ursula berner

beobachtungen, ideen, tipps

Kategorie: Bildung

Die Bildung des einzelnen ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit Gesellschaft als Ganzes weiterzuentwickeln. Dass das möglich ist, davon bin ich überzeugt.
Es muss darum gehen die Neugierde und den ForscherInnendrang zu erhalten. Nur wenn wir bei den ganz Kleinen anfangen, werden wir bei den Größeren und Erwachsenen erfolgreich sein.

Wien ein „Platz der Menschenrechte“?

Montage (c) Francoise Schein 2017

Montage (c) Francoise Schein 2017

Stärker als noch bei der Benennung des Platzes 2014 werden heute grundlegende Menschenrechte täglich neu verhandelt:  Auch hier im reichen „zivilisierten“ Mitteleuropa wird plötzlich in Frage gestellt, ob ein Kind, dessen Eltern im falschen Land geboren sind, wirklich in „unsere“ Schule gehen dürfen soll, „unserer“ Ärzte besuchen darf oder finanzieller Unterstützung bedarf. Ob Gewaltschutz wirklich öffentlich finanziert werden soll und ob Menschen über 50 überhaupt noch ein Recht auf einen Job haben, oder man ihnen besser gar keine Unterstützung mehr zukommen lässt.

Es war die Erfahrung der zwei Weltkriege in Europa hat 1948 die Vereinten Nationen dazu veranlasst in 30 Artikel internationale Menschenrechte festzuschreiben: Grundrechte, die für alle Menschen gelten, egal welche ethnische Herkunft sie haben, egal welche gesellschaftliche Position sie inne haben, egal ob sie reich oder arm sind: ein Dach über dem Kopf, Nahrung, Bildung, Schutz vor Verfolgung, ein Recht auf Familie und sexuelle Freiheit stehen jedem und jeder zu. Das soll hier erinnert werden, an einem Platz der zentral in Wien gelegen mittlerweile der größte im Bezirk Neubau ist. 

Gerade in einer Gesellschaft in der „Geiz geil ist“, neoliberale „ich bin der Stärkste und du schau, wo du bleibst“ Stimmung ist, wird es immer wichtiger diese Grundrechte wieder ins Bewusstsein zu rufen. Der öffentliche Raum ist ideal dafür, möglichst barrierefrei Themen zu setzen. Das sieht man nicht zuletzt hier am Platz der Menschenrechte– mit dem Omofuma Stein hat Ulrike Truger schon 2003 den Rassismus und das menschenverachtende Vorgehen in vielen Asylverfahren angeklagt und öffentlich zur Diskussion gestellt.

70 Jahre nach der in Deklaration der Menschenrechte und der UNO Menschenrechtscharta sehen wir die Übereinkunft, der allumfassenden Gültigkeit der Menschenrechte in vielen europäischen Ländern bedroht. Auch hier in Österreich werden Gesetze adaptiert und damit Grundsätze aus der Deklaration ausgehöhlt.

Foto Detail des Tisches am Platz der Menschenrechte von Francoise Schein   (c) Iris Ranzinger KÖR

Mit dem Platz der Menschenrechte soll allen, die hier vorbeigehen auch die eigene Verantwortung ins Bewusstsein gerufen werden, diese Menschenrechte zu verteidigen. Und mit all jenen solidarisch zu sein, die gerade Einschränkungen in ihren Grundrechten erfahren.

Als Menschenrechts-Stadt hat Wien eine besonders große Verantwortung die Basis zu schaffen, dass alle hier Lebenden in Würde leben können, Zugang zu Nahrung, Bildung und Gesundheitsversorgung haben. Angemessen leben können.

Der 70. Geburtstag ist auch ein Erinnerungstag wie schnell extreme, scheinbar einfache Lösungen von Konflikten in den Abgrund führen.

