen.

Jetzt wird die weichgespülte sanfte Referentin ärgerlich, sie möchte keine Zuschreibungen, alles ist eine ganz persönliche Entscheidung, auch in ihrem Fall und man kann das nicht vergleichen ihr Kopftuchtragen, mit dem in der Türkei.

Ihre persönlichen Gründe dafür will sie aber nicht verraten – was ich persönlich sehr schade finde, weil wenn frau schon mit dem Thema so explizit in eine öffentliche Veranstaltung geht – muss Besucherin wohl davon ausgehen, das genau das nachgefragt werden darf. War die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht Teil des Konzepts der interaktiven Kunst-Performance-Lecture? Wer hier die Veranstaltung ausgesucht hat, Eintritt bezahlt hat, sich weichkochen ließ, hat ein gewisses Interesse am Thema. Niemand kommt her “um jemanden per se abzuwerten oder auszugrenzen“. Als Gast erwarte ich einen interaktiven Abend in einem spezifischen Umfeld – ein Experiment.

Wer hier ist bezeugt Interesse und erwartet einen echten Austausch auf Augenhöhe – schließlich sind alle hier (fast) nackt. Das könnte man auch übertragen lesen.

Stattdessen wird genau die Exotik behauptet und aktiv beworben, die wenn ich das Programm richtig verstanden habe, doch angeblich aufgelöst werden soll: „Willkommen in einer fremden Welt“ wird der Besucherin vermittelt, entspann dich mal und trau dich Grenzen zu überschreiten und was ganz Neues kennenzulernen – Ja eh, aber warum genau inszenieren sich die GestalterInnen und KuratorInnen als unbekannte Fremde? Sind wir nicht in Österreich, das seit langem durch eine multiethnische Bevölkerung geprägt ist (gut einige sind Deutsche, zumindest nach Akzent)? Gibt es hier nicht schon mindestens seit den Römern Warmwasserbäder, oder im Neusprech mittlerweile Wellnesstempel? Warum wird das angeblich „Fremde“ hier so inszeniert und von der Referentin noch betont: ich bin die Andere, ich ziehe mich anders an (beim Vortrag hatte sie kein Kopftuch auf) ich gehöre zu euch, aber irgendwie bin ich anders, aber ihr dürft nicht nachfragen, wenn ihr den Eindruck habt, ich sei nicht von hier. Heißt das nachfragen allein schon, dass man jemanden ausgrenzt? Wovon genau?
Die Wiener Bevölkerung sind derzeit ca 1,8 Mio Menschen, davon sind ca 500.000 als Fremd definiert, dh haben eine andere Staatsbürgerschaft, 215.000 aus der EU, ca 180.000 von außerhalb der EU; die Statsistik Austria weißt von den ca 1,8, Mio ca 700.000 als mit Migrationshintergrund aus – das sind etwa die Hälfte ! Auch wenn diese Definition „Migrationshintergrund“ sehr schwammig ist und zu hinterfragen, bleibt die Grundfrage:

WELCHES WIR GRENZT WEN AUS?

Muslime sind rein historisch schon ca seit dem 10.Jhdt. in Österreich (damals der Monarchie) ansässig. Gesichert seit 1476 im Vorfeld der Türkenkriege und spätestens seit 1912 ist der Islam nach hanafitischen Recht in Österreich als Religionsgemeinschaft anerkannt.

Als Festwochengast hätte ich gerne mehr Informationen über die Geschichte der Muslime in Österreich gehabt, zumindest kursorisch. Detailreicher vielleicht ab den 70ern, mit Einschätzungen zur Arbeitsmigration und am liebsten auch von den vielen unterschiedlichen muslimischen Strömungen heute hier in Österreich erfahren. Dazu gibt es viel Material nicht zuletzt, weil viele engagierte SozialhistorikerInnen in dem Bereich geforscht haben und auch schon Ausstellungen  dazu öffentlich zu sehen waren. (zB http://gastarbajteri.at/)

Stattdessen fand ich mich in einer tendenziösen Veranstaltung, die in allgemeinen Bildern von den unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Muslime sprach. Dann aber nicht bereit war auf Fragen zu aufklärerisch feministischen Projekten, wie der Mosche mit weiblichen Imamen von Seyran Ates in Berlin, einzugehen. Ebenso wenig auf die Nachfrage nach jenen Aleviten, die ein Kopftuch ja explizit ablehnen, sich aber dennoch muslimisch verstehen.

Es mag sein, dass das Kopftuch für eine palästinensisch geprägte Frau andere Aspekte symbolisiert, als für eine türkische Frau – aber warum kann sie dann im Sinne der Aufklärung nicht darüber sprechen? Und schwurbelt nur von der ganz persönlichen Entscheidung, deren Grundlagen sie aber nicht offenlegen will – weil das zu intim sei. Als säße sie in einem Glaskubus allein und abgekehrt von der Welt. Als spielte die Gesellschaft um sie keine Rolle – außer als abzulehnendes Element.

Geht es bei der Veranstaltung nicht genau um diese Auseinandersetzung? Zwischen der Eigenwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung? geht es nihct darum in einem relativ sicher gesetzten Raum (einem abgeshclossenen Schwitzszelt) einen gleichwertigen Austausch ohne vorgefertigter Unterstellungen zu ermöglichen?

Warum laden die Festwochen angeblich im Dienste der Aufklärung ReferentInnen ein, die eine Reflexion ihres Tuns in bezug zu Hierarchisierungen innerhalb der modernen Gesellschaft genauso wie für unterschiedliche Islamische Strömungen verweigern?

Ich finde es ausnehmend Schade, dass sich die Festwochen eines derart politischen Themas annehmen und es dann so scheinbar unpolitisch umsetzen.  Wie der sanfte Wasserdampf scheint der Vortrag von Amani Abuzahra das Publikum einhüllen zu sollenum was genau zu erreichen? Lassen sich hier die Festwochen für eine bestimmte tendenziöse Richtung einspannen?

Der seit Anfang der 1990ern geprägte Begriff  Gender Jihad bezeichnete ursprünglich eine Bewegung muslimischer Frauen, die weltweit für weibliche Emanzipation und Reformen innerhalb des Islams kämpfen. Unter Gleichberechtigung verstehen sie: rechtliche Gleichstellung sowie ein vollkommenes Selbstbestimmungsrecht der Frau, allerdings unter dem Banner der Religion. Das Tragen eines Kopftuchs oder eines Schleiers ist damit nicht automatisch verbunden. «Es ist nicht der Islam, der Frauen das Kopftuch vorschreibt, sondern es sind die Gelehrten», schrieb Asar Nomani,  eine der Vorkämpferinnen der Bewegung, die selbst in West Virginia eine Moschee gegründet hat, in der «Washington Post». Inzwischen wird diese Bewegung allerdings immer wieder auch auch von konservativen Richtungen gestützt.

Für ein geschlechtergerechtes Verständnis des Islam reicht es nicht aus, dieses einfach zu behaupten – es braucht dafür eine offene Auseinandersetzung, eine Analyse mit Auswirkungen aller Regeln und Gebräuche auf Frauen und Männer und eine wohlwollende Darstellung verschiedener muslimischen Strömungen. Genau das wünsche ich mir, wenn die Wiener Festwochen diese Thema so aufwendig inszenieren , Brüche udn Inkonsequenzen inklusive.

Was wir stattdessen erlebt haben, waren Abwertungen der vermeintlichen ReformerInnen und Infragestellung der Kompetenz sämtlicher Diskussionsbeiträge aus dem Publikum …

Das Projekt hinterlässt leider ein zutiefst unrundes Gefühl bei der Besucherin – trotz der feinen Lavendelöle …

Ankündigung aus dem Festwochen Programm:

Gender Jihad
Mit dem Begriff Gender Jihad rufen Muslimische Feminist*innen zu einem Jihad (Anstrengung, Kampf) für ein anti-patriarchales und geschlechtergerechtes Verständnis von Islam auf und darüber hinaus.
Die vielen Fatma Morganas über Frauen als dominierungsaffine Subjekte lichten sich durch eine emanzipatorische heterogene Frauenbewegung. Gender Jihad ist postkolonialer Feminismus. Frauen zeigen selbst- und nicht fremdbestimmt wie feministische Solidarität funktionieren kann. Amani Abuzahra wirft einen Blick auf die Geschichte von Frauen im Islam um neue Denkwege zu eröffnen. Was Gender Jihad im Körper einer Schwarzen Muslimischen Frau bedeutet, wird Ismahan Wayan mit Hilfe von Schwarzen und Muslimischen Denker*innen reflektieren und diskutieren. Performativ erforscht Sara Mikolai queer-feministische Beziehungen. Aus Ungewissheiten wird Kollektivität. Die Transformationskünstlerin Eisa Jocson untersucht Gender und Exotismen.
Hamamness
ruft zu einem Jihad der Solidarität auf!

Termine:
1. Juni mit Amani Abuzahra & Sara Mikolai
2. Juni mit Amani Abuzahra & Ismahan Wayah & Sara Mikolai
3. Juni mit Amani Abuzahra & Ismahan Wayah & Eisa Jocson
4. Juni mit Amani Abuzahra & Eisa Jocson

Antwort auf den offenen Brief der Fraueninitiative vom Brunnenmarkt

Ich habe euren offenen Brief (siehe weiter unten) gelesen.

Ich verstehe alle Ängste. Ich kann das Unsicherheitsgefühl, das sich gerade verbreitet wahrnehmen.

Dennoch bin ich irritiert wie schnell wir alle einer medial verstärkten Hetze aufsitzen. Es gilt gerade in diesen von euch beschriebenen Fällen das eine vom anderen zu trennen.

Psychisch kranke Personen, die jahrelang im öffentlichen Raum leben, ohne betreut zu werden, sind ein Skandal – da gebe ich euch recht. Ich wünsch mir in einer Stadt zu leben, in der diese Menschen versorgt werden, dh konkret Ausbau der Streetwork und der psychosozialen Dienste, mehr betreute WGs, die auch denen offenstehen, die keine ausreichende Sozialversicherung haben, Suchtprävention etc.