Die Basis der Demokratie ist der Kompromiss unter der Berücksichtigung der Würde aller Menschen. Die Menschenrechte sind die Basis für eine moderne Demokratie. Alle gesetzlichen Entscheidungen, alle Regelwerke müssen darauf abgeklopft werden, ob sie tatsächlich dieser grundlegenden Übereinkunft entsprechen.

Mehr zum Projekt auf der Seite des KÖR

http://www.koer.or.at/projekte/wien-bankett/

Das Frauenbild im Islam – was sagt der Koran zu Frauenrechten

BO07_150115bBrautkauf, Kinderehen, Zwangsehen, Mehrehe, Jungfräulichkeitsgebot, Brautgabe, häusliche Gewalt, Gehorsamspflicht, Ehrenmorde, talak-Scheidung: was sagt die Scharia dazu?

Ziel der Veranstaltung ist es, differenziert und kritisch die historischen Wurzeln des patriarchalischen Rollenverständnisses aufzuzeigen, das Gewalt gegen Frauen legitimiert. Gülay Cataltepe hat sich als Juristin viele Jahre lang mit dem türkischen Eherecht und seinen Auswirkungen beschäftigt.

Am 21.1.2015 laden Dr.in Gülay Cataltepe, Juristin und Autorin, und  Maga. Ursula Berner zu einem diskursiven Themenabend.

Beginn: 18.30 Uhr

ORT: Hermanngasse 25, 1070 Wien

Ich nehme ihre Provokation an, Lieber Herr Reichel

und auch Ihre, Lieber Christian Ordner,der sie derartiges gerne in Facebook etc verbreiten.
betrifft  den Artikel Die Generation Bobo verrät ihre eigenen Kinder , vom 9.Oktober 2014

ich verstehe wirklich, dass es im Moment schick ist, alle Entwicklungen als Grund für das Aufstreben des radikalen Islamismus zu interpretieren.

Und in Ihrem Fall scheint es auch noch ein starkes Bedürfnis zu geben endlich mit den „Bobos“ abzurechnen – natürlich polemisch und absichtsvoll provokant.

Es ist einfach und Sie machen es sich ein wenig zu einfach, wenn Sie die Eltern von Kindern im Alternativkindergarten als naive „Gutmenschen“ darstellen – Wem wollen Sie da eigentlich in die Hände spielen? Den Blauen?

Fakt ist, dass zumindest in Wien Kindergartenplätze für nur 30% der potentiellen KindergartenbesucherInnen zur Verfügung stehen – übrigens inklusive der Privatkindergärten. Und mit 30% ist die „notwendige Quote“ erfüllt. 350 städtische Einrichtungen stehen in Wien 1500 privatrechtlich organisierten gegenüber, die Chance für junge Eltern in einen der letzteren zu landen ist also ungleich höher als in einem städtischen Kindergarten Platz zu finden.

Darüber hinaus darf Bedarf angemeldet werden – erfüllt werden kann er wegen budgetärer Engpässe eher nicht. Die Engpässe stammen übrigens weniger von den Bobos als von gewissen Großprojekten wie dem Skylink oder auf Bundesebene der Hypo-Alpe-Adria.

Und nun zum Ideologischen: Wie schon die „68er“ in den 70er Jahren versuchen heute – unter geänderten Vorzeichen – weiterhin Menschen in kleineren Strukturen eine Elementarpädagogische Erziehung zu entwickeln und umzusetzen – ja, eine elementarpädagogisch Erziehung -, die ein besseres Rüstzeug für die Zukunft bringt. Viele Ideen, die in diesen Versuchen entstanden sind, sind heute zum Glück im öffentlichen Kindergarten angekommen (Montessori, Wild). Manches kann – auf Grund von Ressourcenschwäche, sowohl im Bereich der Infrastruktur als auch vor allem im Bereich des Personals leider noch nicht umfassend umgesetzt werden.