Das hat aber überhaupt nichts mit der „WILLKOMMENSKULTUR“ zu tun. Willkommenskultur verweist darauf prinzipiell Menschen offen entgegen zu treten, ihnen Grundversorgung anzubieten und sie möglichst rasch zu integrieren, statt sie in irgendwelchen großen Lagern versauern zu lassen. Dh konkret: Kinder rasch in Schulen aufnehmen, und für Erwachsene gesetzliche Grundlagen für eine Selbstversorgung zu schaffen – zB Änderungen im Gewerberecht, fundierte Deutschkurse, Unterstützung bei den Ämtern,  Arbeitserlaubnis etc.

Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Neoliberale Tendenzen, Stakeholder Value führen dazu, dass immer mehr Menschen im Sinne der Wertsteigerung und Effizienz „aussortiert“ werden, wenn sie nicht mehr die geforderte Leistung bringen. Und diese Leistung orientiert sich sehr oft an 25-jährigen jungen Männern, die bereit und körperlich in der Lage sind rund um die Uhr zu arbeiten, ohne Rücksicht auf Verluste. Es wird zukünftig  ca 30% der erwachsenen Bevölkerung – MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen – geben, die nicht arbeiten können oder keine Möglichkeit dazu haben, dh wir brauchen ein Sozialsystem, das nicht auf Erwerbsarbeit fußt.

Mit euren Brief verstärkt ihr den Ausgrenzungsdiskurs. („Missbrauch des öffentlichen Raums“?) Die, die es nicht geschafft haben sollen gefälligst verschwinden. Sie sind schon durch ihr Dasein gesetzeswidrig. Das wird so nicht gehen.

Es braucht eine soziale Kontrolle von jeden von uns, es braucht „österreichische“ Männer, die auftreten und Klartext sprechen, wenn es zu Übergriffen kommt, es braucht Sozialarbeit vor Ort, und es braucht wohl couragiertes Einfordern von Einhalten von gemeinsamen Regeln im direkten Gespräch. Wahrscheinlich braucht es langfristig eine Legalisierung des Cannabishandels aber gleichzeitig auch Ideen, wo all die jungen Männer, die derzeit dealen, sonst arbeiten, bzw Geldverdienen können. Niemand hängt gern perspektivenlos am Straßenrand herum.

In einer offenen, modernen Gesellschaft wird es immer notwendig sein erkämpfte Rechte zu achten und zu verteidigen: das Recht auf Meinungsfreiheit, das Wahlrecht, die Menschenrechte. Wir dürfen uns nicht in einer Richtung drängen lassen, die es radikalen Kräften leicht macht, Einschränkungen dieser Rechte für alle einzufordern.

Alle Erfahrungen mit Einschränkungen der persönlichen Rechte unter dem Vorwand der allgemeinen Sicherheit zeigen, dass wir damit langfristig nichts gewinnen. Nur wenn wir für einen möglichst großen Teil der Bevölkerung eine gute Grundversorgung – medizinisch und finanziell und sozial – sicherstellen können, werden wir langfristig in einer guten sicheren Stadt mit hoher Lebensqualität leben

Im Yppenviertel hat sich die Fraueninitiative Brunnenmarkt formiert und diesen offenen Brief verfasst:

„Offener Brief der Fraueninitiative Brunnenmarkt

Wien gehört uns allen! Die Ermordung der 54jährigen Maria E. am Brunnenmarkt auf ihrem Arbeitsweg durch einen illegal in Österreich lebenden, obdachlosen Kenianer hat uns aufgerüttelt. Die Belästigungen von Frauen und Schulkindern zwischen Brunnenmarkt und Josefstädterstraße, aber auch entlang der U6 durch herumlungernde Dealer und ihre Kunden wollen wir nicht hinnehmen. Es empört uns, dass der Spielplatz am Yppenplatz und der Platz vor dem Yppenheim zu Aufenthaltsorten für Corner Boys und Obdachlose verkommen, die diese teuer sanierten Plätze, die als Freiräume für Familien und Kinder dienen sollen, zumüllen. Die Gehsteige am Gürtel, sowie zwischen Gürtel und Brunnenmarkt verkommen zu öffentlichen Latrinen und werden unbegehbar. Auch wenn uns statistisch keine Bezirksauswertung von Übergriffen vorliegt, ist unser Lebensgefühl zunehmend beeinträchtigt. Die Vergewaltigung einer jungen Türkin durch junge Afghanen in einer Damentoilette am Praterstern zeigt uns, dass nicht nur unser Bezirk betroffen ist. Wir verwehren uns gegen diesen Missbrauch des öffentlichen Raums. Wien gilt als eine Stadt mit hoher Lebensqualität. Teil dieser Qualität ist, dass Frauen, Mädchen, Kinder sich sicher fühlen können und ihre Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. Wir fordern Behörden, Politik und soziale Einrichtungen zu einer besseren übergreifenden Zusammenarbeit auf, damit sich Frauen und Kinder, Wienerinnen und Wiener, Besucher und Touristinnen auch weiterhin mit einem guten Gefühl, untertags, abends und auch in der Nacht frei in dieser Stadt bewegen können. Kreative Lösungen sind gefragt! Wir bekennen uns zum gedeihlichen Zusammenleben von Menschen verschiedenster Herkunft in unserem lebensfrohen Viertel, das als Erfolgsprojekt gilt in dieser Stadt. Doch zu Migration und Willkommenskultur gehören begleitende Maßnahmen, besonders auch für jene, die die Regeln in unserer Gesellschaft weder verstehen noch respektieren wollen. Frauen mit Minirock, Frauen mit Kopftuch. Frauen dieser Stadt: Stehen wir zusammen. Treten wir auf gegen Vandalismus und Gewalt. Schauen wir genau hin und nicht weg. Sagen wir es laut, besonders jenen, die sich die Freiräume unserer Stadt mit Ignoranz und Respektlosigkeit aneignen: Wien gehört uns allen!“

Unterschiften Fraueninitiative Brunnenmarkt:

Dr. Therese Backhausen Kunsthistorikerin, Nicole Albert-Wilding Körpertherapeutin-Kinesiologin, Renate Gerlach Malerin, Monika Wageneder Revisorin, Hedwig Rotter Designerin, Martina Schmidt Programmleitung Deuticke Verlag, Sabina Schebrak Musikmanagerin, Katja Beran Journalistin- Werbetexterin-Psychotherapeutin i. A.u.S, Miki Ivancsics Körpertherapeutin, Andrea Reindl M.A. Sachbearbeiterin- Generaldirektion Hauptverband d. österr. Sozialversicherungsträger, Dr. Ines Mitterer de Guitart Journalistin, DI Anette Stiegelmayer Rechteklärung Technisches Museum Wien, Angelika Krabacher acting International Director Region &Director of Fund Development & Communications-SOS Kinderdorf, Irene Strobl Geschäftsinhaberin La Salvia, Claudia Neuhauser ORF Journalistin-Weltjournal, Marietta Schwerdtner Geschäftsfrau, Heidi Gruber Ordinationsassistentin, Maria Zelger Pensionistin, Tina Nikiema-Spiegl Lektorin , Christine Vilanek Bankangestellte, Anne Macchietto della Rossa PR Beraterin, Corinne Walter Französischlehrerin & Übersetzerin, Andrea Kaiser Projektleiterin, Christine Pietsch Casinos Austria-Assistentin der Geschäftsführung, Sylvie Proidl bildende Künstlerin, Brigitte Pichl, Petra Wagner Psychologin, Sabine Lackner Psychotherapeutin, Ingrid Lux Buchhändlerin, Gerda Seitz – und Helmuth Klicpera, DI Dr. Leo GRILL, Beamter in Pension Dr Franz Grill, Thomas Krampl, Stefan Ludwig, Regisseur, Claude Nikiema Bühnentechniker, Liam Nikiema Schüler, Peter Seitz, Walter Erdelitsch Journalist.

Ja, es kann auch ein bissl mehr sein! Kulturpolitik als Triebfeder gegen einen identitären Kulturbegriff ist möglich

Ja, da geht noch was, aber die gähnende Leere in der Wiener Kulturpolitik kann ich ehrlich nicht sehen – es gibt ein sehr diverses Angebot auf unterschiedlichsten Ebenen – von Straßenkunst bis Theater in der Josefstadt, von Wienwoche bis Symphoniker, von Wave bis Rhiz, von Brut über Ragner Hof zum Wuk und da sind die ganzen Klein- und Mittelbühnen nicht genannt … alle arbeiten sich mit unterschiedlichsten Mitteln an der aktuellen politischen Situation ab.

Was ich sehen kann ist, dass die Angebote innerhalb Wiens sehr ungleich verteilt sind, dass Veränderungen noch zu langsam gehen, dass die großen Tanker Themen wie Zuwanderung, Zusammenleben, Konflikt von Einbinden und Ausgrenzen, zwar spielen, aber die Erkenntnisse noch nicht in die eigenen Strukturen einbauen; dh. RegisseurInnen, SchaupielerInnen, Programm sind noch immer vorwiegend bildungsbürgerlich geprägt.

Aber Neuorientierung findet statt. Mit Anna Badora kommt eine Intendantin nach Wien, deren spezifisches Anliegen es ist „bildungsferne Schichten das Theater als Begegnungsort über soziale Barrieren hinweg“ zu etablieren. Auch Thomas Zierhofer-Kin versteht sich gern als Stachel im Fleisch der Hochkultur – man wird mehr wissen, wenn die beiden ein Jahr gearbeitet haben.

Daneben sind gerade in Wien in den letzten Jahren einige dezentrale kulturelle Begegnungsräume entstanden, die zeigen wie Kultur auch partizipativ und politisierend funktionieren kann, wie die Brunnenpassage, Soho Ottakring oder die Wienwoche.

Es ist noch nicht genug! Wir brauchen mehr offene Räume für unterschiedliche kulturelle Aktivitäten in den Außenbezirken, auch fernab der Eventkultur, wir brauchen mehr Orte, wo junge KünstlerInnen sich ohne finanzielles Risiko ausprobieren können, und wir brauchen Verbesserungen in den Förderstrukturen: Vereinfachung der Ansuchen, klare Ausschreibung der Förderkriterien, thematisch besser fokussierte Calls, mehr Einbindung zivilgesellschaftlicher ExpertInnen in Jurys .