Viele Kindergruppen-Eltern wollen darüber hinaus auch den notwendigen Disziplinierungsmaßnahmen großer komplizierter Organisationen entfliehen. Sie setzen auf Mitbestimmung statt Unterordnung, darauf Verantwortung für das was ist und sein soll zu übernehmen, statt die Verantwortung an der Kindergartentür abzugeben. Und sie benötigen nicht zuletzt häufig die flexibleren Öffnungszeiten mancher privaten AnbieterInnen.

Dabei geht es nicht nur um Bioapferln, sondern und das vor allem auch um eine Basisbildung in demokratischen Umgangsformen: vom Morgenkreis, indem alle zu Wort kommen, über gemeinsame Ausflugsplanung mit Abstimmung, zu Grenzen setzen (die eigenen und die von anderen erkennen) geht das Spektrum und ist damit längst nicht abgedeckt. Es geht außerdem darum jedem Kind seine individuelle benötigt Zeit für spezifische Entwicklungsschritt zu geben und oder es gegebenenfalls zu fördern. Im Grunde passiert also hier das, was wir alle ständig für öffentliche Schule fordern.

Ich glaube ja nicht, dass Sie in den letzten Jahren je eine derartige Kindergruppe besucht haben, sonst wüssten Sie, dass das alte Argument der Segregation durch Geld längst nicht mehr in dieser Form besteht: Nicht zuletzt durch die Förderungen der Stadt Wien ist auch ein Platz in einem privaten Kindergarten oder einer Kindergruppe fast immer erschwinglich. Und auch notwendig, weil der Bedarf an Kinderbetreuung ohne PrivatanbieterInnen in Wien nicht gedeckt werden könnte (siehe oben). Würden also alle sogenannten „Bobos“ ihre Kinder in öffentliche Einrichtungen stecken, blieben keine Plätze mehr für die „wirklich Bedürftigen“ über. – Übrigens: auch vor 10 Jahren schon haben einkommensschwache Familien einen solchen Platz in der „alternativen Kindergruppe“ komplett gefördert bekommen. Nicht zuletzt deshalb finden hier sich Kinder von MigrantInnen genauso wie Kinder mit besonderen Bedürfnissen.

In ihrem Pamphlet mischen Sie darüber hinaus auch noch private Kinderbetreuungseinrichtungen mit alternativen selbstverwalteten Kindergruppen. Zur Klärung: Private sind Kindergärten mit unterschiedlichsten Konzepten, aber im Grunde mit kommerziellem Interesse. Daher stoßen sie oft an ähnliche Grenzen wie die städtischen Kindergärten. Wenn nicht sogar in städtischen Einrichtungen wegen höherer öffentlicher Förderungen auch eine bessere Ausstattung bzw. eine besseres Betreuungsverhältnis erreicht werden kann. Alternative (selbstverwaltete) Kindergruppen dagegen versuchen durch das eigene Handanlegen Kosten von Bürokratie und Infrastruktur zu reduzieren und investieren dafür mehr in ein besseres Betreuungsverhältnis. Das kann man nun als Weicheiverhalten sehen, oder auch als bewusstes Setzen von Prioritäten. In Bildern: mehr menschliche Nähe statt schöner Möbel, zum Beispiel. Oder: mehr Ausflüge ins Grüne statt eines großen eignen Gartens… etc.

Wie viele Kinder aus bildungsfernen Familien (österreichischen und nicht österreichischen) sich in einer öffentlichen Kindergartengruppe finden, hängt vor allem davon ab, wo in Wien diese Gruppe situiert ist. Und bildungsfern hat hier nichts oder nur wenig mit dem tatsächlichen Familieneinkommen zu tun. In den meisten alternativen selbstverwalteten Kindergruppen gibt es eine große Zahl von Kindern deren Eltern als freie Selbstständige, als StudentInnen oder aus anderen Gründen über ein sehr übersichtliches Einkommen verfügen.