Wir brauchen im Kulturbudget mehr Spielraum um auf Neuentwicklungen zu reagieren. Und gerade im Bereich der Stadtentwicklung brauchen wir eine intensive spartenübergreifende Zusammenarbeit. Wenn – wovon wir ausgehen – Wien in den kommenden Jahren um die Größe von Graz wächst, werden wir von Anfang an auch kulturelle Infrastruktur Maßnahmen mitdenken müssen. Es braucht Mittel um sinnvolle, nachhaltige moderne Konzepte zu entwickeln, die für die neue hinziehende Bevölkerung von Anfang an „Orte der Begegnung“ schaffen: am besten so , dass diese vor Ort wachsen und weiterentwickelt werden können. Die Ideen sind da, die Themen sind da, gute Kulturpolitik hat die Aufgabe sensible zu bleiben für gesellschaftliche Veränderungen, kritische Stimmen zu hören und zu beachten und innovative Menschen zu motivieren ihre Ideen umzusetzen. Dafür werde ich mich in den nächsten Jahren stark machen.

Die „Clash of Civilations“ Debatte stützt in diesem Zusammenhang die Idee einer „gemeinsamen Leitkultur“. Die halte ich ein einer sich ständig verändernden Gesellschaft für fraglich. Und vor allem glaube ich nicht, dass Kulturpolitik so etwas wie eine Leitkultur setzen soll und kann. Wir PolitikerInnen sind aufgerufen aktuelle Diskurse wahrzunehmen und Räume für gewaltfreie Auseinandersetzung zu schaffen – für die freie Szene genauso wie für etablierte Institutionen.

Antwort auf Martin Wassermair: Kulturkampf – Kopf in den Sand? Freiheitlicher Kulturbegriff auf identitärem Feldzug Von Martin Wassermair. Erschienen in: Salzburger Kulturfenster, Ausgabe 10/2015

 

Gute Kulturpolitik macht Gesellschaft demokratisch – deshalb kandidiere ich für die Wiener Gemeinderatsliste

Es war George Taboris „Kreis“, in dem er Opfer und Täter des Nationalsozialismus ins Publikums setzte und inszeniert miteinander ins Gespräch brachte. Es war Thomas Bernhards „Heldenplatz“ – der die „G‘schnitzten“ so erzürnte, dass sie vom Rang herunter pfiffen und brüllten und schließlich einen stinkenden Misthaufen vor dem Burgtheater platzierten. Kunst und hier Theater ist für mich immer politisch – Ort und Möglichkeit für öffentliche Aushandlung von Konflikten – sublim oder konkret, jedenfalls hoch emotional. Meine Schule der Demokratie.

Eine urbane Gesellschaft braucht Kultur und eine Politik, die sich für sie stark macht. Sie ist grundlegender Bestandteil des „guten Leben für alle“ im Zentrum wie in den Stadterweiterungsgebieten. Kultur muss deshalb von Anfang an in der Planung mitgedacht werden.

Als Vorsitzende der Kulturkommission in Neubau kämpfe ich seit Jahren mit der angespannten finanziellen Situation für Kulturtreibende in Wien. Aber ich weiß auch, dass gezielte Förderpolitik wirkt: wir haben 70% der Anträge und Förderungen von und für Frauen, Kunst im öffentlichen Raum als niederschwelliges Angebot, interkulturelle Projekte, Atelierrundgänge und Frauennamen im öffentlichen Raum festgeschrieben.

Für Wien will ich leicht zugänglich Orte, die flexibel bespielt werden -Stichwort: Leerstand. Ich will eine nachhaltige, echte Reform der Förderstruktur: mehr zeitgenössische AutorInnen auf den großen Wiener Bühnen, mehr Transparenz und Vereinheitlichung bei Vergabekriterien auf Landes- und auf Bezirksebene, gerechte Förderungen für Neue Medien und Film! Ich will mehr Fördermöglichkeiten für Bildende Künstlerinnen. Ich will ein innovatives Kinder- und Jugendtheater, das Lust macht sich einzubringen. Faire, demokratische Kulturpolitik formt, lässt zu und inspiriert. Dafür setze ich mich ein.

 mehr zu meiner Person:

Das Frauenbild im Islam – was sagt der Koran zu Frauenrechten

BO07_150115bBrautkauf, Kinderehen, Zwangsehen, Mehrehe, Jungfräulichkeitsgebot, Brautgabe, häusliche Gewalt, Gehorsamspflicht, Ehrenmorde, talak-Scheidung: was sagt die Scharia dazu?

Ziel der Veranstaltung ist es, differenziert und kritisch die historischen Wurzeln des patriarchalischen Rollenverständnisses aufzuzeigen, das Gewalt gegen Frauen legitimiert. Gülay Cataltepe hat sich als Juristin viele Jahre lang mit dem türkischen Eherecht und seinen Auswirkungen beschäftigt.

Am 21.1.2015 laden Dr.in Gülay Cataltepe, Juristin und Autorin, und  Maga. Ursula Berner zu einem diskursiven Themenabend.

Beginn: 18.30 Uhr

ORT: Hermanngasse 25, 1070 Wien

Platz der Menschenrechte in Wien Neubau

 Platz der meneschenrechte

als Initiatorin  freut es mich besonders, dass wir am 10.12. 2014 diesen Platz einweihen durften. Hier am Anfang der größten Einkaufsstraße Wiens – der Mariahilferstraße – soll neben dem Einkaufen und dem Flanieren im öffentlichen Raum auch noch ein anderer Aspekt des Lebens ins Bewusstsein gerufen werden:

Die Erfahrung der zwei Weltkriege in Europa hat 1948 die Vereinten Nationen dazu veranlasst in 30 Artikel internationale Menschenrechte festzuschreiben – die für alle Menschen gelten, egal welche ethnische Herkunft sie haben, egal welche gesellschaftliche Position sie inne haben, egal ob sie reich oder arm sind: ein Dach über dem Kopf, Nahrung, Bildung, Schutz vor Verfolgung, ein Recht auf Familie und sexuelle Freiheit stehen jedem und jeder zu. Das soll hier erinnert werden, an einem Platz der zentral gelegen mittlerweile der größte im Bezirk Neubau ist.

Gerade in einer Gesellschaft in der „Geiz geil ist“, neoliberale „ich bin der Stärkste und du schau, wo du bleibst“ Stimmung ist, wird es immer wichtiger diese Grundrechte wieder ins Bewusstsein zu rufen. Der öffentliche Raum ist ideal dafür, möglichst barrierefrei Themen zu setzen. Das sieht man nicht zuletzt hier – mit dem Omofuma Stein hat Ulrike Truger schon 2003 den Rassismus und das menschenverachtende Vorgehen in vielen Asylverfahren angeklagt.

Der neue Platz der Menschenrechte soll darüber hinaus weiterhin Platz der Auseinandersetzung bleiben und immer wieder einladen mittels neuer Formen die Kommunikation über die Rechte und die Sensibilität für deren Einhaltung zu schaffen.

Neben dem Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte waren zwei weiter Initiativen zur Einweihung geladen:

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Der Performance Künstler Markus Tripold arbeitet seit 2 Jahren mit Jugendlichen. Im Rahmen der AMS Intitative Space Lab. Die jungen Leute befinden sich an der Schnittstelle zwischen Schule und Arbeitswelt. Bei der Aktion – coloured chairs – bunte Sessel – kommen die Jugendlichen im Tun zum Gespräch – Gespräch über das miteinander in der Gesellschaft, Eingrenzung und Ausgrenzung. Sie finden einen Weg die abstrakten Menschenrechte auf ihr Leben zu beziehen. – Das künstlerische Ergebnis ist hier vorübergehend aufgestellt– das emotionale wirkt nachhaltiger.

Ebenfalls auf jugendliche Kreativität setzt der  Verein all inclusiv – Der 2011 von Elisabeth Golzar und Baris Alakus gegründete Verein zur Förderung komplementärer Diversitätsstrukturen – der Verein aus Wien Neubau fokusiert sich auf Filmpädagogik. In diesem Rahmen lädt er zu einem jährlichen Kurzfilmwettbewerb – 90 sek. selbstgestaltet von Jugendlichen und SchülerInnen zu einem vorgegeben Thema.

Der Promotionfilm für die zeitim:puls Kurzfilmwettbewerbe 2012, 2013 und 2014 bewirbt das Thema „sexuelle Orientierung“ als Wettbewerbsthema.

Für diesen Film – der im Hintergrund zu sehen war – wurde der Verein vor wenigen Tagen mit dem Deutschen Filmpreis für Menschenrechte ausgezeichnet.

Herzlichen Glückwunsch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ceija Stojka – Platz – zum ersten Mal in ganz Europa wird ein Platz nach einer Romni benannt

Ceija Stojka lebte nach dem Krieg in Neubau. Als tiefgläubige Katholikin besuchte sie  regelmäßig die Altlerchenfelder Kirche. Der Platz vor der Kirche trägt seit September 2014 ihren Namen.

juni2010 175 - KopieDie autodidakte Sängerin, Autorin und Malerin hat jahrzehntelang dafür gearbeitet, die Verfolgungsgeschichte der Roma und Sinti im Nationalsozialismus zu thematisieren und das Unrecht sichtbar zu machen. In regelmäßigen Workshops – viele davon in Neubau, insbesondere im Amerlinghaus – hat sie als eine der ersten alte und junge Menschen für die Verfolgung und die Geschichte der Roma und Sinti in Österreich sensibilisiert.  Ihr Werk ist voller Hoffnung auf eine gemeinsame, friedliche Zukunft – ungeachtet der Herkunft und frei von gesellschaftlichen Zuschreibungen.

Karteikarte der GESTAPO zur Erfassung der Daten von Ceija Stojka nach ihrer Verhaftung

Karteikarte der GESTAPO zur Erfassung der Daten von Ceija Stojka nach ihrer Verhaftung

Ceija Stojka kam 1933 als Kind von fahrenden Lowara aus dem Burgenland ind er Steiermark zur Welt. 1939 wurde ihre Familie zunächst zur Sesshaftigkeit gezwungen. Sie lebten in Wien, auf der Wiese neben dem heutigen Kongressbad in einer Baracke. 1943 wurde Ceija Stojka noch als 10-jähriges Kind mit Ihrer Mutter und ihren Schwestern ins KZ Auschwitz verschleppt. Später kam sie nach Ravensbrück und schließlich nach Bergen-Belsen, wo sie das Kriegsende erlebte. Von ihrer beinahe unüberschaubar großen Familie (zumindest 250 Mitglieder) überlebten nur sie, ihre Mutter, 2 Schwestern und 2 Brüder. Nach dem Krieg kam sie nach Wien zurück.  Ceija Stojka lebte bis zu ihrem Tod in Wien Neubau.