Insgesamt komme ich nun zu ihrem CO2 Argument – was genau das mit elternverwalteten selbstausbeuterischen Kindergruppen zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Höchstens wohl, dass Menschen, die sich überlegen, wer auf ihre Kinder aufpasst, auch darüber nachdenken, in welcher Welt sie in Zukunft leben wollen. In einer, wo es noch Tiere außerhalb von Zoos gibt zum Beispiel, oder einer, wo der Aufenthalt in der Sonne nicht lebensgefährlich ist, oder auch in einer, in der soziale Unterschiede diskutiert werden, statt dass Autos brennen.

Das heißt nicht, dass mit so einem Ansatz alle Menschen vor Radikalisierung geschützt sind – es heißt aber, dass mit besserer Dotierung der öffentlichen Kleinkinderbetreuung, auch dort ein Betreuungsschüssel erreicht werden kann, der individuelle Auseinandersetzung mit dem einzelnen und seinen/ihren Bedürfnissen ermöglicht.

Gute Beziehungen nämlich sind es, die nachhaltig Radikalisierung vermeiden. Und die finden manche glückliche in der eigenen Familie, andere, die es auch gut getroffen haben, zumindest bei ihrer ElementarpädagogIn und andere haben das Pech weder das eine noch das anderer kennen zu lernen.

Hier gilt es rechtzeitig öffentliche Angebote zu machen – in Wien geschieht das an vielen Stellen mit zum Beispiel außerschulischer Kinder- und Jugendbetreuung. Aber auch hier bleibt noch einiges zu tun.

Pipi graffiti

 

 

 

 

 

 

PS: Wer genau ihre „Bobos“ sein sollen wäre es weiter interessant zu diskutieren. Muss aber fürs nächste Mal aufgehoben werden.

 

Unbemerkte Zeugnisse der Vergangenheit – sichtbar gemacht

Anlässlich der Tafelenthüllung zur Erinnerung an das ehemalige Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis (WUG VII) in der Hermanngasse 38/Ecke Burggasse

Wer heute in der Hermanngasse 38 vorbei geht erkennt nichts Spezielles: das Gebäude aus dem Jahr 1820er Jahren beherbergt inzwischen einen privaten Kindergarten, einen privaten Hort und Wohnungen. Nichts erinnert mehr dran, dass hier ein Untersuchungsgefängnis der NS Militärjustiz beherbergt war. Mit einer Tafel wird die Funktion und Geschichte des Gebäudes nun öffentlich gemacht.

Ursprünglich war das Haus vom Schottenstift als Versorgungs- und Waisenhaus geplant und gebaut worden. Ab 1850 zog hier das Bezirksgericht für Mariahilf und Neubau ein. Das Haus verfügte dafür über Amtsräume, Gerichtssäle und im Inneren des U-förmigen Baus waren mehrere Arrestzellen eingerichtet. Das Bezirksgericht wurde in der ersten Republik übernommen. 1932 übernahm die Polizei das Haus zur Gänze, das Bezirksgericht zog aus. Während der Novemberpogrome 1938 wurden hier kurzfristig Juden und Jüdinnen aus den Umlandbezirken festgehalten.

Wann genau das Haus als Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis umgewidmet wurde, ist nicht belegt. Spätestens 1944 wurden hierher Häftlinge verlegt, die schon verurteilt waren und auf ihre Verlegung in ein anderes Gefängnis warteten. Auch zu Tode verurteilte warteten hier. Auch die GESTAPO durfte auf das Gefängnis zugreifen. Das WUG VII war Teil eines 5-teiligen Netzes von Gefängnissen über ganz Wien verteilt. Die zentrale befand sich in Favoriten.

Wie hoch die Belegung in den 40er Jahren war, ist leider nicht belegt. In der ersten Republik boten die Zellen 40 Personen Platz, zusätzlich gab es eine Isolierzelle. Insgesamt lässt sich sagen aber sagen, dass hunderte Häftlinge in der Hermanngasse eingesessen sind. Noch während der letzten Kriegsmonate wurden die Häftlinge schrittweise „evakuiert“.