Aus dem Zyklus ...selbst der Tod hat Angst vor Auschwitz. Tuschezeichnungen.

Aus dem Zyklus …selbst der Tod hat Angst vor Auschwitz. Tuschezeichnungen.

1988 schrieb Ceja Stojka ihr erstes Buch „Wir leben im Verborgenen“. 2001 und 2005 entstanden in Zusammenarbeit mit der Regisseuse Karin Berger einfühlsame Porträts über Ceija Stoika. Sie wurde mehrmals ausgezeichnet – neben dem Bruno Kreisky Preis für das politische Buch 1993 , erhielt sie 2001 das Verdienstkreuz des Landes Wien.

 

 

Als Vorsitzende der Kulturkommission freut es mich besonders, dass wir es geschafft haben vor der Lerchenfelder Kirche nicht nur einen Platz partizipartiv zu planen, sondern darüber hinaus mit der Platzbenennung ein wenig bekanntes Kapitel der Neubauer Geschichte ins Licht zu rücken.

ceija stojka platz ceija stojka platz-nuna

 

 

Iris Andraschek tattooiert Frauenbiographien in den öffentlichen Raum

„Tell these people who I am“  Drei Interventionen im öffentlichen Raum in Wien Neubau

(meine Rede zur Eröffnung der ersten Intervention von Iris Andraschek )

Einladung AndraschekZwar konnten wir in den letzten Jahren 3 neugestaltete Parks bzw Plätze nach Frauen benennen und ihnen damit einen Erinnerungsraum schaffen. Aber in Neubau gab es bisher kein von einer Künstlerin gestaltetes Denkmal im öffentlichen Raum. Das soll sich mit den 3 Interventionen im öffentlichen Raum von Iris Andraschek nun ändern.

Am Anfang waren es die Frauenspaziergängen, die die Grünen und Madeleine Reiser als Vorsitzende der Kulturkommission für Neubau schon 2003 beauftragten, und gemeinsam mit Petra Unger umgesetzt haben. Im Zuge Petra Ungers Recherchen dafür, sind wir auf viele historisch interessante Frauen gestoßen, die hier im Bezirk gelebt oder gearbeitet haben. In der weiteren Entwicklung dieses ersten Projekts ist nun das heute zu eröffnende gestanden:

lerchenfelderstrWir wollen und wollten einigen dieser vielen in Neubau tätigen Frauen Erinnerungsplätze zu schaffen.

Also Plätze, die einerseits sie und ihre Werke vorstellen. Und damit auch ein schwarzes Loch erhellen, in das fast alle aktiven Frauen der Geschichte verschwinden. Gleichzeitig war es auch intendierter Wunsch, aktuellen Bildhauerinnen, die Möglichkeit zu geben hier ein Zeichen zu setzen. Statt nur zu erinnern, setzt sich diese Projekt auch zum Ziel einen Konnex in die Gegenwart zu schaffen. Frauen-Geschichte von aktuell aktiven Künstlerinnen interpretiert ist das Ziel.

anraschek füsseIm Kulturbereich werden in Neubau ca. 70% der Förderungen an Vereine von Frauen oder die mehrheitlich von Frauen besetzt sind vergeben. Allerdings die Künstlerinnen, die bei uns um Unterstützung einreichen, kommen zumeist aus dem Darstellenden Bereich – also Performances, Theater, Musik – Bildende Kunst ist sehr wenig vertreten. Gerade in der bildenden Kunst gibt zwar viele Studierende aber nur ganz wenige Künstlerinnen, die wirklich den Durchbruch in die öffentliche Wahrnehmung schaffen.

stiftkaserneWir waren also interessiert an Interventionen im öffentlichen Raum, die von den vorbeischlendernden PassantInnen nicht unbedingt als „Denkmal“ im klassischen Sinn wahrgenommen werden. Es geht auch darum die ständige Interaktion, das ständige Hineinwirken des Vergangen ins heute zu thematisieren. Es sollen Orte sein, an denen ein Mädchen heute steht und gestärkt wird in seinem Selbstbewusstsein, eigene Ideen zu verwirklichen. Ein Ort, an dem eine Frau sieht, dass sie eine Geschichte hat: denn

Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat!,

wie die Grand Dame der Frauengeschichte Gerda Lerner immer wieder feststellt.

Tell this people who I am-b7bea369Ein Teil der Geschichte von Frauen und ihrem Leben und Arbeiten in Neubau können wir mit diesen Kunstwerken von Iris Andraschek ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Es ist absolut wichtig, dass Frauen nicht nur im Museum sichtbar werden als Künstlerinnen, wie es die guerilla girls schon seit 20 Jahren in den USA propagieren, sondern auch und gerade im öffentlichen Raum, an den Orten, wo sie gelebt, gearbeitet haben und es noch heute tun.

Öffentlicher Raum klingt immer so, als wäre er riesig, als gehörte er wirklich allen und hätte keine Grenzen. Die Realität sieht anders aus:

Im  öffentlichen Raum, in Wien, ist das Geschlechterverhältnis, bzw. die Repräsentation von Frauen gemessen an ihrem tatsächlichen Anteil an der Gesellschaft, ähnlich wie in der Kunst. Alleine im 7. Bezirk tragen von etwa 70 Straßen- und Ortsbezeichnungen 28 Flurnamen bzw. Geographische Bezeichnungen, 26 Männernamen, 5 Berufsbezeichnungen und nur 2 die Namen von Frauen. Von den 7 Denkmälern im öffentlichen Raum, die im Denkmalamt aufscheinen, erinnert nur eines an eine Frau, an die Schauspielerin Hansi Niese. Das Denkmal steht vor dem Volkstheater.

fraueneinladungDie Gesellschaft hingegen setzt sich aus ca. 51,8 % Frauen und 49,2 % Männern zusammen. Diese knapp 52% haben von der Vergangenheit bis in die Gegenwart die Gesellschaft gestaltet und geprägt. Sie haben als Künstlerinnen, Lehrerinnen, Geschäftsfrauen, Wissenschaftlerinnen Forscherinnen, Politikerinnen Unternehmerinnen und und und…. das Leben im Bezirk mitbestimmt. Es scheint aber eine kollektive, nicht ausgesprochene Übereinkunft zu geben, sei zu vergessen. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass von all diesen Frauen keine oder nur wenige Spuren zu finden sind. Wir erinnern uns an sie. Ja. Ihre Familien, die Freunde, die Menschen aus ihrem Umkreis. Aber für alle sichtbare öffentliche, die Zeiten überdauernde Erinnerungen werden nicht geschaffen. Und wenn man dann erinnern möchte, ist das wiederum gar nicht so leicht. Ich denke hier an den Jenny Steiner Weg, der 350 Meter Luftlinie entfernt ist. Bis wir den Weg nach Jenny Steiner nennen durften und dann auch noch eine Zusatztafel anbringen konnten, die versucht ein ganzes Leben in 3 Sätze zu packen, was natürlich nicht möglich ist – bis das so weit war, da haben die Mühlen der Stadt sehr langsam und sehr knirschend gemahlen. Aber: Jetzt haben wir einen öffentlichen Weg mehr, der nach einer Frau benannt ist und wir wollen natürlich noch mehr. Bis es soweit ist, werden wir Frauen im Bezirk einen Teppich ausbreiten, der dauerhaft an sie erinnern wird. andraschek_tatooiertAllein aufgrund der Tatsachen, dass die Teppiche der Künstlerin Iris Andraschek in den Boden tätowiert, gefräst werden. Ein Tattoo, ist eine Entscheidung für ein ganzes Leben. Die Teppiche, Bodentattoos, sind zumindest eine Erinnerung auf die Dauer des Lebens einer Straße in Wien Neubau. Das wird einer unserer Beiträge sein, für die Sichtbarmachung und die Erinnerung an Frauen im öffentlichen Raum in Wien. Im 7. Bezirk.

„Tell these people who I am“ 3 Interventionen von Iris Andraschek wird am 13.10. 2011 um 16.00 Uhr vor der Stiftskaserne feierlich eröffnet.

Ab Herbst 2011 wird es in die Rundgänge der KÖR aufgenommen und so auch regelmäßig mit mehr Hintergrund vorgestellt.

Details zu Iris Andraschek (sie wurde in einer eigenen Rede von Elke Krasny gewürdigt):

olly schwarzIris Andraschek 1963 in Horn geboren, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien. Sie ist Mitglied der Wiener Secession und Foto Fluss. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen hat sie auch eine Vielzahl an Projekten im öffentlichen Raum umgesetzt: u. a. DER MUSE REICHT’S, Arkadenhof der Universität Wien,  ALS DAS WÜNSCHEN NOCH GEHOLFEN HAT, Platzgestaltung, Taufkirchen an der Pram.

 

 

Die Orte und zu erinnernden Frauen

  1. Stiftgasse 2, 1070 Wien Olly Schwarz (1877 – 1960), Frauenrechtlerin, Gründerin der Wiener Handelsschule für Mädchen und des Athenaeums, Hochschule für Frauen. Sie gründete 1916 die Zentralstelle für weibliche Berufsberatung. Im Austrofaschismus wird sie „in Pension“ geschickt. Sie engagiert sich ab 1933 in der „Liga für Menschenrechte“.
  2. Augustinplatz, 1070 Wien Vally Wieselthier (1895 – 1945), Keramikerin, Bildhauerin, Designerin, Mitarbeiterin der Wiener Werkstätte, ab 1927 künstlerische Leiterin der Keramikabteilung. Sie geht 1932 nach New York und beeinflusst weiterhin die Keramikproduktion der Wiener Werkstätte.
  3. Lerchenfelderstraße 131, 1070 Wien Gisela von Camesina de San Vittore (1865 – ?) in Triest als Tochter eines österreichischen Beamten geboren und zur Lehrerin ausgebildet. Nachdem sie als Fachlehrerin die Unterrichtsanstalten in Dresden, Stuttgart und Berlin besucht hatte, rief sie 1884 ein ganz neues Unterrichtssystem zur gewerblichen Ausbildung erwachsener Mädchen in Wien ins Leben. Zudem richtete sie im Jahre 1886 als erste Lehrerin in Europa die Unterrichtsabteilungen Technologie, Hygiene und Krankenpflege ein und legte denselben ihre selbst verfassten Lehrbücher zu Grunde.

 

 

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