Nach der Befreiung 1945 übernahm das Schottenstift das Gebäude wieder. Seit 1984/85 wird hier ein Pfarrkindergarten betrieben. 2010 wurde das Gebäude grundlegend saniert und umgebaut. Die ehemaligen Zellen wurden damals zu Wohnräumen umgebaut.

Bis heute wissen nur wenige über die wechselhafte Geschichte des Hauses und seine Verwendung in der Zeit des Nationalsozialismus und davor. Dank Matthias Lichtenwagner wurde die Geschichte dieses Hauses und das System der Wehrmachtsuntersuchungsgefängnisse in ganz Wien näher beleuchtet. Weitere Details zum Haus und zum System der Militärjustiz in Österreich finden sich hier.

Am 8. Mai 2014 um 9.30 Uhr wird vom Bezirk in Zusammenarbeit mit dem Schottenstift und dem Bezirksmuseum direkt am Haus eine Gedenktafel enthüllt, die die Geschichte des Hauses dokumentiert.

Eröffnung Ausstellung Widerstand in LerchenfeldParallel dazu präsentiert das Bezirksmuseum Neubau in der Stiftgasse 8 den ganzen Mai über die Ausstellung „Widerstand und Wehrmachtsjustiz in Neubau“. Sie beleuchtet Hintergründe der Wehrmachtsjustiz und die brutale Verfolgung derjenigen Männer und Frauen, die sich dem Dienst in der Wehrmacht entzogen.

Richard Wardani  war selbst Deserteur und langjähriger Aktivist für die Gerechtigkeit für Opfer der Militärjustiz mehr dazu: http://www.pk-deserteure.at/index.php?id=5

Richard Wardani war selbst Deserteur und langjähriger Aktivist für die Gerechtigkeit für Opfer der Militärjustiz mehr dazu: http://www.pk-deserteure.at/index.php?id=5

 

Die Ausstellung will damit auch das am Wiener Ballhausplatz geplante Deserteursdenkmal ins Bewusstsein rücken.

Veranstaltungen:

  • Tafelenthüllung : 8:Mai 9.30 Uhr , Hermanngasse 38
  • Ausstellung im Bezirksmuseum; Stiftgasse 8. Bis 31.Mai 2014
    geöffnet: Do 16.00 – 18.00 Uhr und Sa 15.00 -17.00 Uhr und auf Anfrage unter 06648317446

Iris Andraschek tattooiert Frauenbiographien in den öffentlichen Raum

„Tell these people who I am“  Drei Interventionen im öffentlichen Raum in Wien Neubau

(meine Rede zur Eröffnung der ersten Intervention von Iris Andraschek )

Einladung AndraschekZwar konnten wir in den letzten Jahren 3 neugestaltete Parks bzw Plätze nach Frauen benennen und ihnen damit einen Erinnerungsraum schaffen. Aber in Neubau gab es bisher kein von einer Künstlerin gestaltetes Denkmal im öffentlichen Raum. Das soll sich mit den 3 Interventionen im öffentlichen Raum von Iris Andraschek nun ändern.

Am Anfang waren es die Frauenspaziergängen, die die Grünen und Madeleine Reiser als Vorsitzende der Kulturkommission für Neubau schon 2003 beauftragten, und gemeinsam mit Petra Unger umgesetzt haben. Im Zuge Petra Ungers Recherchen dafür, sind wir auf viele historisch interessante Frauen gestoßen, die hier im Bezirk gelebt oder gearbeitet haben. In der weiteren Entwicklung dieses ersten Projekts ist nun das heute zu eröffnende gestanden:

lerchenfelderstrWir wollen und wollten einigen dieser vielen in Neubau tätigen Frauen Erinnerungsplätze zu schaffen.

Also Plätze, die einerseits sie und ihre Werke vorstellen. Und damit auch ein schwarzes Loch erhellen, in das fast alle aktiven Frauen der Geschichte verschwinden. Gleichzeitig war es auch intendierter Wunsch, aktuellen Bildhauerinnen, die Möglichkeit zu geben hier ein Zeichen zu setzen. Statt nur zu erinnern, setzt sich diese Projekt auch zum Ziel einen Konnex in die Gegenwart zu schaffen. Frauen-Geschichte von aktuell aktiven Künstlerinnen interpretiert ist das Ziel.

anraschek füsseIm Kulturbereich werden in Neubau ca. 70% der Förderungen an Vereine von Frauen oder die mehrheitlich von Frauen besetzt sind vergeben. Allerdings die Künstlerinnen, die bei uns um Unterstützung einreichen, kommen zumeist aus dem Darstellenden Bereich – also Performances, Theater, Musik – Bildende Kunst ist sehr wenig vertreten. Gerade in der bildenden Kunst gibt zwar viele Studierende aber nur ganz wenige Künstlerinnen, die wirklich den Durchbruch in die öffentliche Wahrnehmung schaffen.

stiftkaserneWir waren also interessiert an Interventionen im öffentlichen Raum, die von den vorbeischlendernden PassantInnen nicht unbedingt als „Denkmal“ im klassischen Sinn wahrgenommen werden. Es geht auch darum die ständige Interaktion, das ständige Hineinwirken des Vergangen ins heute zu thematisieren. Es sollen Orte sein, an denen ein Mädchen heute steht und gestärkt wird in seinem Selbstbewusstsein, eigene Ideen zu verwirklichen. Ein Ort, an dem eine Frau sieht, dass sie eine Geschichte hat: denn

Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat!,

wie die Grand Dame der Frauengeschichte Gerda Lerner immer wieder feststellt.

Tell this people who I am-b7bea369Ein Teil der Geschichte von Frauen und ihrem Leben und Arbeiten in Neubau können wir mit diesen Kunstwerken von Iris Andraschek ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Es ist absolut wichtig, dass Frauen nicht nur im Museum sichtbar werden als Künstlerinnen, wie es die guerilla girls schon seit 20 Jahren in den USA propagieren, sondern auch und gerade im öffentlichen Raum, an den Orten, wo sie gelebt, gearbeitet haben und es noch heute tun.

Öffentlicher Raum klingt immer so, als wäre er riesig, als gehörte er wirklich allen und hätte keine Grenzen. Die Realität sieht anders aus:

Im  öffentlichen Raum, in Wien, ist das Geschlechterverhältnis, bzw. die Repräsentation von Frauen gemessen an ihrem tatsächlichen Anteil an der Gesellschaft, ähnlich wie in der Kunst. Alleine im 7. Bezirk tragen von etwa 70 Straßen- und Ortsbezeichnungen 28 Flurnamen bzw. Geographische Bezeichnungen, 26 Männernamen, 5 Berufsbezeichnungen und nur 2 die Namen von Frauen. Von den 7 Denkmälern im öffentlichen Raum, die im Denkmalamt aufscheinen, erinnert nur eines an eine Frau, an die Schauspielerin Hansi Niese. Das Denkmal steht vor dem Volkstheater.

fraueneinladungDie Gesellschaft hingegen setzt sich aus ca. 51,8 % Frauen und 49,2 % Männern zusammen. Diese knapp 52% haben von der Vergangenheit bis in die Gegenwart die Gesellschaft gestaltet und geprägt. Sie haben als Künstlerinnen, Lehrerinnen, Geschäftsfrauen, Wissenschaftlerinnen Forscherinnen, Politikerinnen Unternehmerinnen und und und…. das Leben im Bezirk mitbestimmt. Es scheint aber eine kollektive, nicht ausgesprochene Übereinkunft zu geben, sei zu vergessen. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass von all diesen Frauen keine oder nur wenige Spuren zu finden sind. Wir erinnern uns an sie. Ja. Ihre Familien, die Freunde, die Menschen aus ihrem Umkreis. Aber für alle sichtbare öffentliche, die Zeiten überdauernde Erinnerungen werden nicht geschaffen. Und wenn man dann erinnern möchte, ist das wiederum gar nicht so leicht. Ich denke hier an den Jenny Steiner Weg, der 350 Meter Luftlinie entfernt ist. Bis wir den Weg nach Jenny Steiner nennen durften und dann auch noch eine Zusatztafel anbringen konnten, die versucht ein ganzes Leben in 3 Sätze zu packen, was natürlich nicht möglich ist – bis das so weit war, da haben die Mühlen der Stadt sehr langsam und sehr knirschend gemahlen. Aber: Jetzt haben wir einen öffentlichen Weg mehr, der nach einer Frau benannt ist und wir wollen natürlich noch mehr. Bis es soweit ist, werden wir Frauen im Bezirk einen Teppich ausbreiten, der dauerhaft an sie erinnern wird. andraschek_tatooiertAllein aufgrund der Tatsachen, dass die Teppiche der Künstlerin Iris Andraschek in den Boden tätowiert, gefräst werden. Ein Tattoo, ist eine Entscheidung für ein ganzes Leben. Die Teppiche, Bodentattoos, sind zumindest eine Erinnerung auf die Dauer des Lebens einer Straße in Wien Neubau. Das wird einer unserer Beiträge sein, für die Sichtbarmachung und die Erinnerung an Frauen im öffentlichen Raum in Wien. Im 7. Bezirk.

„Tell these people who I am“ 3 Interventionen von Iris Andraschek wird am 13.10. 2011 um 16.00 Uhr vor der Stiftskaserne feierlich eröffnet.

Ab Herbst 2011 wird es in die Rundgänge der KÖR aufgenommen und so auch regelmäßig mit mehr Hintergrund vorgestellt.

Details zu Iris Andraschek (sie wurde in einer eigenen Rede von Elke Krasny gewürdigt):

olly schwarzIris Andraschek 1963 in Horn geboren, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien. Sie ist Mitglied der Wiener Secession und Foto Fluss. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen hat sie auch eine Vielzahl an Projekten im öffentlichen Raum umgesetzt: u. a. DER MUSE REICHT’S, Arkadenhof der Universität Wien,  ALS DAS WÜNSCHEN NOCH GEHOLFEN HAT, Platzgestaltung, Taufkirchen an der Pram.

 

 

Die Orte und zu erinnernden Frauen

  1. Stiftgasse 2, 1070 Wien Olly Schwarz (1877 – 1960), Frauenrechtlerin, Gründerin der Wiener Handelsschule für Mädchen und des Athenaeums, Hochschule für Frauen. Sie gründete 1916 die Zentralstelle für weibliche Berufsberatung. Im Austrofaschismus wird sie „in Pension“ geschickt. Sie engagiert sich ab 1933 in der „Liga für Menschenrechte“.
  2. Augustinplatz, 1070 Wien Vally Wieselthier (1895 – 1945), Keramikerin, Bildhauerin, Designerin, Mitarbeiterin der Wiener Werkstätte, ab 1927 künstlerische Leiterin der Keramikabteilung. Sie geht 1932 nach New York und beeinflusst weiterhin die Keramikproduktion der Wiener Werkstätte.
  3. Lerchenfelderstraße 131, 1070 Wien Gisela von Camesina de San Vittore (1865 – ?) in Triest als Tochter eines österreichischen Beamten geboren und zur Lehrerin ausgebildet. Nachdem sie als Fachlehrerin die Unterrichtsanstalten in Dresden, Stuttgart und Berlin besucht hatte, rief sie 1884 ein ganz neues Unterrichtssystem zur gewerblichen Ausbildung erwachsener Mädchen in Wien ins Leben. Zudem richtete sie im Jahre 1886 als erste Lehrerin in Europa die Unterrichtsabteilungen Technologie, Hygiene und Krankenpflege ein und legte denselben ihre selbst verfassten Lehrbücher zu Grunde.

 

 

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